
Bildungsreise Live: Bildungsgerechtigkeit – Wer hat wirklich faire Chancen?
In der vierten Live-Show des Podcasts «Bildungsreise» diskutiert Damian mit drei ausgewiesenen Expert:innen auf der Bühne der Aschbachhalle in Aarau: Margrit Stamm, emeritierte Professorin für Erziehungswissenschaften, Jörg Berger, Schulleiter, Vorstandsmitglied des VSLCH und Vizepräsident von proEdu, sowie Roger Stiel, langjähriger Schulleiter in Spreitenbach und Berater Allianz Chance+. Gemeinsam gehen sie der Frage nach, wie gerecht unser Bildungssystem ist – und wo es soziale Ungleichheiten eher verstärkt als ausgleicht.
Zum Auftakt stellt Damian eine verbreitete Annahme infrage: dass Fleiss und Wille allein über Bildungserfolg entscheiden. Studien zeigen, dass Herkunft, Ressourcen und Erwartungen oft stärker wirken als individuelle Leistung. Damit ist der Rahmen für eine differenzierte Diskussion gesetzt.
Margrit Stamm schärft zunächst die Begriffe: Chancengleichheit meint gleiche Bedingungen, Chancengerechtigkeit die passende Unterstützung für jedes Kind. Bildungsgerechtigkeit richtet den Blick auf die Wirkung – also darauf, ob Kinder ihr Potenzial tatsächlich entfalten können. Ein gemeinsames Verständnis fehlt jedoch oft, was die Debatte zusätzlich erschwert.
Jörg Berger zeigt, wie früh Ungleichheit entsteht: häufig schon vor Schuleintritt – und sie sich an jedem Übergang verstärkt. Elternhaus, Herkunft und Erwartungen prägen Bildungswege über Generationen hinweg.
Roger Stiel bringt die Perspektive aus dem Schulalltag ein. Seine Erfahrung: Entscheidend ist der Blick auf das einzelne Kind. Schule kann Ungleichheit ausgleichen – vorausgesetzt, es gibt genügend Ressourcen, Erfahrung und stabile Teams. Gleichzeitig wird deutlich, wie anspruchsvoll die Realität im Klassenzimmer geworden ist.
Auch die Stimmen der Kinder berühren: Sie sprechen über Fleiss und Eigenverantwortung, benennen aber ebenso Unterschiede im Elternhaus, in der Sprache und bei den finanziellen Möglichkeiten.
Musikalisch begleitet wird der Abend von Šuma Čovjek. Die Band verbindet Sprachen und Kulturen mühelos, singt in Französisch, Arabisch und Kroatisch und schafft mit Songs wie «Bouge ton coeur», «Mira» und «Med du Miel» besondere Momente. Frontmann Ivica Petrušić erzählt im Gespräch von seiner Flucht in die Schweiz mit 14 Jahren – und von Lehrpersonen, die seinen Weg entscheidend geprägt haben. Gleichzeitig erlebt er in der Arbeit mit Jugendlichen, wie stark Herkunft und familiäre Bedingungen Bildungschancen weiterhin beeinflussen.
Zum Schluss richtet sich der Blick nach vorn: Mehr Bildungsgerechtigkeit braucht differenzierte Förderung, neue Bewertungsansätze und ausreichend Ressourcen – vor allem aber ein gemeinsames Verständnis davon, was gerechte Bildung bedeutet.
Können. Müssen. Dürfen. Drei Worte, die laut Margrit Stamm eine zentrale Rolle spielen, wenn es darum geht, Kinder in ihrer Entwicklung zu stärken. Sie fasst sie in drei einfache, wirkungsvolle Sätze: «Du kannst etwas erreichen, wenn du dich anstrengst. Du musst dir Ziele setzen. Und du darfst deine Wünsche äussern.»
Die Diskussion zeigt, wie vielschichtig das Thema ist: Die zahlreichen Facetten von Bildungs(un)gerechtigkeit lassen sich oft nur kursorisch streifen. Dennoch gelingt es den profilierten Stimmen auf der Bühne immer wieder, das Publikum mit prägnanten Gedanken und persönlichen Erfahrungen zu fesseln.
Tauche ein in diese vielschichtige Diskussion, die zeigt: Bildungsgerechtigkeit ist kein fixer Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess – und eine gemeinsame Aufgabe für alle, die Kinder auf ihrem Lebensweg begleiten.
Die aufgezeichnete Live-Show findest du auch als Video auf YouTube:
In den kommenden Monaten erwarten dich drei weitere Live-Podcasts. Infos und Tickets zur zweiten Show in Bern zum Thema Inklusion findest du hier:
Mehr über die drei Gäste sowie die erwähnten Dokumente erfährst du hier:
- Margrit Stamm – LinkedIn
- Jörg Berger – LinkedIn
- Roger Stiel – LinkedIn
- Schulleitungsmonitor 2024
- Orientierungsrahmen von Allianz Chance+
Mehr über Šuma Čovjek erfährst du hier:
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