Archivradio – Geschichte im Original

SWR
undefined
Jun 7, 2024 • 41min

Ministerpräsidentenkonferenz zur Flüchtlingsnot | 7.6.1947

Angst vor den "Fremden" und Verbitterung über Kriegsniederlage Flüchtlinge und Heimatvertriebene sind in der Nachkriegszeit ein wichtiges politisches Thema in Deutschland: Neben Angst vor den vielen "Fremden" schwingt in der Debatte häufig noch Verbitterung über die durch die Kriegsniederlage verlorenen Gebiete östlich von Oder und Neiße mit – schließlich kommt ein großer Teil der Flüchtlinge von dort. Integration soll sozialen Frieden wahren Auch die Ministerpräsidentenkonferenz in München behandelt im Juni 1947 als ersten Tagesordnungspunkt die "deutsche Flüchtlingsnot". Der bayerische Staatssekretär für Flüchtlingswesen, Wolfgang Jaenicke, schildert die Situation: 14 Millionen Flüchtlinge seien in ein Land gebrochen, das selbst unter den furchtbaren Folgen des Krieges leide. Diese Menschen müssten nun aufgenommen, eingegliedert und durch Arbeit und Sesshaftmachung davor bewahrt werden, ein asoziales oder revoltierendes Element in Deutschland zu werden.
undefined
Jun 4, 2024 • 4min

Über die russische Brussilow-Offensive in Wolhynien und Galizien | 4.6.1916 / 17.7.1918

Alexej Brussilow (1853-1926) war der erfolgreichste russische General des Ersten Weltkriegs, nach ihm wurde die Offensive benannt. Er wurde im März 1916 Befehlshaber der Südwestfront, nach der Februarrevolution 1917 wurde er Oberbefehlshaber der russischen Armee, 1920 führte er die Rote Armee nach Polen. Der Sprecher Alexander von Linsingen (1850-1935) hatte den Oberbefehl  über die deutschen und die österreichisch-ungarischen Armeen, die bis auf Kompanieebene integriert worden waren. Nach der Brussilow-Offensive war die Selbständigkeit Österreichs nur noch eine Illusion. Aufnahmedatum: 17.7.1918 (nachgesprochen)Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)
undefined
Jun 2, 2024 • 13min

Massaker auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" – Chinas Regierung schlägt Proteste nieder | 3. bis 5.6.1989

2.600 Tote auf dem Tian’anmen-Platz Im Juni 1989 schlägt die chinesische Führung die Proteste auf dem Tian’anmen-Platz nieder, dem Platz des himmlischen Friedens in Peking. Am Ende zählt das chinesische Rote Kreuz 2.600 Tote. Tod des reformorientierten Hu Yaobang war Auslöser der Proteste Die Entwicklung beginnt am 15. April nach dem Tod von Hu Yaobang. Er war bis 1987 Generalsekretär der Kommunistischen Partei, fiel aber, weil zu reformorientiert, bei der Parteiführung in Ungnade und wurde abgesetzt. Als er nun 1989 stirbt, bekunden viele öffentlich ihre Trauer, ziehen auf die Straße. Aus Trauerkundgebungen werden schnell Proteste gegen das Regime. Statt "chinesischer Perestrojka" rollen Panzer Im Mai beschließt die Pekinger Studenschaft einen Hungerstreik. Zunächst sieht es so aus, als lasse sich die Parteiführung auf einen Dialog ein. Der Sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow besucht Peking, was ebenfalls Hoffnungen weckt. Auch die deutsche Presse spekuliert teilweise auf eine "chinesische Perestrojka", die jetzt kommen könnte. Doch dann kippt es wieder um. Die Studierenden bleiben aber weiter auf dem Platz. Es kommt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Die Berichte der Korrespondenten Bernhard Hermann und Ludwig Thamm zeigen, wie sich die Situation ab dem 3. Juni 1989 zuspitzt. Am Tag drauf, dem 4. Juni, berichten der Südwestfunk und ARD-Korrespondent Ludwig Thamm bereits von einem Massaker. Viele Protestierende harren weiter aus. Doch die Armee bleibt auch am 5. Juni 1989 entschlossen, die Proteste niederzuschlagen.
undefined
May 30, 2024 • 55min

Die deutsche Friedensbewegung – Was bleibt vom Pazifismus? | Archivradio-Gespräch

Sissi Pitzer ist eine engagierte Stimme in der deutschen Friedensbewegung. Im Gespräch beleuchtet sie die historische und aktuelle Rolle des Pazifismus, besonders im Kontext des Ukraine-Kriegs. Sie diskutiert die Unterschiede zwischen der Friedensbewegung der 1980er Jahre und den heutigen Herausforderungen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den beeindruckenden Protesten jener Zeit, wie der Menschenkette auf der Schwäbischen Alb. Pitzer analysiert auch das Dilemma zwischen Frieden und Selbstverteidigung sowie die Notwendigkeit sozialer Gerechtigkeit.
undefined
May 28, 2024 • 11min

Ansprachen von Roosevelt und Eisenhower zum "D-Day" | 6.6.1944

Oberbefehlshaber der Landungstruppen wendet sich an Westeuropäer Am Morgen der Invasion in der Normandie, am 6. Juni 1944, spricht der Oberbefehlshaber der Alliierten Landungstruppen, Dwight D. Eisenhower, zu den Menschen in Westeuropa. Sie würden bald befreit werden. An die unabhängigen Widerstandskämpfer appelliert er, sich jetzt in Disziplin zu üben und nicht ihr Leben zu riskieren. Sie würden noch gebraucht werden. Die französische Bevölkerung ruft er auf, den Anweisungen ihrer Anführer zu folgen. US-Präsident Franklin D. Roosevelt spricht zu seinem Volk und betet US-Präsident Franklin D. Roosevelt wiederum hält eine kurze Ansprache an das Volk der Vereinigten Staaten. Er habe am Vortag noch über den Untergang Roms gesprochen – da habe er schon gewusst, dass in dieser Nacht Truppen der Vereinigten Staaten und ihrer Alliierten den Kanal überqueren würden. Bisher sei die Operation erfolgreich verlaufen. Die tausenden Toten, die sie gekostet hat, erwähnt er nicht. Und er bietet die Hörerinnen und Hörer, mit ihm zusammen zu beten. Quelle: DRA
undefined
May 28, 2024 • 4min

Deutsche Nachrichten über die Invasion in der Normandie | 6.6.1944

Wehrmacht sieht sich nicht in Gefahr Am Morgen des 6. Juni 1944 landen die alliierten Truppen an der Küste der Normandie. Auch die von der NS-Regierung kontrollierten Nachrichten im Großdeutschen Rundfunk berichten darüber. Nach ihrer Darstellung hat die Wehrmacht die Küste erfolgreich verteidigt und sei auf die Invasion gut vorbereitet gewesen – was nicht stimmt. Befehlshaber Generalfeldmarshall Erwin Rommel etwa ist an jenem Tag auf Heimaturlaub in Württemberg. Den Alliierten soll ein "heißer Empfang" bereitet werden Reichspressechef Otto Dietrich bezeichnet in den Nachrichten die West-Allierten als "Helfer des Bolschewismus", die "auf Befehl Moskaus" ihren "Opfergang" in der Normandie angetreten hätten. "Wir werden ihnen einen heißen Empfang bereiten".
undefined
May 24, 2024 • 2min

Aufruf an die Truppen der österreichischen Südwestfront | 24.5.1915

Franz Freiherr von Rohr Redner ist Franz Freiherr von Rohr. Er erhielt nach der Kriegserklärung Italiens an die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn den Befehl über die Armeegruppe, die seinen Namen trug. "Soldaten an den Alpengrenzen! Endlich hat der Italiener die trügerische Maske abgeworfen" / Er glaubt uns schwach, aber die brandende Flut soll an uns einen Felsen finden / Noch flammt in uns der Geist Radetzkys / "Im Verein mit unseren Bundesbrüdern werden wir auch im Südwesten zum Siege schreiten". Italien bis 1915 im Dreibund mit Österreich und Deutschland Italien war seit 1882 mit Deutschland und Österreich im Dreibund vertraglich gebunden, das Bündnis ist de jure 1915 beendet, als Italien auf der Seite der Entente-Mächte England und Frankreich in den Krieg eintritt. Der Vertrag hatte aber schon vor 1915 an Bedeutung verloren, da Italien und Frankreich ihre kolonialen Differenzen in Nordafrika 1902 beigelegt hatten. Königreich Italien strebt Erweiterung des Staatsgebiets an Die Absicht hinter Italiens Kriegserklärung war die Erweiterung des Staatsgebiets um die Territorien der k.-u.-k.-Monarchie, in denen Italiener lebten (Trentino, Venetien und Friaul). Rom hoffte nach einem erfolgreichen Sieg das "Risorgimento" abschließen zu können, was allerdings erst 1919 im Vertrag von St. Germain nach Ende des Ersten Weltkriegs gelang. Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)
undefined
May 23, 2024 • 35min

Dichterin May Ayim: "Ich bin hier nicht fremd." | 12.1.1995

Prägenden Figuren der afrodeutschen Bewegung Die Dichterin und Aktivistin May Ayim war in den 1980er-Jahren eine der prägenden Figuren der afrodeutschen Bewegung. Mit ihren Mitstreiterinnen machte sie in dem Buch "Farbe bekennen" 1986 den Alltagsrassismus gegenüber Schwarzen Deutschen öffentlich und verwies auf die lange Geschichte Schwarzer Menschen in Deutschland. Ihre Gedichte setzen sich mit den afrodeutschen Anliegen auseinander, sind oft aber auch positive und humorvolle Texte einer selbstbewussten jungen Frau. May Ayim nahm sich am 9. August 1996 in Hamburg das Leben. Hier eins ihrer letzten Interviews, am 12. Januar 1995, im Deutschlandradio. Der Moderator ist Herbert A. Gornik.
undefined
May 23, 2024 • 45min

Hans-Jürgen Massaquoi: "Hamburg ist Heimat" | 16.1.2000

Autobiografie eines Afrodeutschen Hans-Jürgen Massaquoi, geboren 1926 in Hamburg, ist der Autor der ersten Autobiografie eines Afrodeutschen während der Zeit des Nationalsozialismus. In dem Buch mit dem Titel: "Neger, Neger, Schornsteinfeger! Meine Kindheit in Deutschland" erzählt Massaquoi eindrücklich von seinen Erfahrungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging Hans-Jürgen Massaquoi zunächst nach Liberia und 1950 dann in die USA. Dort arbeitete er als leitender Redakteur bei "Ebony", der größten afro-amerikanischen Zeitschrift der USA. Er starb 2013 mit 87 Jahren. Hans-Jürgen Massaquoi im Gespräch mit Barbara Dobrick am 16. Januar 2000 im SWR.
undefined
May 22, 2024 • 25min

Theodor Heuss wird erster Bundespräsident | 12.9.1949

Theodor Heuss: neues Nationalgefühl bilden Der FDP-Vorsitzende Theodor Heuss (1884 - 1963) wird erster Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Nach seiner Wahl hält er eine sehr persönliche Rede vor dem Bundestag. Darin spricht er sich gegen das Vergessen der Naziverbrechen aus. Die Aufgabe bestehe darin, ein neues Nationalgefühl zu bilden und er erklärt, was er damit meint. Vor seiner Ansprache wird er von Bundestagspräsident Erich Köhler auf das noch ganz junge deutsche Grundgesetz vereidigt.

The AI-powered Podcast Player

Save insights by tapping your headphones, chat with episodes, discover the best highlights - and more!
App store bannerPlay store banner
Get the app