
SWR Kultur lesenswert - Literatur Gefangen in der Turboglobalisierung: Oliver Rathkolbs „Ökonomie der Angst“
Mar 18, 2026
04:08
Ähnlich wie die Menschen vor 1914 leben wir heute in einem Zeitalter der Hypernervosität und Überforderung, schreibt der renommierte Zeithistoriker Oliver Rathkolb in seinem neuen Buch „Ökonomie der Angst“.
Diesem gesellschaftlichen Zustand sind jeweils Beschleunigungs- und Globalisierungsprozesse vorhergegangen. Rathkolb nennt sie „Turboglobalisierungen“.
Dampfschiff und Computer als Treiber der Turboglobalisierungen
Der Treiber für die erste Welle ab 1870 waren Innovationen wie das Dampfschiff oder die Unterseetelegraphie. Entwicklungen auf dem Computersektor befeuerten dann ab den 1980ern die zweite „Turboglobalisierung“. Damals wie heute nahm man es mit der Regulierung negativer Auswirkungen nicht so genau. Die Folgen waren nach 1914 bekanntlich verheerend, so Rathkolb: „1914 war auch für viele Akteurinnen und Akteure der Moderne in Berlin, Paris, London, Wien, Moskau, der Krieg, wenn man so will, die Möglichkeit, dass endlich diese alte, verzopfte Gesellschaft sich radikal ändert. Das ist, glaube ich, eine der großen Gefahren, dass wir wieder die Tendenz haben, so eine allumfassende, einfache Lösung zu finden.“ Rathkolb macht es sich in seinem Essay zur Aufgabe, Handlungsempfehlungen zu entwerfen, die eine ähnlich katastrophale Entwicklung verhindern könnten.Also wir stehen wirklich vor einer abgrundtiefen Schlucht und müssen einfach auch lernen, Tempo, Nervosität, Aufregung herauszunehmen und wirklich zentrale, ruhige, strategische Entscheidungen zu treffen.Quelle: Oliver Rathkolb
