Eduard Dingeldey (DVP) fordert Aufhebung des Verbots von SA und SS
An diesem 12. Mai ist die Lage im Parlament noch völlig unklar. Parlamentspräsident Paul Löbe eröffnet die Sitzung nach der Unterbrechung erneut. Ab hier beginnt der Mitschnitt. Löbe zeigt sich fassungslos, kann aber noch keine Details nennen. Der DVP-Abgeordnete Eduard Dingelday spricht dem Außenminister das Misstrauen seiner Fraktion aus und plädiert für eine Aufhebung des Verbots von SA und SS.
Breitscheid lehnt Misstrauensanträge ab
Der SPD-Abgeordnete (und quasi Fraktionsvorsitzende) Rudolf Breitscheid lehnt sämtliche Misstrauensanträge ab, erklärt aber trotzdem seine Kritik am Kabinett Brüning. Die Erklärung führt zum Aufruhr im Parlament, Abgeordnete von SPD ("Bluthund!") und NSDAP ("Verbrecher!") werden zur Ordnung gerufen. Breitscheid sagt, dass die SPD einem Sturz der Brüning-Regierung nicht die Hand reichen würde, weil damit die Nationalsozialisten an die Macht kämen.
Turbulente Szenen am Nachmittag
Der frühe Nachmittag in diesem Original-Ton zeigt turbulente Szenen. Alle Anträge werden nach der Abstimmung mit kleiner Mehrheit abgelehnt. Der KPD-Abgeordnete (und quasi Fraktionsführer) Torgler macht sich über die SPD-Fraktion lustig, die sich nach dem Vorfall in der Kantine "wie die geprügelten Hunde" aufführte und sich "alles von denen da drüben gefallen" ließ. Kommunistische Abgeordnete seien immer wieder aus dem Parlament "herausgeschleppt" worden. Es wird eine Stunde Pause erbeten.
Polizeieinsatz im Parlament
Eine Stunde später, 14 Uhr 41, eröffnet Löbe die Sitzung mit der Anmerkung, er habe der Polizei jetzt wegen Verdunkelungsgefahr die Befugnis erteilt, die Straftat zu verfolgen. Ohne Kommentar liest er eine Mitteilung vor, die besagt, "dass die Frau des im Hause Verletzten inzwischen angeläutet worden ist und ihr mitgeteilt worden ist, dass ihr Mann sich im Hause ungebührlich betragen habe, dass er infolgedessen zusammengeschlagen worden wäre und sie herkommen solle, sich seine Knochen abzuholen."
Löbe kann sich gegen NSDAP nicht durchsetzen und schließt die Sitzung
Er schließt wegen Tatverdachts grober Verletzung der Ordnung vier NSDAP-Abgeordnete für 30 Tage von den Parlamentssitzungen aus: Heines, Krause, Weitzel, Stegmann. Die vier verlassen den Saal jedoch nicht. Daraufhin schließt Reichstagspräsident Paul Löbe die ganze Sitzung und behält sich vor, wann er die nächste Sitzung einberufen wolle. Um 14 Uhr 43, also zwei Minuten nach Eröffnung, ist die Sitzung geschlossen.