Paolo Sorrentino stellt nach „Il Divo“ und „Loro“ erneut einen Staatsmann in den Mittelpunkt: Toni Servillo schlüpft erneut in die Rolle eines großen Mannes, aber dieser will gar nicht groß sein. Mutig ist er nicht, eher technokratisch; entschlussfreudig ist er auch nicht, er zaudert und zögert, auch wenn alle anderen ihn zu raschem Handeln bringen wollen. In „La Grazia“ erlebt der Präsident Italiens seine letzten Monate im Amt: Ein Gesetz zur Sterbehilfe soll von ihm unterzeichnet werden, außerdem kann er Gefangene begnadigen. Aber sein Kopf steht woanders, denn er grübelt noch immer darüber, mit wem seine verstorbene Frau Aurora ihn damals vor 40 Jahren betrogen hat. „La Grazia“ ist zurückgenommener als die früheren Filme von Sorrentino. Melancholisch blickt der Film auf einen Regierungsstil, der heute immer weniger anzutreffen ist. Dabei wird jedoch nicht einfach die liberale Demokratie glorifiziert, sondern sichtbar wird auch, wie vormoderne Anschauungen von Autorität und Souveränität sich erhalten haben. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt in der neuen Filmanalyse!
Literatur:
Carl Schmitt: Der Leviathan in der Staatslehre des Thomas Hobbes. Sinn und Fehlschlag eines politischen Symbols. Klett-Cotta.
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