

SWR2 Zeitgenossen
SWR
Wir sprechen jede Woche mit Zeitgenossen, die auf einen besonderen Lebensweg zurückblicken: Sie sind Aktivist*innen, Künstler*innen oder Forscher*innen. Sie haben Zeitgeschichte erlebt und geprägt – und sie haben viel zu erzählen. Zur ARD Audiothek: https://www.ardaudiothek.de/sendung/swr2-zeitgenossen/8758618/
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Jun 9, 2025 • 54min
Michael Resch: „Die KI und Goethes Faust haben ähnliche Motivationen“
Michael Resch, Professor an der Universität Stuttgart und Direktor des Höchstleistungsrechenzentrums, beleuchtet, wie Künstliche Intelligenz für die digitale Entwicklung von Theaterproduktionen genutzt wird. Er erklärt das Prinzip der digitalen Zwillinge, die nicht nur in der Automobilindustrie Anwendung finden, sondern auch innovative Kulturerlebnisse schaffen. Mit seinem Ansatz zur digitalen Rekonstruktion von Barocktheatern verbindet er Technik mit Kunst, während er die Herausforderungen in der Programmierung und die Bedeutung von Genauigkeit in Simulationen diskutiert.

Jun 7, 2025 • 44min
Rasha Khayat: „Ich bin doppelt und nicht halb“
„Ich gehöre hier nicht dazu“. Das ist die Bilanz der Schriftstellerin Rasha Khayat mit Blick auf die Migrationsdebatte in Deutschland: „Ich werde immer das Andere sein“.
Als Kind einer deutschen Mutter und eines saudi-arabischen Vaters in Dortmund geboren, verbrachte sie einen Teil ihrer Kindheit in Saudi-Arabien. Ende der 1980er kehrte sie in den Ruhrpott zurück, studierte Literatur und Philosophie.
In ihren mit Preisen ausgezeichneten Romanen hinterfragt sie Klischees über Minderheiten und Mehrheitsgesellschaft. Bekannt wurde sie auch durch „Fempire – der Podcast über Frauen, die schreiben“.

May 31, 2025 • 44min
Stefanie Lohaus: „Feminismus hangelt sich zu oft an der Theorie lang“
Nein heißt Nein. Männer verstehen das leider oft nicht und nutzen ihre Männermacht bis heute für sexuelle Übergriffe – wie vor 250 Jahren in der Kantate „Amor vincitore“ von Johann Christian Bach, uraufgeführt 1774 im Rokokotheater Schwetzingen, wo das Drama des vergifteten Pfeils bei den Schwetzinger SWR Festspielen 2025 jetzt erneut inszeniert und zugleich problematisiert wird. Unter anderem im Gespräch mit der Publizistin Stefanie Lohaus erklärt, warum Feminismus stärker ist als Wut – das bisher Erkämpfte aber noch lange nicht reicht. Und was dringend noch erstritten werden muss.

May 29, 2025 • 42min
Matthias Politycki: „Ich will bei der emanzipierten Männlichkeit bleiben, aber“
Vatertag. Männertag. Was macht Mann da so? Bierkästen auf Bollerwagen ziehen? Traditionelle Männerbilder feiern, breitbeinig sich als Herr fühlen?
Was bedeutet es, Mann zu sein in einer Zeit, in der archaische Vorstellungen maskulinen Verhaltens ein Revival erleben und weltweit hegemonial werden – wenn wieder einmal Männer autoritär herrschen, Kriege provozieren und den Ernstfall vorbereiten?
„Mann gegen Mann“ nennt der Schriftsteller Matthias Politycki sein Buch, in dem er eine Antwort sucht auf die Frage, wie man dieser aggressiven Männlichkeit als Mann begegnet.

May 24, 2025 • 49min
Ulrike Syha: „Ich möchte die Leerstelle China mit Schicksalen füllen“
Theater für eineinhalb Milliarden Menschen: Was ist eigentlich in China auf Bühnen zu sehen? Zunächst – viel mehr Avantgarde, als manche im Westen meinen. Dazu die Auseinandersetzung mit einer sozialen Realität zwischen Turbokapitalismus und Hochtechnisierung auf der einen Seite und dem Rückbezug auf Traditionen auf der anderen. Zu sehen in drei Gastspielen beim „Heidelberger Stückemarkt 2025“. Dort spricht Ulrike Syha, mit Stücken wie „Drift“ selbst erfolgreiche Dramatikerin und jetzt kuratorische Beraterin des Gastlandauftritts, über die chinesische Theaterszene und eigenes Schreiben sprechen.

May 12, 2025 • 44min
Rebekka Endler: „Der patriarchale Leistungsbegriff war tief in mir verankert“
Was sind die Ursachen des Patriarchats? Und warum ist es bis heute dominant? Männer gleich Macht, so war das schon immer, ein Blick in die Geschichte reicht.
Der Autorin Rebekka Endler ist das als Erklärung zu wenig. Deshalb untersucht sie misogyne Mythen. Ganz aktuelle wie Bitches, Nymphen und It-Girls. Und uralte wie den der Hexe. Und sie fragt, warum es immer noch Frauen gibt, die vom rettenden Märchenprinzen träumen. Oder in Mommy-Blogs Mutter-Mythen renovieren.
Wie wir (fast alle) Männermacht stabilisieren, ist nach dem „Patriarchat der Dinge“ das große Thema ihres neuen Buchs.

May 7, 2025 • 44min
Irme Schaber: „‘Nie wieder Krieg‘ darf keine Worthülse sein“
Gerda Taro hat die moderne Kriegsfotografie begründet, zusammen mit ihrem Mann Robert Capa. Und damit viele andere berühmte Fotograf*innen beeinflusst, von Lee Miller bis Margaret Bourke-White und den Gründern der Agentur Magnum. Geboren in Stuttgart 1910 als Tochter jüdischer Flüchtlinge aus Galizien, rettete sie sich 1933 ins Exil nach Paris. Dort lernte sie Robert Capa kennen, der noch Andrei Friedmann hieß, und gab sich jenen Namen, unter dem man „das Mädchen mit der Leica“ bis heute kennt.

May 1, 2025 • 44min
Katharina Grosse: „Ich habe mich eigentlich nie an die Regeln gehalten“
Sie malt mit Spritzpistole. Ziemlich radikal. Überzieht Objekte und Architektur mit ihrer grellen Welt. „Zweidimensionale Malerei existiert für mich nicht“. Zuletzt hat sie mit ihrer Spray-Technik den Kunstbau am Stuttgarter Schlossplatz, im Volksmund „Kunsthaus zum Goldenen Hirsch“ genannt, in reine Farbgewalt verwandelt – für die Ausstellung „The Sprayed Dear“, ein Wortspiel mit dem englischen Begriff für Hirsch.
Seit mehr als 30 Jahren untersucht Katharina Grosse, geboren 1961 in Freiburg, die Möglichkeitsräume der Malerei. Und zählt damit zu den bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart.
Ausstellungs-Tipp:Staatsgalerie Stuttgart (Kunstgebäude am Schlossplatz):„The Sprayed Dear“ (bis 11. Januar 2026)

Apr 30, 2025 • 40min
Thomas Köck: „Der Plan von Rechtsextremen ist, das System auszuknipsen“
„Chronik der laufenden Entgleisungen“. Tagebuchartig dokumentiert der Dramatiker Thomas Köck ein Jahr lang den Rechtsruck in Österreich. Wie nationalistisches und rechtsradikales Denken sich verbreitet, mit welcher Sprache und welchen Symbolen dies geschieht – wenn zum Beispiel auf Wahlkampfveranstaltungen Messer gewetzt und Journalisten in den Schwitzkasten genommen werden.
Bekannt wurde Thomas Köck mit seiner zwischen 2014 und 2016 verfassten „Klimatrilogie“. Er ist einer der wenigen Gegenwartsdramatiker, dessen Stücke international nachgespielt werden, 2025 beim „Heidelberger Stückemarkt“.

Apr 26, 2025 • 44min
Holger Schultze: „Theater kann ein Korrektiv der Gesellschaft sein“
Theater setzt Themen, ja. Beschreibt und kritisiert Gegenwart, auch klar. Oft durch Uraufführungen. Aber welches Stück wird nachgespielt und beweist dadurch seine Relevanz?
Holger Schultze, Intendant des Theaters Heidelberg, gründete schon als Theaterleiter in Osnabrück „Spieltriebe 2“, ein Festival für Stücke, die zum zweiten Mal aufgeführt wurden.
Wie man Gegenwartsdramatik fördert, praktiziert er seit 2011 beim „Heidelberger Stückemarkt“, mit einem Autor*innen-Wettbewerb, Gastspielen und Gastland. Insgesamt mit einer Theater-Avantgarde. 2025 / 26 wird seine letzte Spielzeit sein.


