Leipzig versus Deutscher Buchpreis
Der Preis der Leipziger Buchmesse versteht sich als literarisches Labor, in dem eine Fachjury aus Kritikerinnen und Kritikern überraschende Entdeckungen ermöglicht – bis hinein in die Lyrik.
Der Deutsche Buchpreis dagegen setzt auf eine gemischte Jury mit Bloggerinnen und Buchhändlerinnen und ist für den Buchverkauf deutlich wichtiger als für riskante literarische Experimente.
Ein klarer Favorit
Literaturkritiker Carsten Otte wünscht sich, dass
Norbert Gstreins Roman „Im ersten Licht“ es auf die Shortlist schafft. Ein Buch, über das jetzt schon viel gesprochen wird. Es geht um einen Mann mit einem kaputten Bein, der am Rande der Weltkriege „durch das Jahrhundert hinkt“ – für Carsten Otte ein Muss auf der Liste.
„Ich liege meistens falsch“ – und tippe doch
Beeindruckt zeigt sich Carsten Otte auch von Yade Yasemin Önders „Anti Müller“. Eine Schriftstellerin arbeitet gerade an ihrem zweiten Roman und will unbedingt schwanger werden. Die Autorin ist formal stark, findet für die Obsession ihrer Protagonistin eine rasante, radikale Sprache.
Zwei formal spannende Favoriten
Auch das neue Buch von Yevgeniy Breyger „hallo niemand“ gehört auf die Leipziger Liste, findet Carsten Otte. Darin geht es im Audi durch Deutschland und Österreich und dieser Roadtrip in Versen ist gleichzeitig lustig und ernst, aber auch formal überzeugend.
Dana von Suffrins „Toxibaby“ hat ebenfalls einen Platz verdient. Es ist für Carsten Otte das unterhaltsamste Buch, obwohl es darin um das schon oft behandelte Thema „toxische Beziehungen“ geht.
Ein Roman aus dem Herbst gehört ins Rampenlicht
Beim Deutschen Buchpreis wurde
Anja Kampmanns „Die Wut ist ein heller Stern“ nicht gewürdigt. Das kann in Leipzig nachgeholt werden, so Carsten Otte.
Es geht um eine Tänzerin auf der Reeperbahn und den Aufstieg der Nazis. Sprachlich ein Seiltanz, „Wer dieses Buch nicht nominiert, der muss gute Argumente haben“, findet Carsten Otte.