
Alles Legal #131: Wie Unternehmen jetzt AML-Readiness schaffen
Payment & Banking Fintech Podcast
Praxisnahe Schulungen statt Allgemeinwissen
Sebastian fordert zielgruppengerechte Trainings, die relevante Risiken und Arbeitsabläufe abbilden.
Am 10. Juli 2027 endet die Ära des europäischen „Flickenteppichs“. Ab diesem Tag gilt die neue EU-Geldwäscheverordnung (AML-VO) unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Für Banken, Fintechs und Krypto-Dienstleister bedeutet das: Die Zeit der nationalen Sonderwege ist vorbei. Das neue Single Rulebook schafft einheitliche Standards, bringt aber auch massiven Umsetzungsdruck mit sich. Wo anfangen? Der strategische Soll-Ist-Vergleich Laut Rechtsanwalt Sebastian Glaab ist der erste Schritt eine umfassende Gap-Analyse. Unternehmen müssen ihre bestehenden Prozesse schonungslos gegen die neuen Anforderungen prüfen. KYC-Prozesse neu denken: Die Art der Identifizierung ändert sich, insbesondere durch die neue Berechnungsmethode für den wirtschaftlichen Eigentümer (UBO). Bestandskunden-Check: Bis Sommer 2028 müssen Hochrisikokunden nach dem neuen Standard aktualisiert sein. Angesichts fehlender Datenpunkte (z. B. Nationalitäten) ist dies eine Herkulesaufgabe für den Datenhaushalt. Aufbauorganisation: AML-Compliance ist kein „Nebenbei-Projekt“. Es braucht klare Ressourcen, Budgets und die direkte Einbindung der Geschäftsführung („Tone from the Top“). Operative Wirksamkeit statt Papier-Compliance Ein zentraler Punkt der Reform ist der Shift hin zur operativen Wirksamkeit. Es reicht nicht mehr aus, Handbücher im Schrank zu haben; die Aufsicht will sehen, dass Systeme – etwa beim Transaction Monitoring – tatsächlich funktionieren. Technologie als Muss: Wer 2027 noch mit Excel-Listen arbeitet, wird bei Prüfungen scheitern. Echtzeit-Screening und automatisierte Monitoring-Lösungen werden zum regulatorischen Standard. Neue Fokus-Themen: Die Verzahnung von Geldwäscheprävention und Finanzsanktionen (inklusive Umgehungsschutz) erfordert tiefgreifendes Know-how und angepasste Screening-Logiken. Die neue Aufsicht: Die AMLA in Frankfurt Mit der neuen EU-Behörde AMLA bekommt Europa einen zentralen Standardsetter. Auch wenn viele technische Details (RTS) noch finalisiert werden, müssen Institute ihre Systeme heute so flexibel gestalten, dass sie künftige Leitplanken schnell adaptieren können. Fazit: Die goldene Regel für 2027 „Nicht in Panik verfallen, aber jetzt den Projektplan schreiben“, rät Sebastian Glaab. Wer heute identifiziert, wo die eigenen Gaps liegen, kann den Umbau gestalten, statt später nur noch auf Prüfungsfeststellungen zu reagieren. AML-Compliance wird so vom notwendigen Übel zum digitalen Wettbewerbsvorteil.


