
Die Leichtigkeit der Kunst - Kunstpodcast Kunstmuseum Basel – Zerrissene Moderne & Expressionismus | Kunstpodcast Die Leichtigkeit der Kunst
Kunstmuseum Basel – Zerrissene Moderne, Expressionismus und Sammlungsgeschichte
Basel ist eine Stadt, in der Kunst nicht als Ausnahme wirkt, sondern als Teil des öffentlichen Lebens. In dieser Folge führt der Weg ins Kunstmuseum Basel – und damit in eine Sammlung, die die Klassische Moderne und den Expressionismus in besonderer Dichte erzählt.
Zu Gast ist Dr. Anita Haldemann, Kuratorin am Kunstmuseum Basel und Direktorin des Kupferstichkabinetts. Im Gespräch geht es um Sammlungsgeschichte, um die Rolle einzelner Akteur:innen in politisch unruhigen Zeiten – und um die Frage, wie Museen Verantwortung übernehmen, wenn Geschichte im Bestand weiterwirkt.
Als spontanes Special folgt im Anschluss ein zweiter Teil mit Dr. Jasper Warzecha, Assistenz-Kurator der Ausstellung „Zerrissene Moderne“, der die Basler Ankäufe sogenannter „entarteter“ Kunst kunsthistorisch und institutionell einordnet.
Kunstmuseum Basel: Moderne sammeln heißt Entscheidungen treffen
Eine Sammlung wie die des Kunstmuseums Basel ist das Ergebnis von Entscheidungen: Ankäufe, Schenkungen, Mut, Beziehungen, Timing – und manchmal auch Widerspruch.
Dr. Anita Haldemann spricht über die Entwicklung des Hauses und darüber, wie Basel über Jahrzehnte eine Sammlung aufgebaut hat, die heute als selbstverständlich gilt. Gerade in Bezug auf die Moderne wird deutlich, wie sehr Museen nicht nur bewahren, sondern Kulturgeschichte aktiv mitformen.
Im Gespräch tauchen dabei zentrale Namen der Moderne auf – unter anderem Oskar Kokoschka, Max Liebermann und Marc Chagall – als Teil einer Sammlungsgeschichte, die nicht glatt ist, sondern geprägt von politischen Brüchen, von Exil, von Verfolgung und von späteren Neubewertungen.
Expressionismus und Klassische Moderne: Basel als Ort der Verdichtung
Diese Folge ist besonders spannend für alle, die sich für Expressionismus interessieren, weil sie das Thema nicht über Stilbegriffe abhandelt, sondern über Sammlung, Institution und Zeitgeschichte.
Der Expressionismus erscheint hier als Teil einer europäischen Moderne, die in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und darüber hinaus verhandelt wurde – und die im Museum bis heute sichtbar bleibt: als Bild, als Papierarbeit, als Sammlungsentscheidung.
Curt Glaser: Sammlung, Verlust, Exil – und die Frage nach Verantwortung
Ein zentraler Strang dieser Episode ist Curt Glaser.
Curt Glaser war Kunsthistoriker, Direktor der Berliner Kunstbibliothek, Sammler und eine prägende Figur des kulturellen Lebens der Weimarer Republik. Nach 1933 wurde er als Jude aus dem Amt gedrängt, verfolgt und zur Flucht gezwungen. Seine Sammlung wurde unter Druck aufgelöst – ein Vorgang, der bis heute Fragen nach Verlust, Kontext und Verantwortung auslöst.
Dass Curt Glaser in dieser Folge vorkommt, ist kein historischer Exkurs. Es ist der Punkt, an dem Sammlungsgeschichte plötzlich eine menschliche Dimension bekommt: Was geschieht mit Kunst, wenn Menschen entrechtet werden? Wie wirken solche Geschichten in Museumsbeständen fort? Und wie spricht man heute darüber – präzise, ohne Vereinfachung?
In diesem Zusammenhang wird auch Dr. Judith Rauser erwähnt, Ko-Kuratorin der Ausstellung zu Curt Glaser.
Kupferstichkabinett: Papier, Präzision und der Blick hinter das Bild
Als Direktorin des Kupferstichkabinetts bringt Dr. Anita Haldemann eine Perspektive ein, die man in Gesprächen über große Museen selten so konzentriert hört: die Welt der Zeichnung, Druckgrafik und Papierarbeiten.
Gerade hier wird spürbar, wie viel Moderne in Linien, Serien, Studien und Experimenten steckt – und wie nah man Künstler:innen über Papier kommen kann, ohne sie zu romantisieren.
Dr. Anita Haldemann
Dr. Anita Haldemann ist stellvertretende Direktorin und Leiterin Kunst & Wissenschaft am Kunstmuseum Basel sowie Direktorin des Kupferstichkabinetts
Special: Dr. Jasper Warzecha über „Zerrissene Moderne“
Im zweiten Teil der Episode beleuchtet Dr. Jasper Warzecha die Sammlungsgeschichte der Basler Ankäufe sogenannter „entarteter“ Kunst.
Dieser Teil ist präzise, konzentriert und historisch relevant: Es geht um Begriffe, um politische Gewalt, um museale Entscheidungen – und um die Frage, wie ein Museum heute mit dieser Geschichte umgeht.
Ergänzend werden in der Folge auch Dr. Eva Reifert (Kuratorin „Zerrissene Moderne“) sowie Dr. Tessa Rosebrock (Ko-Kuratorin) erwähnt.
Warum diese Folge heute so aktuell klingt
Diese Episode zeigt, wie eng Moderne, Museumspolitik und Zeitgeschichte miteinander verbunden sind – und wie viel Gegenwart in einer Sammlung steckt, wenn man bereit ist, genauer hinzusehen.
Gäste
Dr. Anita Haldemann – Kuratorin Kunstmuseum Basel, Direktorin Kupferstichkabinett
Dr. Jasper Warzecha – Assistenz-Kurator „Zerrissene Moderne“ (Special)
Links & Credits
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Ernst Ludwig Kirchner und seine Rahmen – Wiederentdeckt & Wiedervereint
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