
Die Leichtigkeit der Kunst - Kunstpodcast In Touch – Hilti Art Foundation mit Dr. Karin Schick
In Touch – Begegnungen in der Sammlung der Hilti Art Foundation mit Dr. Karin Schick
Was bedeutet es, in Verbindung zu sein?
Mit Kunst. Mit Geschichte. Mit uns selbst – und miteinander.
Die Ausstellung In Touch. Begegnungen in der Sammlung in der Hilti Art Foundation in Vaduz setzt genau hier an. Sie erzählt keine lineare Kunstgeschichte. Sie stellt Werke nebeneinander – und lässt die Unterschiede sichtbar bleiben. Nicht als Bruch. Eher als Einladung, genauer hinzuschauen.
Diese Podcastfolge ist vor Ort in Liechtenstein entstanden. Im Gespräch mit Dr. Karin Schick, Direktorin der Hilti Art Foundation, geht es um das Kuratieren als Haltung: um Nähe, Reibung und Resonanz. Um Entscheidungen, die nicht laut wirken – und dennoch den Blick verändern können.
In Touch entfaltet sich in drei Kapiteln: Connected, Same Same But Different und Across Time. Über hundert Jahre künstlerischer Arbeit treten in Beziehung – in Konstellationen, die nicht auf Eindeutigkeit zielen. Kandinsky trifft auf Sophie Taeuber-Arp, Corinth auf Graubner. Und plötzlich wirkt ein Werk nicht mehr wie ein einzelner Solitär, sondern wie Teil eines Gesprächs, das weitergeht.
Hilti Art Foundation
Im Zentrum steht eine Sammlung, die sich nicht als abgeschlossenes Archiv versteht, sondern als lebendiger Raum. Dr. Karin Schick spricht über Verantwortung, Sichtbarkeit und die Frage, wie man mit einem Kanon umgeht, der sich historisch oft sehr einseitig gebildet hat.
Dabei wird deutlich: Eine Ausstellung wie In Touch ist auch eine Entscheidung darüber, wie Kunstgeschichte heute erzählt werden kann, in einer Zeit, in der Fragen nach Zugehörigkeit, Differenz und kultureller Erinnerung längst über den Kunstbetrieb hinausreichen.
Dr. Karin Schick
Dr. Karin Schick ist Direktorin der Hilti Art Foundation. Sie studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Germanistik in Tübingen und war als DAAD-Stipendiatin in Boston. Berufliche Stationen führten sie unter anderem an das Kunstmuseum Stuttgart, das Kirchner Museum Davos sowie an die Hamburger Kunsthalle, wo sie von 2012 bis 2023 die Abteilung Klassische Moderne leitete.
Dr. Karin Schick realisierte zahlreiche Ausstellungen, Publikationen und interdisziplinäre Forschungsprojekte zur Klassischen Moderne – unter anderem zu Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Sophie Taeuber-Arp, Emil Nolde oder Andy Warhol.
Connected
Das erste Kapitel, Connected, setzt auf Verbindungen. Nicht als Harmonie. Eher als fein gespannte Linie zwischen Werken, Zeiten und Haltungen.
Es geht um das Gefühl, dass Kunst nicht isoliert existiert. Dass sie auf Vorbilder reagiert, auf gesellschaftliche Umbrüche, auf neue Bildsprachen. Und dass auch eine Sammlung eine Form von Netzwerk sein kann: sichtbar gemacht durch Nachbarschaften im Raum.
Same Same But Different
Im zweiten Kapitel, Same Same But Different, zeigt sich besonders deutlich, wie kuratorische Entscheidungen wirken können.
Ein Moment aus dem Gespräch bleibt hängen: Picasso hängt neben Verena Loewensberg. Für viele ist Picasso ein Name, der sofort „Moderne“ signalisiert. Loewensberg hingegen ist außerhalb der Schweiz deutlich weniger bekannt – und genau diese Konstellation wird zum Statement.
Dr. Karin Schick beschreibt diese Hängung als Spiel mit dem kunsthistorischen Kanon: Wer wird sofort erkannt? Wer muss erst entdeckt werden? Und was passiert, wenn Bekanntes und Übersehenes denselben Raum teilen?
Diese Passage macht die Folge besonders stark: weil sie nicht theoretisch bleibt, sondern konkret zeigt, wie Sichtbarkeit entsteht – oder ausbleibt.
Across Time
Das dritte Kapitel, Across Time, führt durch Zeitlinien, die nicht streng chronologisch sind. Eher wie Spuren, die sich kreuzen: Formen, die wieder auftauchen. Gesten, die sich verschieben. Gedanken, die nachwirken.
Hier wird deutlich, wie sehr sich Kunst über Jahrzehnte hinweg gegenseitig berührt – auch ohne direkte Verbindung. Namen wie Mondrian, Paul Klee, Max Ernst oder Max Beckmann tauchen im Gespräch auf, ebenso Hinweise auf Expressionismus und die Brüche des 20. Jahrhunderts.
Zur Folge
Gast: Dr. Karin Schick, Direktorin Hilti Art Foundation
Ort: Hilti Art Foundation, Vaduz, Liechtenstein
Ausstellung: In Touch. Begegnungen in der Sammlung
Laufzeit: 16. Mai 2025 bis 12. April 2026
Themen dieser Folge
Sammlung und Verantwortung · Connected / Same Same But Different / Across Time · Sichtbarkeit und Kanon · Kuratorische Entscheidungen · Künstlerische Netzwerke · Moderne und 20. Jahrhundert · Resonanz, Nähe, Reibung · Kunstgeschichte als Gegenwartsfrage
Weiterhören – Klassische Moderne, Expressionismus und Sammlung
Wer dieses Gespräch über Ausstellung, Sammlung und kuratorische Entscheidungen weiterdenken möchte, findet in diesen Folgen Anschluss – mit einem Schwerpunkt auf Klassischer Moderne und Expressionismus:
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Kunstmuseum Basel – Die Sammlung Curt Glaser und die Ausstellung Zerrissene Moderne mit Dr. Anita Haldemann
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Mit anderen Augen – Franz Marc Museum mit Dr. Cathrin Klingsöhr-Leroy und Jessica Keilholz-Busch
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Rendez-vous mit Kapoor – Pinakothek der Moderne mit Dr. Oliver Kase
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Expressionismus und Arbeiten auf Papier – Munich HIGHLIGHTS Podcast mit Thole Rotermund und Oliver Jahn
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Eine Frage der Herkunft – LWL-Museum für Kunst und Kultur zum Thema Provenienzforschung mit Eline van Dijk
Links & Credits
Hilti Art Foundation
Ausstellung: In Touch. Begegnungen in der Sammlung
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Letzte redaktionelle Überarbeitung: Februar 2026.
