buch|essenz

Friedrich-Ebert-Stiftung
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Sep 20, 2021 • 20min

Jan-Werner Müller (2019): Furcht und Freiheit

Jan-Werner Müllers Kritikpunkte der Entpolitisierung und des falschen Umgangs mit Populismus treffen die soziale Demokratie. Gerechtigkeitsfragen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es gibt viele Formen von erfahrener Furcht und Machtlosigkeit. Dazu zählen soziale Benachteiligung, die Diskriminierung von Geschlechtern, Herkunft und der sexuellen Orientierung, Fluchterfahrungen oder auch der Verlust des Arbeitsplatzes durch technologischen Fortschritt oder ökologische Transformationen. Ziel des Essays von Müller ist die Formulierung eines neuen Liberalismus von unten, der alle Menschen anspricht. Dies wird durch einen Liberalismus der Furcht gewährleistet, der nach den Erfahrungen von Furcht und Unterdrückung von allen Menschen fragt und danach strebt, diese zu überwinden.
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Sep 6, 2021 • 19min

Armin Schäfer und Michael Zürn (2021): Die demokratische Regression

Niedrige Wahlbeteiligung, Vertrauensverlust politischer Institutionen, Aufstieg populistischer Parteien und Bewegungen: Die Krisensymptome sind in den westlichen Demokratien ähnlich. Armin Schäfer und Michael Zürn verdichten ihre Analyse des aktuell zu beobachtenden Verlustes an „Qualität der Demokratie“ unter dem Begriff der „demokratischen Regression“. Zu beobachten ist die Tendenz einer „doppelten Entfremdung“ in der Bevölkerung: zum einen die abstrakte Entfremdung der tatsächlichen politischen Prozesse vom demokratischen Ideal; zum anderen eine konkrete Entfremdung von Teilen der Bevölkerung von den demokratischen Institutionen.
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Aug 23, 2021 • 20min

Philip Manow (2020): (Ent-)Demokratisierung der Demokratie

Demokratie strebt nach einem Mehr an Gleichheit und Partizipation für alle, braucht aber institutionelle Voraussetzungen wie funktionierende Parteien oder den Nationalstaat. In der Krise ist vielmehr die repräsentative Idee. Populismus ist dabei eher Symptom als Diagnose. Philip Manow plädiert dafür, das Aufkommen des Populismus nicht als eine Krise der Demokratie abzutun, sondern sie als Ergebnis eines Prozesses der Demokratisierung zu verstehen. Demokratien brauchen schon immer ein Gleichgewicht zwischen der Schaffung von Gleichheit und Partizipation und den institutionellen Voraussetzungen demokratischen Regierens in klar abgegrenzten Strukturen wie dem Nationalstaat.
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Jul 30, 2021 • 16min

Stephanie Kelton (2020): The Deficit Myth

Die Modern Monetary Theory (MMT) ist eine neuere Richtung in den Wirtschaftswissenschaften, die Geld, Steuern und Staatsschulden ganz anders interpretiert als klassische oder liberale Theorien. Stephanie Kelton zeigt in ihrem Buch, das in die New York Times Bestseller-Liste aufgenommen wurde, dass Schuldenbremsen Unsinn sind und progressive Politik daran nicht scheitern darf und soll. Obwohl es stark auf die USA fokussiert ist, gelten die meisten Analysen und Empfehlungen auch für andere Länder mit vergleichbarer Wirtschaftsordnung.
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Jul 12, 2021 • 16min

Mariana Mazzucato (2021): Mission. Auf dem Weg zu einer neuen Wirtschaft

Große technologische und ökonomische Innovationen entstehen durch gesamtgesellschaftliches Handeln, nicht durch einzelne, vermeintlich geniale Erfinder. Eine starre Aufgabenteilung zwischen einem Staat, der maximal durch direkte oder indirekte finanzielle Förderung aktiv wird, und einem ansonsten von weiterer Steuerung unberührt bleibenden Privatsektor, entspricht nicht der Realität. Mariana Mazzucato erläutert, insbesondere am Beispiel des auf das Ziel einer bemannten Reise zum Mond ausgerichteten amerikanischen Apollo-Projekts der 1960er-Jahre, wie staatliches Handeln durch die Orientierung auf „Zukunftsmissionen“ technologische Innovation antreiben und öffentliche und private Akteure für gesellschaftlich definierte Ziele mobilisieren kann.
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Jun 25, 2021 • 16min

Julia Friedrichs (2021): Working Class

Julia Friedrichs schildert den Ist-Zustand der gesellschaftlichen Ungleichheit in Deutschland, besonders die Kluft zwischen Kapital und Arbeit. Sie erläutert anschaulich, wie und warum diese Kluft in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen ist. Den Kern des Werks bilden drei Langzeit-Reportagen über Menschen, die teils ohne, teils mit bester Ausbildung trotz intensiver Anstrengung bei Vollzeitarbeit nur knapp über die Runden kommen und kaum Rücklagen für die unvorhersehbaren Lebensereignisse bilden können.
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May 21, 2021 • 22min

Andreas Reckwitz (2017): Die Gesellschaft der Singularitäten

Andreas Reckwitz untersucht, wie sich das Streben nach Singularisierung in der spätmodernen Gesellschaft im Strukturwandel von Ökonomie, Arbeitswelt, Technologie, Lebensstilen und Politik wiederfindet, und zeigt auf, welche teils widersprüchlichen gesellschaftlichen Dynamiken freigesetzt werden. Die spätmoderne Gesellschaft erhebt, anders als die Gesellschaften zuvor, das Besondere und Singuläre zum gesellschaftlichen Maßstab. Alles soll individuell, besonders, wertvoll sein; Selbstverwirklichung ist das vorherrschende Ziel. Wem sie gelingen kann und wem eher nicht, und welche gesellschaftlichen Unwuchten dies zeitigt, ist Teil dieser großen Gesellschaftsanalyse.
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May 14, 2021 • 18min

Andreas Kossert (2020): Flucht – Eine Menschheitsgeschichte

Geflüchtete haben ein Gesicht, einen Namen und eine persönliche Geschichte. Der Historiker Andreas Kossert schildert anhand von vielen biographischen Schilderungen ein großes Panorama von Fluchtschicksalen des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Er macht deutlich, dass Flucht ein schwerer Lebenseinschnitt ist. Das Verlassen der Heimat und die Aufgabe seines bisherigen Lebens; die Ankunft und das Zurechtfinden an einem Ort, an dem man eigentlich gar nicht sein wollte, das ist eine Herausforderung, die ohne Solidarität und das Verständnis für diese Situation seitens der Aufnahmegesellschaften nicht gelingen wird.
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May 4, 2021 • 15min

Björn Hacker (2018): Weniger Markt, mehr Politik

Wie kann Europa gestärkt werden? Für Björn Hacker ist die Antwort klar: Einseitige Marktgläubigkeit und zu wenig Politik haben Europa in die Krise geführt. Die Märkte müssen politisch wieder eingehegt werden. Dazu liefert Hacker eine überzeugende Analyse und konkrete Vorschläge – für neuen Wohlstand und Zukunftsvertrauen.
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Apr 23, 2021 • 19min

Emmanuel Saez & Gabriel Zucman (2020): Der Triumph der Ungerechtigkeit

Emmanuel Saez und Gabriel Zucman räumen mit einem hartnäckigem Narrativ auf: das Ungleichheit unvermeidbar sei und die niedrige Besteuerung hoher Vermögen alternativlos. Sie stützen sich dabei auf eine brillante historische Analyse der US-Verteilungspolitik. Sie zeigen, wie es dazu kommen konnte, dass Einkommen wie Vermögen so dramatisch auseinandergedriftet sind – und warum dies das Ergebnis bewusster Politik ist. Zudem zeigen die beiden, dass die Steuervermeidungsstrategien international tätiger Unternehmen weder zu rechtfertigen, noch unabänderbar sind. Das Buch liefert eine wichtige Vorlage dafür, zu diskutieren, welchen Beitrag Besteuerung leisten kann, um die Spaltung von Gesellschaften zu stoppen. Emmanuel Saez und Gabriel Zucman haben mit ihrem Buch den Hans-Matthöfer-Preis für Wirtschaftspublizistik 2021 gewonnen.

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