
ROCKETFUEL - Der Change Podcast! Was lernen wir vom World Economic Forum in Davos 2026, Rapha Gielgen? - Folge 257
In dieser Sonderausgabe von Rocketfuel berichtet Raphael Gielgen, Trendscout bei Vitra, direkt vom World Economic Forum in Davos. Im Gespräch mit unserem Host Oliver Kemmann geht es weniger um große Bühnenbilder sondern mehr um das, was Davos im Innersten ausmacht: Dialog, Verdichtung, Reibung – und ein sehr realistischer Blick auf eine Welt im Umbruch.
Raphael beschreibt Davos als mehrschichtiges System. Neben dem offiziellen Forum mit strengen Sicherheitszonen und hohen Eintrittshürden existiert eine offene, pulsierende Parallelwelt entlang der Promenade. Unternehmen, Medienhäuser, Thinktanks und Initiativen mieten ganze Gebäude und verwandeln den Ort für eine Woche in eine temporäre Messe der Zukunft. Wer offen ist, zuhört und Gespräche sucht, findet hier Zugang zu Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft – oft zufällig, manchmal in der Bäckerei um sieben Uhr morgens.
Historisch spannt das Gespräch den Bogen vom Gründungsimpuls durch Klaus Schwab bis zur geistigen Metapher des Zauberbergs von Thomas Mann. Davos war schon immer ein Ort der Distanz zum Alltag, um Dinge klarer zu sehen. Dieser Abstand wird heute dringender denn je gebraucht.
Inhaltlich dominiert ein Thema: das Ende der alten Ordnung. Raphael verweist auf den McKinsey-Report The Cusp of a New Era aus dem Jahr 2022, der bereits früh das Ende einer Welt mit billiger Energie, niedrigen Zinsen und stabiler Globalisierung beschrieb. In Davos 2025 wurde deutlich, dass wir nun vollständig in der neuen Realität angekommen sind. Geopolitische Fragmentierung, konkurrierende Machtblöcke und widersprüchliche Interessen prägen die Gespräche. Erstmals veröffentlichten die Leitreports des Forums keine klaren Handlungsempfehlungen mehr, sondern beschrieben eine Welt permanenter Verschiebung ohne eindeutige Richtung.
Die Rede von Donald Trump im Kongresszentrum wirkte wie ein Brennglas. Viele verfolgten sie auf Tablets, in Hotel-Lounges oder draußen in der Sonne. Die anschließenden Diskussionen machten deutlich, wie sehr sich die Welt auf zwei dominante Pole zubewegt: die USA und China. Europa sucht in diesem Spannungsfeld noch nach seiner Rolle. Die zentrale Frage, die bleibt: Was bedeutet diese neue Realität konkret für Unternehmen, Regionen und Organisationen in Deutschland?
Raphael beschreibt Davos auch als globalen Pitch-Ort. Ideen, Allianzen, Narrative und Zukunftsbilder konkurrieren um Aufmerksamkeit. Jeder versucht, Know-how, Kapital oder Unterstützung zu mobilisieren und mit einer stimmigen Geschichte nach Hause zu fahren. Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit ziehen sich dabei wie ein roter Faden durch alle Gespräche. Wer zu langsam reagiert oder auf Stabilität hofft, verliert Anschluss.
Sein Fazit ist klar: Davos ist kein elitärer Ort im klassischen Sinn, aber einer, der Offenheit verlangt. Wer bereit ist, zuzuhören, Fragen zu stellen und sich auf andere Perspektiven einzulassen, erhält ein einzigartig dichtes Bild der Gegenwart. Nicht einzelne Antworten sind entscheidend, sondern die Summe vieler Gespräche. Zukunft entsteht hier nicht als Plan, sondern als Resonanzraum.
Links und Referenzen zur Folge: World Economic Forum: https://www.weforum.org
McKinsey Report „The Cusp of a New Era“: https://www.mckinsey.com
Vitra Insights & Trends: https://www.vitra.com
Thomas Mann, Der Zauberberg: https://www.fischerverlage.de/buch/thomas-mann-der-zauberberg-9783100224579
Raphael Gielgen auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/raphaelgielgen
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