tl;dr

Alex Demirović
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May 14, 2026 • 1h 8min

tl;dr #61 Jürgen Habermas: «Strukturwandel der Öffentlichkeit» | Mit Sebastian Sevignani

Wie entstehen öffentliche Meinungen? Woraus setzt sich Öffentlichkeit zusammen? Und wie hat sich diese Sphäre über die Jahrhunderte verändert? In „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (1962) analysiert Jürgen Habermas den Aufstieg und Niedergang der sogenannten bürgerlichen Öffentlichkeit. Ihre Entstehung verortet er im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts: In Salons und Kaffeehäusern treten Privatpersonen erstmals zu einem „räsonierenden“ Publikum zusammen, um über Politik, Gesellschaft und Kultur zu diskutieren. Doch mit dem Aufkommen der Massenmedien im 20. Jahrhundert – Radio, Fernsehen, Internet – erodiert diese bürgerliche Öffentlichkeit, die Habermas noch vom rationalen Prinzip des „besseren Arguments“ geleitet sah. Zunehmend bestimmen ökonomische Interessen gigantischer Medienkonzerne, wie Öffentlichkeit organisiert ist. Das räsonierende Publikum, so Habermas, wird zum konsumierenden Publikum. Unter den Bedingungen des digitalen Kapitalismus und der Plattformisierung stellt sich erneut die Frage, wie sich die Struktur der Öffentlichkeit verändert. Soziale Medien verschieben dabei die Grenze zwischen ‚privat’ und ‚öffentlich‘ grundlegend: Inhalte können nun unmittelbar veröffentlicht und verbreitet werden, ohne zuvor die klassischen Filterinstanzen oder „Gatekeeper“ wie Zeitungsredaktionen und Medienhäuser zu durchlaufen. Sind die Sozialen Medien von heute die Salons und Kaffeehäuser des 18. Jahrhunderts – neue Orte demokratischer Verständigung? Oder markieren sie vielmehr einen historischen Bruch, indem Öffentlichkeit nicht mehr primär die Funktion der Verständigung, sondern der Unterhaltung und zunehmend auch der Überwachung einnimmt? In der neuen Folge unseres Theorie-Podcasts führt Alex Demirović in Habermas’ Strukturwandel der Öffentlichkeit ein und spricht mit dem Soziologen und Kommunikationswissenschaftler Sebastian Sevignani über die Aktualität des Werks. Kontakt, Kritik, Feedback: theoriepodcast@rosalux.org Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter.
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Apr 20, 2026 • 53min

tl;dr #60 Clara Zetkin: «Arbeiterinnen und Frauenfrage» | Mit Christina Engelmann

Christina Engelmann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Zetkin-Expertin, zeichnet Clara Zetkins Weg in die proletarische Frauenbewegung nach. Es geht um Zetkins Analyse von Kapitalismus und Frauenemanzipation. Diskussionen behandeln Aktivismus, Bildungspraxis wie Werkstubenagitation, Rätepolitik und Wandel in kulturellen Haltungen.
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Mar 5, 2026 • 1h 8min

tl;dr #59 Rosa Luxemburg: «Die Akkumulation des Kapitals» | Mit Klaus Dörre

Klaus Dörre, Soziologe mit Schwerpunkt Arbeit und Ökonomie, diskutiert die Relevanz von Rosa Luxemburgs „Akkumulation des Kapitals“. Kurze historische Rekonstruktion. Debatte über Kapitalismus, Außenmärkte, Militarisierung und ökologische Grenzen. Gespräch über Reproduktionszwang, Kolonialismus als ökonomische Logik und aktuelle Folgen bis zu Exterminismus und praktischen Gegenkämpfen.
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Feb 7, 2026 • 1h 12min

tl;dr #58 Altvater/Mahnkopf: «Grenzen der Globalisierung» | Mit Birgit Mahnkopf

Mit ihrem Buch „Grenzen der Globalisierung“ prägten Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf in den 90er Jahren die Debatte innerhalb der Linken um die neuen Entwicklungen des Kapitalismus. Nach dem Zerfall der Sowjetunion standen neue Konstellationen in der Weltordnung bevor, so wie eine beschleunigte Ausbreitung des Kapitalismus auch in osteuropäischen Ländern. Altvater und Mahnkopf heben in ihrer Analyse eine Reihe neuer Phänomene hervor – etwa die des entstehenden Finanzmarkts, der sich dank einer gigantischen Vermögenspolarisierung bildet. Dabei überschreiten die Zinsen der Vermögenden das Niveau des Wirtschaftswachstums. Es gibt also auf der einen Seite Vermögende, die von den Zinsen und Geldanlagen immer reicher werden, und auf der anderen Seite diejenigen, die diese Zinsen bedienen müssen, und zwar immer über die Höhe des Wirtschaftswachstums hinaus. Die Finanzmärkte bringen somit keine Bereicherung der Gesamtheit, sondern zerstören systematisch die wirtschaftliche Grundlage vieler Menschen – und den Planeten. Denn die planetaren Ressourcen sind endlich und können mit der endlosen Wachstumsdynamik des Geldes nicht mithalten. So plädieren Altvater und Mahnkopf für eine soziale und solare Revolution, die die Dynamik der Kapitalakkumulation durchbricht. Zu Gast bei Alex Demirović ist in dieser Folge eine der beiden Autor*innen selbst: Birgit Mahnkopf. Kontakt, Kritik, Feedback: theoriepodcast@rosalux.org Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter.
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Jan 15, 2026 • 1h 7min

tl;dr #57 Thomas Paine: «Die Rechte des Menschen» | Mit Axel Rüdiger

Axel Rüdiger, Lehrbeauftragter für politische Theorie und Ideengeschichte an der FU Berlin, erklärt Thomas Paine knapp und lebhaft. Diskussionen drehen sich um Paine als radikaldemokratischen Reformer, seine Kritik an Monarchie und Erbansprüchen. Es geht um Volkssouveränität, Ablehnung von Gewaltenteilung, verfassungsändernde Generationenrechte und Paines Relevanz für heutige Machtkritik.
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Dec 5, 2025 • 1h 2min

tl;dr #56 Paul Lafargue: «Das Recht auf Faulheit» | Mit Stephan Lessenich

Stephan Lessenich, ein renommierter Soziologe und erfahrener Sozialkritiker, diskutiert die provokanten Ideen von Paul Lafargue aus dessen Werk „Das Recht auf Faulheit“. Er hinterfragt die gesellschaftliche Verehrung der Arbeit und plädiert für eine radikale Umverteilung der Arbeit, um einer Überproduktion und dem Zwang zur ständigen Produktivität zu entkommen. Lessenich erörtert die Notwendigkeit einer kürzeren Arbeitszeit und hebt die Rolle der Maschinen als Befreiungsinstrumente hervor. Zudem diskutiert er die Herausforderungen und Chancen, die Lafargues Ideen in der heutigen Zeit bieten.
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Nov 7, 2025 • 1h 4min

tl;dr #55 Angela Davis: «Eine Gesellschaft ohne Gefängnisse?» | Mit Vanessa E. Thompson

Die Schriftstellerin, Aktivistin und Philosophin Angela Davis wurde in den 1970er Jahren zur Ikone der Black-Power-Bewegung. Heute zählt sie zu den wichtigsten Vertreter*innen des Abolitionismus – eine Bewegung, die sich für die Überwindung staatlicher Gewaltinstitutionen einsetzt, wie sie etwa in Form von Gefängnissen oder der Polizei bestehen. In „Are Prisons obsolete?“ (2003), dt. „Eine Gesellschaft ohne Gefängnisse?“, argumentiert Davis, dass das Gefängnis weder natürlich noch notwendig sei, sondern das Produkt einer rassistischen, klassenbasierten und patriarchalen Gesellschaft. Sie prägt den Begriff des industriellen Gefängniskomplex („Prison Industrial Complex“), um die Komplizenschaft des Gefängniswesens mit dem kapitalistischen Ausbeutungs- und Herrschaftssystem zu beschreiben. Wie anderen Abolitionist*innen geht es Davis nicht nur um die langfristige Abschaffung von Gefängnissen, sondern um eine radikale Transformation der kapitalistischen Lebensbedingungen, die Armut und Kriminalität systematisch reproduzieren. Ebenso wichtig ist daher der Aufbau von „Caring Communitys“ und Infrastrukturen zur Prävention von Armut, Kriminalität und Gewalt. Zu Gast in der 55. Folge unseres Theorie-Podcasts ist die Sozialwissenschaftlerin Vanessa E. Thompson, die gemeinsam mit Daniel Loick den Abolitionismus-Reader (Suhrkamp) herausgegeben hat. Sie lehrt an der Queen´s University in Ontario/Kanada. Kontakt, Kritik, Feedback: theoriepodcast@rosalux.org Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter.
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Oct 15, 2025 • 1h 12min

tl;dr #54 Mao Tse-tung: «5 philosophische Schriften» | mit Felix Wemheuer

Mao Tse-tung prägte die europäische Linke in den 60er und 70er Jahren weitreichend. Angesichts der heutigen Erkenntnisse über ihn und die Auswirkungen seiner Politik, stellt sich die Frage, ob und wie man seine Schriften heute noch lesen kann. Berühmt in der Rezeption sind bis heute Maos Ausführungen zu Haupt- und Nebenwiderspruch. Dabei wurde ihm oft vorgeworfen, viele Widersprüche - und somit gesellschaftlichen Kämpfe - auf einen Nebenwiderspruch zu reduzieren und damit wegzuwischen. Tatsächlich besagt seine Theorie aber, dass der Hauptwiderspruch nicht von vornherein festgelegt ist. Zwar betrachtet er etwa Proletariat und Bourgeoisie als einen führenden Hauptwiderspruch. Es kann durch Bewegungen jedoch zu einer Verlagerung kommen, sodass ein anderer Widerspruch zum Hauptwiderspruch wird und den anderen überlagert. Eine solche Verschiebung von Widersprüchen nimmt auch Louis Althusser in seiner Analyse der russischen Revolution auf. Die Gegensätze – Lohnarbeit und Kapital, Kleinbauern und Großbauern, Großbauern und Adel, usw. – überlagern sich. Der Kampf der Kleinbauern wird dann der Signifikant, in dem sich die ganzen anderen Widersprüche verdichten. In ähnlicher Weise ließe sich auch intersektionales Denken von heute verstehen. Zu Gast bei Alex Demirović ist in dieser Folge der Sinologe und Mao-Experte Felix Wemheuer. Er ist Professor für moderne Chinastudien an der Universität Köln. Kontakt, Kritik, Feedback: theoriepodcast@rosalux.org Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter.
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Sep 17, 2025 • 1h 3min

tl;dr #53 Herbert Marcuse: «Konterrevolution und Revolte» | mit Peter-Erwin Jansen

Peter-Erwin Jansen, Herausgeber von Marcuses Nachlass und Direktor der Marcuse-Gesellschaft, erklärt Marcuses Diagnose von Konterrevolution und Revolte nach 1968. Es geht um Konsum als Integrationsmechanismus. Marginale Bewegungen als Träger neuer Revolten werden thematisiert. Außerdem: Kultur als Praxis des Widerstands und die Verbindung von Ökologie, Sexualität und politischem Wandel.
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Aug 6, 2025 • 1h 13min

tl;dr #52 Karl Marx: «Das Kapital» Band 2 | mit Christian Schmidt

Christian Schmidt, Philosoph und Autor an der Humboldt-Universität und Verfasser von 'Marx zur Einführung'. Es geht um Marx' Band 2: den Zirkulationsprozess des Kapitals. Kurze Kreisläufe, Umschlagzeiten, fixes versus zirkulierendes Kapital. Wie Stockungen, Kredit und Logistik Krisen erzeugen oder mildern. Ein Plädoyer, Band 2 trotz seiner Sprödheit zu lesen.

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