Auf den Punkt

Süddeutsche Zeitung
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Jul 28, 2022 • 13min

Feuerwetter: Warum Deutschland nicht gut vorbereitet ist

In Europa brennt es wie schon lange nicht mehr. Diese Saison ist aus zwei Gründen außergewöhnlich: Die Feuer in Europa brennen deutlich früher als sonst. Und sie vernichten mehr Landflächen. Nicht nur in Frankreich, Spanien und Griechenland, sondern auch hierin Deutschland. SZ-Reporter Benjamin von Brackel war gerade in Brandenburg, wo die Feuer derzeit besonders wüten. Er sagt: Dort herrschen ideale Bedingungen für Waldbrände. Zum einen sei es dort generell sehr trocken. Zum anderen “gibt es dort vor allem Kiefernforste. Die brennen wie Zunder.” Die Waldbrandgefahr liegt laut von Brackel auch am Wald selbst. Die Ursache für einen Waldbrand sei am Ende aber meistens der Mensch selbst: “Camper oder Besucher, die ein Lagerfeuer nicht richtig auslöschen. Oder eben eine weggeworfene Zigarette.” Von Brackel sagt auch, dass die Feuerwehren vor immer neue Herausforderungen gestellt würden: “Heute gibt es eigentlich kein Patentrezept mehr.” Deutschland müsse sich aber auf weitere Brände in der Zukunft einstellen, da der Klimawandel das sogenannte Feuerwetter begünstige. Deshalb müssten die Feuerwehren besser ausgestattet und die Wälder anders zusammengesetzt werden. Weitere Nachrichten: Gasumlage, Erdüberlastungstag Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb, Charlotte Honold Produktion: Carlo Sarsky
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Jul 27, 2022 • 12min

Münchner Tafel: Warum immer mehr darauf angewiesen sind

Mehr als zwei Millionen Menschen suchen in Deutschland Hilfe bei den Tafeln. Das sind so viele wie nie zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Bedürftigen verdoppelt. Es ist ein Konglomerat aus hohen Mieten, zu wenig staatlicher Hilfe, schlechter Bezahlung und geringer Rente, sagt Axel Schweiger vom Vorstand der Münchner Tafeln. Vor allem aber würden die aktuellen Preissteigerungen die Menschen in Schwierigkeiten bringen. Schweiger, 65, ist einer von mehr als 800 Helfern, die an mehr als 23 000 Menschen in Bayerns Hauptstadt jährlich etwa 6,5 Millionen Tonnen Lebensmittel verteilen. Neu seien die Geflüchteten aus der Ukraine dazugekommen, sagt Schweiger weiter. Zuvor habe die Corona-Pandemie auch Freiberufler, Studenten und alte Leute zu Hilfsbedürftigen gemacht. Auch sei inzwischen spürbar, dass die Spendenbereitschaft abnehme und Discounter knapper kalkulieren würden. "Der Staat versagt, da er sich nicht bewegt und zusieht, dass das Existenzminimum nicht mehr das Existenzminimum ist", kritisiert Schweiger. Auch würden die Entlastungspakete bei diesen Menschen nicht ankommen, das habe "nur eine Alibifunktion". Stattdessen müsste man "konkret die Gruppen stützen, die Schwierigkeiten haben." Die Regierenden müssten auch die "immer im Auge haben, die nichts einsparen können, weil sie eh schon nichts haben", so der ehrenamtliche Helfer. Weitere Nachrichten: Bundesregierung will Opfer des Olympia-Attentats von 1972 entschädigen, Impfpflicht gegen Masern. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried Produktion: Benjamin Markthaler
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Jul 26, 2022 • 11min

Lieferstreit mit Russland: Wie sich die EU auf fehlendes Gas vorbereitet

Gazprom liefert immer weniger Gas über die Pipeline North Stream 1. Ab Mittwoch würden nur noch 20 Prozent der üblichen Menge Gas durch die wichtigste Versorgungsleitung nach Deutschland fließen. Grund sei die Reparatur einer weiteren Turbine. Doch das nimmt dem russischen Staatskonzern kaum jemand ab. Die EU-Staaten fürchten bald einen vollständigen Stopp der Lieferungen aus Russland. EU-Energie-Kommissarin Kadri Simson hat dazu aufgerufen, dass die EU-Staaten einheitlich und solidarisch zusammenstehen müssen. Am Dienstag haben die EU-Energieminister dafür einen Notfallplan auf den Weg gebracht. Dabei geht es vor allem ums Sparen. Wie kompliziert es ist, für das Gasproblem eine gemeinsame Lösung zu finden, zeigt beispielhaft ein Gasspeicher in Österreich, sagt SZ-Wirtschaftsredakteur Caspar Busse. Der Gasspeicher Heidach nahe Salzburg versorge vor allem Haushalte und die Industrie in Bayern. Doch in einer Mangelsituation ist "jeder natürlich erst mal auf sein eigenes Wohl angewiesen". Und auch Österreich benötige dringend Gas. Wie in Bayern gebe es "dort keine großen Häfen, wo Flüssiggas angeliefert werden kann". Dazu komme, dass es in Bayern nicht so viele Kohlekraftwerke wie in anderen Bundesländern gebe. Auch sei die Windenergie nicht so ausgebaut worden wie anderswo, weil die CSU den Ausbau gebremst habe. "Insofern ist Bayern jetzt in einer ernsten Lage." Weitere Nachrichten: Verdi-Warnstreik behindert Flugverkehr massiv, Würzburger Messerstecher kommt in die Psychiatrie. Unsere neue Serie “The Great Firewall” finden Sie hier. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Franziska von Malsen, Pauline Graf. Produktion: Imanuel Pedersen _Zusätzliches Audiomaterial über EU-Debattes.TV _
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Jul 25, 2022 • 13min

Nach Angriff auf Odessa: Getreideabkommen geplatzt?

Erst letzten Freitag haben Russland und die Ukraine ein Abkommen getroffen. Darin haben sie festgelegt, dass über 20 Millionen Tonnen Getreide aus den ukrainischen Häfen exportiert werden sollen. Aber schon am Samstag hat Russland die Abmachung gebrochen und den Hafen von Odessa angegriffen. SZ-Korrespondentin Cathrin Kahlweit sagt: “Es war klar, dass dieser Deal nicht lange halten wird.” Russland habe mit dem Abkommen versucht, sein Image auf der Weltbühne zu polieren und sich als seriösen Verhandlungspartner darzustellen. “Diese Narrativ funktioniert”, sagt Kahlweit. Tatsächlich habe der Kreml aber keinerlei Interesse daran, dass die Ukraine die angestaute Ernte exportieren kann. Im Gegenteil: “Russland hat ein Interesse daran, die Ukraine von Meerzugängen fernzuhalten.” Der Angriff auf Odessa war laut der Korrespondentin eine reine Machtdemonstration. Weitere Nachrichten: Streik bei Lufthansa, Scholz offen für AKW-Verlängerung. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Antonia Franz, Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Benjamin Markthaler Zusätzliches Audio-Material über ARD, ZDF
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Jul 22, 2022 • 12min

Warum Atomkraft keine Lösung für die Gaskrise ist

Drei Atomkraftwerke erzeugen in Deutschland noch Strom. Sie alle sollen Ende 2023 vom Netz gehen – eigentlich. Denn in den vergangenen Wochen wird immer intensiver darüber diskutiert, ob die AKWs nicht doch noch weiterlaufen sollten. Wegen der aktuellen Gaskrise und weil deshalb auch der Strom im kommenden Winter knapp werden könnte. Aber könnten die Atomkraftwerke mögliche Engpässe überhaupt gut ausgleichen? SZ-Redakteur Christoph von Eichhorn sagt: “Nur sehr begrenzt.” Denn: Dass Strom diesen Winter kurzfristig knapp wird, hält er für unwahrscheinlich. Vielmehr fehle es an Gas – das Atommeiler wiederum nicht ersetzen könnten. Und er sagt auch: Um den Strom aus den Gaskraftwerken zu ersetzen eignen sich Braunkohlekraftwerke besser als Atomkraftwerke – auch wenn sie schlechter für das Klima sind. Denn der Weiterbetrieb der Atommeiler über 2023 hinaus würde viel Aufwand bedeuten: neue Brennstäbe, aufwendige Wartung und Sicherheitschecks. Außerdem müsste der Staat die komplette Verantwortung für die Kraftwerke übernehmen. Langfristig sei die einzige Lösung der Ausbau der erneuerbaren Energien. Weitere Nachrichten: Scholz zu Energiepolitik, Einigung bei Getreideexporten. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Laura Terberl, Antonia Franz, Charlotte Honold Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
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Jul 21, 2022 • 13min

Regierungskrise in Italien: Nach Draghi droht Chaos

Jetzt tritt er also doch zurück: Italiens Ministerpräsident Mario Draghi. Nachdem er eigentlich schon letzte Woche seinen Rücktritt eingereicht hatte, dann aber von Staatspräsident Sergio Mattaralla wieder ins Parlament zurückgeschickt worden war. Nun ist aber auch Draghis zweiter Versuch gescheitert, die Mehrparteienregierung geschlossen hinter sich zu bringen. Am Ende sei es vor allem an einem wichtigen Gesetzespaket gescheitert, sagt Andrea Bachstein, SZ-Italien-Expertin. Das sei zumindest der offizielle Grund, warum drei der mitregierenden Parteien Draghi das Vertrauen verweigert hätten. Tatsächlich, sagt Bachstein, hätte es aber auch noch einen anderen Grund gegeben: “Die Rechtsparteien haben im Moment die größten Aussichten, Neuwahlen zu gewinnen.” Für Italien sei die Situation gefährlich: Die Regierung von Mario Draghi hätte trotz allem einige wichtige Reformen auf den Weg gebracht. Jetzt sei fraglich, ob das alles auch umgesetzt werde. Und auch über Italien hinaus sieht Bachstein negative Auswirkungen: Eine rechtsorientierte italienische Regierung sei für ganz Europa schlecht. Weitere Nachrichten: EZB erhöht Leitzins um 0,5 Prozentpunkte, Nord Stream 1 wieder in Betrieb. Moderation, Redaktion: Tami Holderried Redaktion: Franziska von Malsen, Vinzent-Vitus Leitgeb Produktion: Jakob Arnu Zusätzliches Audiomaterial über Prime Ministry of Italy
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Jul 20, 2022 • 12min

Vor EZB-Entscheidung: Wie höhere Zinsen wirken

Es ist das Ende der Nullzinsära, wenn die EZB am Donnerstag nach elf Jahren eine Zinserhöhung verkünden wird. Doch vor allem der rasante Anstieg der Energiepreise hat die Inflation im Euro-Raum auf ein neues Rekordniveau getrieben. Die US-Notenbank Fed hat viel früher auf die anhaltende Inflation mit höheren Zinsen reagiert. Die EZB hat das verschlafen, kritisiert Markus Zydra, SZ-Finanzkorrespondenten in Frankfurt am Main. Es gebe eine "goldene Zentralbank-Regel, wenn die Inflation steigt, dann muss die Notenbank den Leitzins hochsetzen". Die EZB sei die einzige der großen Notenbanken, die noch nicht erhöht habe. Dabei sei der Leitzins "die Elle der Geldwirtschaft". Banken werden ihre Zinsen erhöhen - schon die Ankündigung habe die Immobilien-Zinsen steigen lassen und Verbraucher-Kredite verteuert. Sehr wahrscheinlich werde es deshalb bald auch schon erste Verkäufe geben. "Denn viele Kredite wurden ja an Kunden vergeben, die Spitz auf Knopf praktisch ihre gesamten Finanzen kalkuliert haben." Manche Haushalte würden sich Finanzierung ihres Immobilienkredits bald nicht mehr leisten können. Allerdings sei dann auch die Zeit der Negativzinsen vorbei, sagt Zydra. Weitere Nachrichten: Gaslieferung aus Russland, Dieter Wedel tot. Den neuen Podcast “München persönlich” finden Sie hier. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried Produktion: Imanuel Pedersen
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Jul 19, 2022 • 10min

Rekordtemperaturen: Hitze tötet leise

In weiten Teilen Europas herrschen gerade Rekordtemperaturen. In Großbritannien steigen sie zum ersten Mal seit Beginn der Wetteraufzeichnungen auf mehr als 40 Grad Celsius. Auch Deutschland stöhnt unter hohen Temperaturen. Sozialverbände wie der VdK fordern Hitzeschutzpläne. An solchen Plänen hat Franziska Matthies-Wiesler vom Helmholtz Institut mitgearbeitet. Dies sei "ein Bündel von Maßnahmen, damit die Auswirkungen von Hitze auf die Menschen möglichst gering gehalten werden". Von der kommunalen Verwaltung bis zum Gesundheitswesen solle bei solchen Temperaturen zusammengearbeitet werden, um den Tod durch Hitze zu verhindern. Doch das sei in der Vergangenheit zu wenig passiert. "Deutschland hat sich nicht vorbereitet auf diese Hitzewelle", kritisiert Matthies-Wiesler. Besonders ältere Mitbürger und Mitbürgerinnen, Menschen mit Vorerkrankungen, aber auch für Säuglinge und Schwangere sei die Hitze gefährlich. Zentral ist der Klimaschutz, um solchen Extremwetterereignissen entgegenzuwirken. "Klimaschutz ist Gesundheitsschutz", sagt die Biologin. Weitere Nachrichten: Petersberger Klimadialog, Halbzeit 9-Euro-Ticket. Den Text von Dunja Ramadan darüber, was wir von Menschen in nordafrikanischen Ländern lernen können, für die diese Temperaturen ganz normal sind, finden Sie hier. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Franziska von Malsen, Joschka Moravek Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über BR1, BR2, BR3, BR 34, SWR 3, SWR1
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Jul 18, 2022 • 13min

Streit um zweiten Booster: Warum viel nicht gleich viel hilft

Im Kampf gegen Corona scheint Gesundheitsminister Karl Lauterbach scheint zu denken "viel hilft viel" - und so empfiehlt der SPD-Politiker den zweiten "Booster" auch jungen Menschen. "Ist man zum vierten Mal geimpft, dann infiziert man sich nicht so schnell." Widerspruch kommt von der Ständigen Impfkommission. Denn die Stiko empfiehlt einen zweiten Booster bislang nur Über-70-Jährigen - und einigen anderen Risikogruppen. "Karl Lauterbach hat da seine persönliche Meinung propagiert", sagt auch SZ-Wissensredakteurin Christina Berndt. Bei Älteren sei der zweite Booster durchaus sinnvoll. Berndt erwartet, dass die Stiko das bald auch Über-60-Jährigen empfehlen wird. Aber sollen sich auch Jüngere zum vierten Mal impfen lassen? "Keinesfalls!" sagt Berndt. Eine Impfung sei immer ein medizinischer Eingriff und es gebe einfach keine Studien über die Wirkung der zweiten Booster-Impfung für jüngere, gesunde Menschen. Immungesunde Unter-60-Jährige seien bestens geschützt mit drei Impfungen, diese würden zu einer langanhaltenden Immunität führen. "Viel hilft hier nicht viel", sagt die SZ-Expertin. Die dritte Impfung sei ein wirklicher Booster, die vierte Impfung aber setze da nur wenig oben drauf. Wer sie aber brauche, der solle sie sich bereits schon jetzt vom Hausarzt holen und nicht auf einen Omikron-Booster warten, empfiehlt Berndt. Es ergebe keinen Sinn noch länger zu warten - und so das Risiko einer Infektion in Kauf zu nehmen. Weitere Nachrichten: Milliardenkosten durch Klimawandel auch in Deutschland, Hitze, Ukraine. Moderation, Redaktion: Lars Langenau Redaktion: Tami Holderried, Joschka Moravek Produktion: Benjamin Markthaler Zusätzliches Audiomaterial über ZDF
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Jul 15, 2022 • 12min

Biden in Saudi-Arabien: Das Öl und das Problem mit dem Kronprinz

US-Präsident Joe Biden reist gerade durch den Nahen Osten. In Israel ging es unter anderem um die Bedrohung Israels durch Iran. Die USA sagen Israel deswegen weiter Militärhilfe zu: 3,8 Milliarden Dollar pro Jahr. Möglich sind darüber hinaus auch Extrazahlungen, insbesondere für die Raketenabwehr. Sowohl Joe Biden, als auch der Israelische Premierminister Lapid wollen außerdem verhindern, dass Iran Atomwaffen herstellen kann. Ungemütlicher wird es für den US-Präsidenten nun allerdings bei seinem nächsten Halt: In Saudi-Arabien. Das liegt unter anderem an einem geplanten Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Und daran, dass Saudi Arabien derzeit weniger Öl fördert als es könnte. Die dadurch gestiegenen Ölpreise setzen Biden auch innenpolitisch unter Druck. Was ist also von dem Treffen zu erwarten? Und warum sieht Biden trotzdem schon jetzt einen “historischen Erfolg”? Das erklärt in dieser Folge die SZ-Expertin Dunja Ramadan. Weitere Nachrichten: Urteil gegen Franco A., Regierungskrise in Italien. Den Podcast “Vor aller Augen” finden Sie hier unter sz.de/voralleraugen. Moderation, Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb Redaktion: Tami Holderried Produktion: Imanuel Pedersen Zusätzliches Audiomaterial über den Youtube Kanal des Weißen Hauses

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