Machiavelli - Rap und Politik

COSMO
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Mar 30, 2022 • 52min

Hendrik Bolz aka Testo: Jugend in glühenden Landschaften

"Ich bin in einer Zeit geboren, die eigentlich nichts für Kinder ist", das sagt Hendrik Bolz aka Testo von der Rap-Crew "Zugezogen Maskulin" über seine Jugend in der Nordostdeutschen Küstenstadt Stralsund rund um die Jahrtausendwende. Dort spielt "Nullerjahre", der autobiographische Roman, den der Rapper geschrieben hat und damit direkt in die SPIEGEL-Bestsellerliste gekracht ist. Ein Buch, wie ein ZM-Rap-Track: Hektischer Rhythmus, unangenehme Bilder, knirschende Sprache - und vor allem eins: genau beobachtet. Testo beschreibt schon wie auf seinem Hit "Plattenbau O.S.T." die Perspektivlosigkeit, den Frust, die Gewaltdynamiken, die Drogen - und den Ursprung von all dem: der Mauerfall, die Wende, der Systemwechsel. Die DDR wird für beendet erklärt, da ist Bolz ein Jahr alt. Was nicht erklärt wird: Wie soll es eigentlich weitergehen mit den Menschen? Die ihre Jobs verlieren, ihre Strukturen und irgendwann auch ihren Glauben an überhaupt etwas. In diesem Hoffnungsvakuum wächst Testo auf, "blühende Landschaften" nannte es der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl. Im Gespräch mit Machiavelli-Host Jan Kawelke spricht Hendrik Bolz unter anderem über verkipptes Bongwasser, Boxereien und Bushido. /// Die Shownotes zur Folge: www.wdr.de/k/machiavelli
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Mar 15, 2022 • 1h 23min

8. März & Krieg: Die Brutalität des Patriarchats

Am 8. März war feministischer Kampftag und den ganzen März über ist "Women’s History Month". Dazu hat Salwa mit der Grünen-Politikerin Nyke Slawik gesprochen. Als eine der ersten beiden Frauen im Bundestag, die sich als trans geoutet haben, erlebt sie, dass allein ihre Existenz politisch ist und sie sich feministischen Kämpfen gar nicht entziehen kann. Nicht nur am 8. März, sondern jeden Tag. Welche Bedeutung haben diese Kämpfe inmitten von Krieg und Krisen? Wenn wir eines aus der Corona-Pandemie gelernt haben sollten, dann, dass Krisen sich nicht gegenseitig ablösen, sondern alle bestehenden Ungleichheiten verstärken. Die UN bezeichnet die Corona-Pandemie mittlerweile sogar als "Krise der Frauen", weil sie weltweit in fast allen sozialen Aspekten Frauen härter trifft. Denn gerade sie haben mehr Sorgearbeit übernommen und mussten häufiger ihre Karriere runterschrauben. Wenn wir diesen 8. März und Women's History Month in Gedanken an die Ukraine verbringen, müssen wir eben auch darüber sprechen, dass es vor allem Frauen sind, die gerade fliehen. Denn auch im Krieg spielt das Geschlecht eine Rolle. Hier macht die "Brutalität des Patriarchats" (Shoutout an Juliane Frisse und ihren Kommentar in "die ZEIT" für diesen starken Titel) auch vor cis-Männern nicht Halt. Von ihnen wird erwartet, dass sie als tapfere Helden ihr Land verteidigen, ob sie wollen oder nicht. Auch trans Frauen in der Ukraine leiden unter dieser Zuschreibung. Ihnen wird ihre weibliche Identität abgesprochen und sie sollen zum Kampf im Land bleiben. Eine davon ist die Sängerin Zi Faámelu. Neben den Schrecken des Krieges ist sie Diskriminierung und Übergriffen ausgesetzt. Wie kann Feminismus in diesen Zeiten aussehen? Salwa und Nyke sprechen über eigene und kollektive Kämpfe. Über feministische Außenpolitik und überholte Rollenbilder. Darüber, wie weit wir gekommen sind und was sich für eine gleichberechtigte Welt noch alles ändern muss. /// Shownotes zur Folge: www.wdr.de/k/machiavelli
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Mar 8, 2022 • 1h 1min

Ukraine Update: Putins Krieg

Vor etwas mehr als einem Monat haben wir hier im Machiavelli Podcast über die Ukraine gesprochen. Ein Land, mitten in Europa, in dem seit acht Jahren Krieg herrscht. Dann ist das Unvorstellbare Wirklichkeit geworden: Am 24. Februar hat Russlands Präsident Wladimir Putin eine Invasion russischer Truppen in die Ukraine befohlen. Seitdem sind wir alle Zeug:innen eines großen Krieges mitten in Europa. Es ist ein Krieg gegen die Ukraine. Ein Krieg gegen Freiheit und Demokratie. Ein Krieg, den sich in diesem Ausmaß viele nicht vorstellen konnten, nicht vorstellen wollten. Russische Panzer und Soldaten rücken in die Ukraine vor, versuchen Städte einzunehmen. Es gibt russische Luftangriffe auf das ganze Land - auch auf Vassilis Geburtsstadt Charkiw. Die russische Armee versucht außerdem, die Hauptstadt Kiew einzunehmen. In dieser Folge versuchen Jan und Vassili Worte für das zu finden, für das es eigentlich keine Worte gibt. Sie sprechen über den Kampf der Worte im russischen Staatsfernsehen, über die massiven Repressionen in Russland und über Künstler:innen in Russland, der Ukraine und Deutschland, die im Krieg Haltung zeigen – oder auch nicht. Spiegel-Reporterin Alexandra Rojkov berichtet, wie sie den Ausbruch des Krieges in der ukrainischen Hauptstadt erlebt hat und warum ihr Vater seinen russischen Pass wenig später verbrannte. Vassili erzählt von seiner Reise in ein anderes Moskau und das Gefühl, förmlich dabei zusehen zu können, wie sich der Eiserne Vorhang zuzieht. // Shownotes zur Folge: www.wdr.de/k/machiavelli
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Feb 16, 2022 • 34min

Deep Dive Little Simz: Die introvertierte Königin

Alle schwärmen von Little Simz: Gerade erst räumte die Rapperin bei den Brit-Awards in der Kategorie "Best New Artist" ab und hielt gemeinsam mit ihrer Mutter auf der Bühne eine bewegende Rede: "Ich bin der lebende Beweis, du kannst alles schaffen. Egal, wo du herkommst." Simz oder Simbi, wie sie ihre Engsten nennen, kommt aus Nord-London, Islington. Mit neun Jahren fängt sie in einem lokalen Jugendzentrum an zu rappen, mit 21 hat sie bereits vier Mixtapes, fünf EPs und ein Album rausgebracht - alles auf ihrem eigenen Label. Und nun ihren Album-Epos: "Sometimes I might be introvert". Detailverliebt, dicht, variantenreich, orientiert an Alben von Nina Simone oder Etta James und: politisch. Little Simz schreibt empowernde Hymnen für Schwarze Frauen oder erzählt uns von korrupten Politiker:innen, die die Jugend vergessen, sie schildert die Tragödien der Messer-Gewalt von London und die Verletzungen durch die Abwesenheit ihres Vaters.  Nach dem Deep Dive zum britischen Rapper Dave taucht Jan Kawelke in dieser Folge erneut tief hinab zwischen die Zeilen eines wichtigen politischen Rap-Albums. /// Die Shownotes zur Folge: www.wdr.de/k/machiavelli
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Feb 9, 2022 • 1h 9min

Identität: Und woher kommst du?

Salwa und Vassili mussten sich schon früh mit Fragen auseinandersetzen, die einer Lisa oder einem Stefan in Deutschland nie gestellt werden: Wo kommt dein Name her? Und wo kommst du eigentlich her? Unsere Namen prägen unsere Identität. Amewu hat seinem Namen sogar einen eigenen Song gewidmet. Auf die Frage nach seiner Identität antwortet der Berliner: Rapper. Wie der Rap ihn geprägt hat und wie er diese Kunstform nutzt, um sich mit seiner Identität auseinanderzusetzen, erzählt Amewu in dieser Episode. "Identitti", so heißt das Buch der Kulturwissenschaftlerin und Autorin Mithu Sanyal. Ihr Vater stammt aus Indien, ihre Mutter aus Polen. Auf Grundlage ihrer persönlichen Erfahrungen hat Mithu einen Roman verfasst, der polarisiert. Es geht um Prof. Saraswati, eine Professorin, die in Deutschland an der Uni lehrt. Sie gibt sich als Indisch aus, aber schon zu Beginn des Buches stellt sich raus: Sie ist eigentlich weiß. Das Problem daran: Die Professorin ist zu dem Zeitpunkt bereits zu einer Ikone für viele BpoC in Deutschland geworden, hat wichtige Bücher geschrieben und viele inspiriert. Der Roman ist angelehnt an eine wahre Begebenheit, den Fall “Rachel Dolezal”, einer US-amerikanischen Kulturwissenschaftlerin und Bürgerrechtlerin, die sich als Schwarz ausgegeben hatte. “Identitti” ist voller Thesen und aufwühlender Gedanken, aber es hat kein Fazit. Im Gegensatz zu Apsilon. Der Rapper ist als Sohn türkischer Eltern, sogenannter Gastarbeiter:innen, in Berlin Moabit aufgewachsen. Auf seinem Track "Köfte" kommt er zu dem Ergebnis, statt zwei Heimaten gar keine zu haben. Warum das so ist, erklärt uns Apsilon in dieser Episode. Wo wir herkommen? Diese Frage ist bei der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung mit der eigenen Identität eigentlich nicht so wichtig. Viel dringender sollten wir klären: Wer sind wir und wo wollen wir hin? Die Machiavelli-Episode ist eine Reise, bei der die Endstation ungewiss ist. /// Shownotes zur Folge: www.wdr.de/k/machiavelli
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Feb 2, 2022 • 1h 5min

Ukraine: Am Rande des Krieges

Seit fast acht Jahren herrscht Krieg - mitten in Europa. Mehr als 14.000 Menschen wurden seit 2014 im Osten der Ukraine getötet. Und als wäre das alles nicht schlimm genug, beobachten wir seit Wochen ein heftiges Aufrüsten - verbal und militärisch. Putin bedroht die Ukraine entlang ihrer Grenze: mit mehr als 100.000 Soldat:innen und schwerem Geschütz. Shownotes zur Folge: www.wdr.de/k/machiavelli
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Jan 12, 2022 • 49min

OG Keemo: Hundeleben

"Bitte mit Kopfhörern und am Stück hören", mit diesem Hinweis wurde OG Keemos Album "Mann beißt Hund" vorab verschickt und zu kaum einem Album könnte diese Handlungsaufforderung besser passen. Denn "Mann beißt Hund" erfordert Eintauchen. So dicht sind die Szenen beschrieben, so intensiv und aufwühlend ist die Reise, auf die uns Keemo mitnimmt. Wir sind stille Beobachter, fast erstarrt aus Angst, man könnte uns beim Belauschen ertappen. Beim Bespitzeln von Malik, Yasha, Keemo und dem Hund. Von ihrem Leben am Block, dem Aufknacken von Civics, Ausknocken von Gegnern, Ausrauben von Rich-Kids. Produzent Funkvater Frank und Keemo schaffen eine Atmosphäre, die an den französischen Filmklassiker "La Haine" erinnert oder natürlich an "Good Kid Maad City" - auch wenn Keemo den Vergleich zum größten Rapper unserer Zeit am Ende des Albums noch eben abschmettert: "Ich check, was du meinst/doch ich steh nicht hinter dem Kendrick-Vergleich". Seinen Lieblings-Lamar-Song verrät er Jan Kawelke dann aber doch für den Podcast. Außerdem sprechen die beiden über ungenutzte Potentiale, vergessene Menschen und zerbrochene Freundschaften, über Überlebensschuld, problematische Sprache und den vielleicht wichtigsten Song über Rassismus der letzten zehn Jahre. /// Die Shownotes zur Folge: www.wdr.de/k/machiavelli
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Dec 28, 2021 • 2h 21min

Politik-Podcast Elefantenrunde 2021

20 kluge Köpfe wurden per Losverfahren vom Machiavelli-Team in neue Duos eingeteilt und besprechen in jeweils rund 15 Minuten die wichtigsten Themen aus 2021. Es geht unter anderem um das gesellschaftspolitische Potenzial der Ampel-Regierung, die Zukunft der CDU unter Friedrich Merz und um die Debattenkultur in Deutschland. Mit dabei: Sandra Maischberger (maischberger. der podcast), Samira El Ouassil (Piratensender Powerplay), Linda Zervakis (Gute Deutsche), Eva Schulz (Deutschland 3000), Vanessa Vu und Minh Thu Tran (Rice and Shine), Aline Abboud (Zenith-Podcast), Hengameh Yaghoobifarah (Auf eine Tüte), Michael Bröcker (Hauptstadt Das Briefing), Khesrau Behroz (Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen), Jan Koch (0630 by WDR aktuell), Katharina Hamberger (Deutschlandfunk - Der Politikpodcast), Zuher Jazmati (BBQ - Der Black Brown Queere Podcast), Lilly Amankwah (Solidarität - Was können wir tun?), Sham Jaff (Der Lila Podcast), Rebecca Habtemariam (Senf zum Sonntag), Yasmine M´Barek und natürlich Vassili Golod, Salwa Houmsi und Jan Kawelke von COSMO Machiavelli. Ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk für alle Machiavelli-Hörer:innen und Fans von Politik-Podcasts. /// Die Shownotes zur Folge: www.wdr.de/k/machiavelli
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Dec 22, 2021 • 2h 41min

HipHop-Podcast Mammut-Remix 2021

Der Dezember ist der Monat der großen Traditionen: Weihnachten, Silvester und natürlich der HipHop-Podcast Mammut-Remix. Wir haben zum dritten Mal unsere liebsten Podcaster:innen zum Jahresend-Plausch geladen - damit nicht alle gleichzeitig reden, mit einem simplen Konzept: Alle Hosts wurden in neue Duos zugelost und haben zehn Minuten Zeit, ein frei gewähltes Thema zu besprechen. So findet "Leben im Osten" neben "Sexualität im Rap" statt, es wird über Ghostwriting gesprochen, über die #FreeBritney-Bewegung, NFTs, UFC, übers Älterwerden und natürlich viel über Musik. Der perfekte Zeitvertreib für den Last-Minute-Geschenke-Shopping-Spurt oder die beste Begleitung, wenn ihr Geschenke einpackt. Mit dabei & deshalb dickes Danke an: Gizem Adiyaman, Lotta Kummer & Nina Kummer & Felix Kummer & Steffen Israel, Yannick Niang, Tobias Wilinski, Jule Wasabi & Falk Schacht, Simon Vogt, Roger Rekless, Niko Backspin, Mauli und Marcus Staiger, Josi Miller & Helen Fares, Anna Kravcikova, Reece, Jan Wehn, Malcolm Ohanwe, Zino, Miriam Davoudvandi, Dominik Djialeu und natürlich Salwa Houmsi, Vassili Golod & Jan Kawelke. // Shownotes: www.wdr.de/k/machiavelli
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Dec 15, 2021 • 1h 11min

Warum wir Merkel nicht vermissen werden

"Danke Merkel, danke für die geile Zeit", rappen K.I.Z auf ihrem aktuellen Song. Angela Merkel ist nach sechzehn Jahren an der Macht ab sofort Bundeskanzlerin a.D. Und deshalb sagen auch Salwa Houmsi und Vassili Golod in dieser Folge "Ade". Diese Episode ist eine persönlich-kritische Würdigung der Langzeitkanzlerin. Salwa hat einen Merkel-Song von Vassili ausgegraben (kein Scherz) und zieht Parallelen zu viralen Merkel-TikToks. Wie konnte eine konservative Politikerin so beliebt werden? Warum folgt Straßenrapper Haftbefehl ihr auf Insta? Und wie feministisch ist eigentlich das Erbe der Kanzlerin? Darüber sprechen Salwa und Vassili mit der Journalistin Sham Jaff. Es geht außerdem um das "Machiavelli Versprechen" der neuen Bundeskanzlerin, Olaf Scholz. Und um unsere Erwartungen an seine Ampel-Regierung. Also schließt die Augen und macht euch gemeinsam mit "Machiavelli" auf eine akustische Reise durch die Merkel-Raute. // Shownotes: www.wdr.de/k/machiavelli

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