
SWR Kultur lesenswert - Literatur Magdalena Schrefel – Das Blaue vom Himmel | Buchkritik
Feb 10, 2026
04:09
Dass der Klimawandel von künftigen Generationen einen hohen Preis fordern wird, ist klar. Aber gleich das Blaue vom Himmel? Denn darum geht es in Magdalena Schrefels Debütroman „Das Blaue vom Himmel“, zumindest vordergründig:
Um eine letzte verzweifelte Maßnahme der Wissenschaft, das Leben auf dem sich erhitzenden Planeten wieder erträglicher zu machen, und sei es um den Preis einiger, naja, Nebenwirkungen.
Tatsächlich war die bevorstehende Veränderung des Himmels früh publik gemacht worden, und trotzdem waren die Diskussionen in öffentlichen und sozialen Medien bis heute nicht abgeebbt : „Das Blaue vom Himmel“, hatte ich in einem reichweitenstarken Post gelesen, „das gehört doch allen Menschen, schon immer, wie können wir es da verantworten, dass nun einige wenige entscheiden, es vom Himmel zu holen ?“Quelle: Magdalena Schrefel – Das Blaue vom Himmel
Geoengineering mit Nebenwirkungen
Der Roman der 41-jährigen Österreicherin spielt etwa zehn, fünfzehn Jahre in der Zukunft. Die Durchführung der sogenannten „Maßnahme“ steht unmittelbar bevor: Nach dem Vorbild eines Vulkanausbruchs sollen Schwefel- und Kalkpartikel in die Stratosphäre geschossen werden, um so die Sonneneinstrahlung zu regulieren. Nur dass sich danach eben das Licht anders brechen und aus dem Blau des Himmels ein milchiges Grau werden wird. Als Reaktion auf die zu erwartenden Verlustgefühle der Menschen bereitet man in Wien eine Ausstellung zum Thema Himmel vor, mit Bildern von Yves Klein, blauen Coladosen, Interviews. Für Letztere ist die Ich-Erzählerin zuständig, eine Enddreißigerin namens Hannah. Im ersten Teil räumt sie mit ihrer Schwester Vera, einer Biologin, deren Wohnung aus, im zweiten führt sie ihren Vater Jakob, einen ehemaligen Meteorologen, durch die Ausstellung. Schade, dass die Autorin den Generationenkonflikt zwischen Alt und Jung, also Klimatätern und Klimaopfern sozusagen, in ihrem Roman nur nebenbei kurz antippt:Ich muss dann mal los“, sage ich, „ist viel zu tun“, und vielleicht weiß Jakob schon, dass es daran nicht liegt, nicht liegen kann, weil er plötzlich sagt : „Ich hab mich damals auch engagiert.“
„Was ?“
„Das weißt du gar nicht“, sagt er. „Aber früher, da habe ich mich auch engagiert. Für die Umwelt.“Quelle: Magdalena Schrefel – Das Blaue vom Himmel
