buch|essenz

Friedrich-Ebert-Stiftung
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May 26, 2025 • 16min

Sascha Lobo (2023): Die große Vertrauenskrise

Ein Bewältigungskompass. Im Zuge der immer weiter voranschreitenden Globalisierung und Digitalisierung haben sich die Mechanismen der gesamtgesellschaftlichen Vertrauensbildung in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Vor dem Aufkommen des Internets akzeptierten die Bürger_innen die Entscheidungen von Behörden, Parteien, Schulen und Universi-täten und erwarteten im Gegenzug vom Staat eine Politik im Sinne der Mehrheitsge-sellschaft. Dieses „Alte Vertrauen“ basierte auf Gewohnheit, Hierarchie, Stabilität und einer klaren Kommunikation von oben nach unten. Im Internetzeitalter hingegen sind politische Entscheidungen überprüfbar geworden. Im Paradigma des „Neuen Vertrau-ens“ fordern die Bürger_innen von der Regierung Transparenz, mehr Mitbestimmung, gesellschaftliche Kontrollmechanismen, eine Kommunikation auf Augenhöhe sowie rasche Lösungsansätze. Essenziell sind hierbei die Haltung des aktiven Zuhörens und eine transparente Kom-munikation auf Augenhöhe mit der Bevölkerung. Eine breite Beteiligungspolitik gilt als entscheidender Faktor für erfolgreiche Veränderungsprozesse. Durch diese Beteiligung wird dem Bild eines elitären Polit-Medien-Komplexes entgegengewirkt.
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May 12, 2025 • 15min

Jens Kersten, Claudia Neu, Berthold Vogel (2024): Einsamkeit und Ressentiment

Klangkantine Studios Einsamkeit und Ressentiment sind eng verbundene gesellschaftliche Phänomene, die sozialen Zusammenhalt und die Demokratie gefährden. Einsamkeit führt zu Rückzug und Misstrauen. Ressentiment entsteht aus Gefühlen der Ohnmacht und äußert sich in Schuldzuweisungen sowie gesellschaftlicher Spaltung. Beide verstärken einander: Einsamkeit schwächt das Vertrauen in soziale Beziehungen, Ressentiment untergräbt das Vertrauen in Institutionen. Besonders betroffen sind Jugendliche und strukturschwache Regionen, in denen fehlende soziale Infrastruktur und Umbrüche diese Dynamik verstärken. Es gilt wirksame Gegenstrategien zu entwickeln.
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Apr 28, 2025 • 12min

Friederike Otto (2023): Klimaungerechtigkeit

Was die Klimakatastrophe mit Kapitalismus, Rassismus und Sexismus zu tun hat. Die Klimakrise wird häufig als externes, natürliches Phänomen begriffen. Dabei ist sie eng mit kapitalistischen, kolonialen, rassistischen und patriarchalen Strukturen verknüpft. Die differenzierte Betrachtung von Extremwetterereignissen in der Zuordnungsforschung zeigt, dass gesellschaftliche Ungleichheiten die Auswirkungen des Klimawandels massiv verschärfen – insbesondere im Globalen Süden, wo Ausbeutung und mangelnde Infrastruktur die Widerstandsfähigkeit mindern. Wir sollten daher soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt der Klimapolitik stellen und marginalisierte Perspektiven stärker einbeziehen.
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Apr 14, 2025 • 14min

Maximilian Steinbeis (2024): Die verwundbare Demokratie

Strategien gegen die populistische Übernahme. Autoritär-populistische Bewegungen destabilisieren die liberale Demokratie durch schrittweise Unterwanderung der Institutionen. Ihr Werkzeug ist ein Populismus, der zunehmend politische Macht erschleicht. Am Szenario einer autoritär-populistischen Machtübernahme auf Landesebene wird deutlich, wo durch gezielte Blockaden, Besetzungen von Schlüsselpositionen und Manipulation von Medien und Institutionen der Rechtsstaat ausgehöhlt werden könnte. Um diesen Gefahren zu begegnen, muss die Verfassung noch resilienter werden. Vor allem braucht es aber politische Wachsamkeit und eine aktive Zivilgesellschaft.
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Apr 7, 2025 • 15min

Anne Applebaum (2024): Die Achse der Autokraten

Korruption, Kontrolle, Propaganda: Wie Diktatoren sich gegenseitig an der Macht halten. Die internationale Zusammenarbeit autokratischer Regime wird nicht durch eine gemeinsame Ideologie zusammengehalten, sondern durch komplexe Netzwerke von Korruption, Kontrolle und Propaganda. Länder wie Russland, China und Venezuela unterstützen sich gegenseitig, etwa durch den Austausch von Technologie, Propaganda oder militärischer Hilfe. Die westliche Politik spielt allerdings ebenfalls keine unerhebliche Rolle bei der Schaffung und Stabilisierung dieser autokratischen Netzwerke. Für die Demokratien gilt es gemeinsame Gegenstrategien zu entwickeln, u.a. durch die stärkere Regulierung von sozialen Medien und Maßnahmen gegen Korruption.
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Mar 20, 2025 • 17min

Andreas Reckwitz (2024): Verlust

Ein Grundproblem der Moderne. Die moderne Gesellschaft ist geprägt von tiefgreifenden Verlusterfahrungen. Seit dem Ende des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Zweiten Weltkrieg lässt sich eine „Verlusteskalation“ beobachten, die sich in politischen und sozialen Krisen manifestiert. Diese Entwicklung wird nicht nur von Rechtspopulisten ausgenutzt, sondern fordert auch eine neue Perspektive auf unser Fortschrittsverständnis. Es gilt eine resiliente Gesellschaft zu formen, die Verlust nicht nur zu überwinden versucht, sondern konstruktiv integriert. Ausgezeichnet als „Das politische Buch“ 2025 bietet „Verlust“ wichtige Impulse für progressiver Politik.
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Mar 11, 2025 • 16min

Philippa Sigl-Glöckner (2024): Gutes Geld

Wege zu einer gerechten und nach-haltigen Gesellschaft. Die Maastricht-Kriterien und die deutsche Schuldenbremse engen die wirtschaftspolitischen Möglichkeiten unnötig ein und verhindern notwendige Ausgaben für Beschäftigung, Bildung, Sicherheit, Infrastruktur und sozialen Zusammenhalt. Damit gefährden sie die Zukunft unserer Gesellschaft. Es braucht daher neue Schuldenregeln, die Spielraum für Investitionen in diesen Bereichen schaffen. Woher kommen die aktuellen fiskalpolitischen Schuldenregeln? Und wie sehen Konzepte für eine neue Finanzpolitik aus, die den Herausforderungen der Zukunft gerecht wird?
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Feb 24, 2025 • 8min

Julia Reuschenbach und Korbinian Frenzel (2024): Defekte Debatten

Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen. Unsere Debattenkultur steckt in einer Krise. Die Ursachen sind vielfältig: Zunehmende Individualisierung, aber auch aktuelle Krisen und Umbrüche spielen eine Rolle. Sie führen zu Verunsicherung, einem Gefühl von geringer Selbstwirksamkeit und Ohnmacht. Rechtspopulistische Akteur_innen profitieren durch Vereinfachungen, während sich demokratische Politiker_innen in Krisensituationen zu oft auf Schadensbegrenzung beschränken. Die Kombination aus schnellen, oft wenig transparenten Kurswechseln und einer mangelnden Fehlerkultur führt dabei zu Vertrauensverlusten in demokratische Institutionen. Aber es gibt auch Gegenmittel!
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Feb 3, 2025 • 18min

Sascha Lübbe (2024). Ganz unten im System

Wie uns Arbeitsmigrant_innen den Wohlstand sichern. Deutschland ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und eines der europäischen Länder mit dem größten Niedriglohnsektor – ein Hochlohnland für sogenannte „qualifizierte“ Arbeit, aber ein Billiglohnland in anderen Branchen. Im unteren Einkommensbereich betrug der Anteil von Nicht-Deutschen 2022 fast 30 Prozent. In der Gebäudereinigung, der Lebensmittelindustrie oder auf dem Bau liegt der Anteil der Ausländer sogar bei bis zu 50 Prozent. Die Menschen, die diese für das Funktionieren des Landes notwendigen Tätigkeiten ausüben, sind in einem System beschäftigt, das auf Ausgliederung basiert: Unternehmen geben Aufgaben und Verantwortung an Subunternehmen weiter, oftmals in nicht mehr nachverfolgbare, halblegale Zustände. Die betroffenen Arbeiter_innen sind häufig in einem System der Ausbeutung gefangen – sie leben und arbeiten unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen.
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Jan 21, 2025 • 14min

Hein de Haas (2024): Migration

22 populäre Mythen und was wirklich hinter ihnen steckt. Ausmaß und Probleme der Migration werden stark überschätzt. Verantwortlich für die meisten Missstände sind Fehler der Politik. Die Einwanderungsländer stehen vor einem Trilemma zwischen dem Wunsch, die Zuwanderung zu begrenzen, der dringenden Nachfrage der Wirtschaft nach billigen Arbeitskräften und dem Gebot, die Menschenrechte zu schützen. Angeblich treiben die hohen Entwicklungs- und Einkommensunterschiede in der Welt die Migration. Die wichtigste Triebkraft der Migration ist jedoch der Arbeitskräftebedarf in den reicheren Zielländern, der aus vielen sozialstrukturellen Gründen hoch ist. Deshalb sind die legale Zuwanderung sowie die Duldung illegaler Migration so bedeutend, auch wenn das von Politik und Medien gern verschwiegen wird.

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