NDR Kultur - Das Gespräch

NDR Kultur
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Apr 5, 2026 • 26min

Mit Gott gegen die Demokratie - Arnd Henze im Gespräch

In den USA war das Christentum schon immer anders als in Europa. Bislang überwogen dort allerdings fromme und bibeltreue Evangelikale. Doch mit dem Aufstieg Donald Trumps hätten christliche Nationalisten die Vormachtstellung übernommen, sagt Arnd Henze, der selbst Theologe ist und lange für den WDR und die ARD in den USA gelebt und gearbeitet hat. Ultranationalistische Christen sagten dem modernen Gesellschafts- und Rollenbild einen radikalen Kampf an, forderten das Ende der Demokratie und predigten dazu Militanz. „Was wir im Moment erleben ist, dass das Evangelikale immer weiter zurücktritt und die Verknüpfung mit Verschwörungserzählungen, die Verknüpfung mit historischen Erzählungen von Endkämpfen, dazu geführt hat, dass aus der Bibel, die sie als Ganzes wörtlich nehmen, am Ende nur noch ein paar ganz ausgewählte Bibelstellen wie die apokalyptischen Kampfszenen, die ja ganz anders gemeint waren, übriggeblieben sind.“ Arnd Henze, Mitglied der EKD-Synode, erklärt im Gespräch mit Martina Kothe, warum uns der christliche Nationalismus alle angeht. Es bestehe, sagt Henze, die Gefahr einer „nationalistischen Internationalen“.
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Mar 29, 2026 • 26min

Mit Schwesternschaft Deutschland verändern: Tülin und Düzen Tekkal im Gespräch

Die Tekkal-Schwestern Tülin, Düzen, Tugba, Tuna und Tezcan sind allesamt keine "Freizeitaktivistinnen", sondern engagieren sich jeden Tag mit der Menschenrechtsorganisation HÁWAR.help und verschiedenen Sub- und Neben-Initiativen wie der Bildungsbewegung "German Dream" und dem Fußball-Empowerment-Projekt für Mädchen "Scoring Girls". Jetzt haben die gebürtigen Hannoveranerinnen auch noch ein gemeinsames Buch geschrieben. In "Wut und Wärme" erzählen sie, wie sie mit Schwesternschaft Deutschland verändern.Alexandra Friedrich hat mit Tülin und Düzen Tekkal darüber gesprochen, was Schwesternschaft bedeutet und ob wir alle "Schwestern" sein können. Es geht im Gespräch auch darum, wie es ist, mit einer elfköpfigen Familie in einer Vierzimmerwohnung in Hannover-Linden zu leben und warum jesidisch sein, automatisch bedeutet, politisch zu sein.
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Mar 22, 2026 • 26min

Odessa, Rom, Hamburg: Katerina Poladjan über Sehnsuchtsorte und das Erinnern

Im Gespräch mit Maren Ahring spricht die frisch gekürte Preisträgerin über die Tücken des Erinnerns und denen des Erzählens, über vergessene und gegenwärtige Sehnsuchtsorte, über das Konstrukt des Lebens und das Entwickeln einer Sprache dafür. Bewegt, authentisch, nahbar.
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Mar 15, 2026 • 26min

Der Raub der Werte von rechts - Gespräch mit Ruth Hoffmann

Es finde ein "Raubzug von rechts" statt, konstatiert die Historikerin und Journalistin Ruth Hoffmann nach ihrer akribischen Analyse von Wahl- und Grundsatzprogrammen der AfD, ihrer gründlichen Beschäftigung mit Veröffentlichungen, Reden und Posts von Rechtsaußen. Werte wie Nation, Freiheit, Familie, Demokratie und Widerstand, beschreibt sie in ihrem neuen Buch „Raubzug von rechts“, würden massiv umgedeutet und für die eigenen Zwecke missbraucht. Häufig unter bewusster Missachtung historischer Fakten. Im Gespräch mit Jürgen Deppe beschreibt Ruth Hoffmann, wie sich AfDler als aufrechte Widerständler gegen vermeintliche Machteliten und Missstände inszenierten und dazu Vorbilder wie Sophie Scholl, Graf von Stauffenberg und Dietrich Bonhoeffer instrumentalisierten. Wie sie sich in eine Tradition mit den deutschen Demokratiebewegungen von 1848 und 1989 stellten, obwohl sie im parlamentarischen Alltag die Demokratie mit allen Kräften torpedierten. Wie sie gesellschaftliche Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte zurückzuschrauben und etwa Familienpolitik zur "Bevölkerungspolitik" für ein ethnisch reines Volk umzumünzen versuchten.
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Mar 8, 2026 • 24min

Politik ohne Frauen - Historikerin Heike Specht im Gespräch

Noch in den 1970er-Jahren war Macht fest in männlicher Hand – und wer als Frau in diesen Kreisen mitmischen wollte, brauchte Nerven, Strategie und eine gute Portion Mut.Die Autorin und Historikerin Heike Specht beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, warum es so lange gedauert hat, bis Frauen politische Verantwortung übernehmen konnten - und was sie dafür aufgeben mussten. Nach mehreren Sachbüchern zum Thema hat sie nun ihren ersten Roman geschrieben: "Die Frau der Stunde". Darin erzählt sie von der ersten deutschen Außenministerin - einer fiktiven Figur, verortet in einer Zeit des Aufbruchs und der alten Machtspiele.Verena Gonsch spricht am Weltfrauentag mit Heike Specht darüber, wie Sexismus und männliche Dominanz die politische Kultur der 1970er-Jahre geprägt haben, welche Strategien Frauen damals entwickelt haben, um sich durchzusetzen - und warum sich manche dieser Mechanismen bis heute kaum verändert haben.
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Mar 1, 2026 • 26min

Die KI und der Tod - ein Gespräch mit Thomas Macho

Verändert KI unser Verhältnis zu Endlichkeit und Tod, wenn die digitale Identität das biologische Original überdauert? Ja, meint der Philosoph und Kulturwissenschaftler Thomas Macho. Aber jedes KI-generierte Nachleben sei zugleich eine Inszenierung Verstorbener und produziere deshalb metaphysischen Horror.Eine digitale Seele? Gibt es für ihn nicht. „Daran glaube ich keine Sekunde“. Dafür fehle der Künstlichen Intelligenz als körperloser Rechenleistung die physiologische Basis. „Mind the body“ empfiehlt Thomas Macho daher im Gespräch mit Dietrich Brants, wenn wir Potenziale der KI mit der Komplexität des Humanen vergleichen.
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Feb 22, 2026 • 26min

Zerstörungslust: Droht der "demokratische Faschismus"?

Ab März stehen in Deutschland für dieses Jahr fünf Landtags- und mehrere wichtige Kommunalwahlen an, unter anderem in Mecklenburg-Vorpommern. Beinahe überall wird mit einem starken Rechtsruck gerechnet. Zusammen mit ihrem Kollegen Oliver Nachtwey stellt die in Basel lehrende Soziologin Carolin Amlinger aufgrund fundierter, empirischer Sozialforschung fest: Trotz persönlich guter Lage neigen viele Menschen zu faschistischen Einstellungen. Es herrsche eine regelrechte "Zerstörungslust", die "Elemente eines demokratischen Faschismus" aufweise. Wie äußert sich die? Und warum ist das so? Im Gespräch mit Verena Gonsch äußert sich die 2025 zusammen mit Oliver Nachtwey mit dem "Geschwister-Scholl-Preis" ausgezeichnete Soziologin auch dazu, was gegen den Trend nach Ultrarechts getan werden kann.
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Feb 15, 2026 • 26min

Gerald Hüther: Unser Hirn hat reichlich ungenutztes Potenzial

Warum ticken wir so, wie wir sind? Was steckt noch in uns und was könnten wir noch alles erreichen? Das sind Fragen, die sich viele von uns schon einmal gestellt haben. Einer, der viel darüber weiß ist Gerald Hüther. Er zählt zu den renommiertesten Hirnforschern in Deutschland, war Berater für Politik und Wirtschaft und wird am 15. Februar 75 Jahre alt. Grund genug, mit ihm über die Kraft und Möglichkeit des menschlichen Gehirns zu sprechen - aber auch über seine Tücken.Im Gespräch mit Mathias Heller erläutert der Hirnforscher unter anderem, wie wichtig die menschlichen Grundbedürfnisse nach Verbundenheit und nach eigenen Entfaltungsmöglichkeiten sind. Zudem kritisiert der Forscher das bestehende Schulsystem und hält zeitgemäßen Unterricht, in dem die kindlichen Bedürfnisse nach Neugierde und Entdeckertum gefördert werden, für essenziell. Außerdem verrät der Hirnforscher, was ihn in seinem Alter noch antreibt und glücklich macht.
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Feb 8, 2026 • 27min

Christoph Bartmann: Der rechte Kampf um die Kultur

In rechten Kreisen herrsche die Überzeugung vor, dass Kultur den Schlüssel zur Eroberung der Köpfe liefere. Das sagt der frühere Leiter der Goethe Institute in Kopenhagen, Warschau und New York im Gespräch mit NDR Kultur. In seinem gerade erschienenen Buch „Attacke von rechts“ analysiert Christoph Bartmann, wie die Rechte bei ihren Attacken auf die Kultur vorgeht – und wie sich die Linke dagegen nicht anders zu wehren weiß als mit offenen Briefen, Boykotten, Ausladungen. Im Wahlprogramm der AfD werde der Kultur eine deutlich größere Bedeutung beigemessen als in den Programmen anderer Parteien: „Das ist ja beinahe schon ein Kompliment an die Kultur.“ Dabei gehe es aber nicht um Theater, Museen oder Buchmessen, sondern letztlich um einen groß angelegten Vibe Shift in der Gesellschaft, einen Kultur- und Wertewandel im großen Stil – möglicherweise einen entscheidenden im Superwahljahr 2026.
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Feb 1, 2026 • 26min

Julia Voss: "Die Frage, was natürlich ist, wurde zur Waffe"

Wer definiert, was als Natur gilt? Biologen, Theologen, Ideologen? Wer legt fest, was Natürlichkeit ist? Pädagogen, Psychologen, Demagogen? Woher kommt die typisch deutsche Natur-Romantik, jene Verklärung und Vereinnahmung der Natur? Und wie wurde gerade der Naturbegriff immer wieder politisch instrumentalisiert – bis hin zu den Rassegesetzen des NS-Staats? Das Deutsche Historische Museum beschäftigt sich in seiner aktuellen Ausstellung mit 800 Jahren „Natur und deutsche Geschichte: Glaube, Biologie, Macht“. Julia Voss, frühere Kunstkritikerin der FAZ und heutige Professorin an der Leuphana in Lüneburg, hat die Schau im Deutschen Historischen Museum in Berlin (noch bis zum 07.06.2026) kuratiert. Im Gespräch mit Dietrich Brants zeichnet sie nach, wie wechselvoll und ambivalent unser Verhältnis über die Jahrhunderte zur Natur war und immer noch ist.

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