
Zu radikal für Hitler: Nazi-Ideologin Mathilde Ludendorff
WDR Zeitzeichen
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Tannenbergbund und 'Deutsche Gotterkenntnis'
Melahat Simsek erläutert die Gründung des Tannenbergbundes und Ludendorffs eigene Religionslehre.
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Episode notes
Sie kämpft für Frauenbildung und predigt rassistische Thesen: Ludendorff (gest. am 12.05.1966) ist eine Vordenkerin völkischer Ideologie - die bis heute in rechten Kreisen wirkt.
In diesem Zeitzeichen erzählt Melahat Simsek:
- warum Ludendorffs Ideen selbst Hitler zu radikal sind,
- dass ihr Weltbild sowohl für ihre Patienten als auch für die Deutsche Frauenbewegung inakzeptabel sind,
- wie Ludendorffs völkische Thesen im "Bund für Gotterkenntnis" bis heute weiterleben.
Mathilde Ludendorff wird als Mathilde Friederike Karoline Spieß 1877 in Wiesbaden geboren. Selbstbewusst fordert sie bereits in jungen Jahren die Gleichstellung der Geschlechter und die Anerkennung von Frauen in akademischen Berufen. Sie macht ihr Abitur, studiert Medizin und eröffnet eine eigene Praxis. Gleichzeitig zieht sie auch noch drei Kinder groß und verfasst erste Schriften. Viele ihrer Ansichten sind da bereits antidemokratisch und völkisch-feministisch.
In der Weimarer Republik wettert sie schon vor der Heirat mit dem General Ludendorff immer offener gegen Juden und den Vatikan und erfindet eine neue Religionsphilosophie, fernab jüdisch-christlicher Religionstraditionen. Ihre neue Lehre nennt sie fortan "Deutsche Gotterkenntnis". Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Mathilde Ludendorff als NS-Aktivistin eingestuft. Sie stirbt am 12. Mai 1966 in München.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
- Prof. Dr. Sabine Hering (Sozialwissenschaftlerin i.R., mit Schwerpunkt Geschichte, Universität Siegen)
- Dr. Annika Spilker (Historikerin)
- Prof. Dr. Uwe Puschner (Historiker, i.R., Freie Universität Berlin, Neuere Geschichte)
- Sabine Hering: Mathilde Ludendorff - Von der Steigbügelhalterin des Nationalsozialismus zur Gallionsfigur der Ludendorff-Bewegung. Berlin 2023
- Annika Spilker: Geschlecht, Religion und völkischer Nationalismus. Die Ärztin und Antisemitin Mathilde von Kemnitz-Ludendorff (1877-1966). Frankfurt am Main 2013
- Uwe Puschner: Die völkisch-religiöse Bewegung im Nationalsozialismus. Eine Beziehungs- und Konfliktgeschichte. Göttingen 2012
- Mathilde Ludendorff: Der göttliche Sinn der völkischen Bewegung. München 1934
Weiterführende Links:
- Stichtag: 25. Mai 1961 - Die Ludendorff-Bewegung wird verboten
- BR Retro: Proteste gegen die Ludendorff-Straße in Tutzing (1961)
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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Melahat Simsek
Redaktion: Carolin Rückl / Frank Zirpins
Technik: Thomas Bleul
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