ÄrzteTag

Ärzte Zeitung
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Jun 4, 2024 • 36min

Was passiert eigentlich, wenn iMVZ wirklich verboten werden, Frau Müller?

Die BMVZ-Chefin über die Pläne von Gesundheitsminister Lauterbach „Zum Schluss werden die verboten werden.“ – Die jüngsten Ankündigungen von Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach (SPD), Investoren-getragene Medizinische Versorgungszentren (iMVZ) verbieten zu wollen, haben wieder einmal für Aufregung in der Branche gesorgt. Allerdings nur kurz, da solche oder ähnliche Ankündigungen seit Weihnachten 2022 („Das letzte schöne Weihnachten für Investoren-geführte MVZ“) immer wieder gefallen sind, bisher allerdings ohne Auswirkungen auf Gesetzesvorhaben. Seitdem habe sich die Diskussion und vor allem die Rechtslage „keinen Millimeter bewegt“, sagt Susanne Müller, Geschäftsführerin des Bundesverbands Medizinische Versorgungszentren (BMVZ) im aktuellen „ÄrzteTag“-Podcast. Dennoch, so Müller, machten die ständig wiederholten Ankündigungen etwas mit der Branche: Rechtsanwälte würden eingeschaltet, um die Auswirkungen eines möglichen Verbots auszuloten, und Patientinnen und Patienten, die in einem iMVZ behandelt werden, würden durch die Äußerungen verunsichert. Es sei dem Minister offensichtlich ein Anliegen, gegen die investoren-getragenen MVZ vorzugehen, aber ebenso offensichtlich tue er sich schwer damit, Mehrheiten in der Koalition zu organisieren, so die Einschätzung Müllers. Die Argumente in der Diskussion seien seit dem Ladurner-Gutachten von 2019 mehrfach ausgetauscht worden. Sicher sei, dass die Entwicklung der MVZ als Versorgungsform nicht mehr zurückgedreht werden könne. Im Podcast wagt Müller einen Blick in die Glaskugel, inwieweit über Änderungsanträge im Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG) vielleicht doch noch ein Verbot kommen könnte und wie die Erwartungen in der Branche zu einem möglichen Bestandsschutz im Falle des Falles sind. „Können wir uns das leisten, Akteure, die noch Lust haben, ambulante Versorgung zu gestalten, aus der Versorgung rauszudrängen?“ fragt Müller. Ihre Antwort im Gespräch: „Nein, das können wir nicht.“ Die BMVZ-Geschäftsführerin legt aber zugleich den Finger in die Wunde, wenn es um Vertragsärztinnen und -ärzte als Träger von MVZ gehe. Ihnen werde das Leben unnötig schwer gemacht, weil sie nach Aufgabe ihrer Tätigkeit als Vertragsärzte nicht mehr MVZ-Träger sein könnten. Im Gespräch erläutert Müller, wie sie sich einen „Übergabepragmatismus“ vorstellen könnte und was der Gesetzgeber tun müsste, um die Lage für Vertragsärzte zu verbessern.
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May 24, 2024 • 23min

Wie sagt man seinem Kind, dass man Krebs hat, Dr. Wagner?

Der Vorsitzender der Saarländischen Krebsgesellschaft über das Projekt Regenbogen Das Thema Krebs bei jüngeren Menschen ist erst kürzlich wieder in den Fokus der Berichterstattung gerückt, als Prinzessin Kate vom britischen Königshaus ihre Krebserkrankungen öffentlich gemacht hat. Sie ist Mutter dreier kleiner Kinder. Das gleiche Schicksal betrifft unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit tagtäglich sehr viele Kinder: „Laut Schätzung des Robert Koch-Instituts erleben jährlich etwa 50.000 Kinder unter 18 Jahren, dass eines der Elternteile an Krebs erkrankt ist“, sagt Dr. Steffen Wagner, Frauenarzt und Gynäkologischer Onkologe aus Saarbrücken und Vorsitzender der Saarländischen Krebsgesellschaft, im „ÄrzteTag“-Podcast. Eine solche Diagnose trifft nicht nur den Patienten oder die Patientin selbst hart, sondern auch die Angehörigen. Viele Betroffene stehen vor der Frage, wie – oder ob überhaupt – sie ihren Kindern ihre Erkrankung erklären sollen. Im normalen ärztlichen Alltag bleibt für eine umfassende Beratung und Unterstützung, die alle Familienmitglieder mit einbezieht, meist keine Zeit. Dabei ist genau das extrem wichtig, betont Dr. Wagner: Die psychischen Folgen für Kinder und Jugendliche können gravierend sein. Genau da setzt das Projekt Regenbogen der Saarländischen Krebsgesellschaft an, das 2019 ins Leben gerufen wurde. Die Unterstützung umfasst zum einen psychoonkologische und sozialrechtliche Beratungen für die Familien, zum anderen gemeinsame Aktivitäten und Ausflüge für die Kinder, um ihnen eine „Auszeit vom Krebs“ zu ermöglichen und zu zeigen, dass sie nicht alleine sind mit ihren Sorgen und Ängsten. Im vergangenen Herbst ist das rein spendenfinanzierte Projekt mit dem 2. Platz beim Springer Medizin Charity Award gewürdigt worden.
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May 21, 2024 • 46min

Wollen Sie wirklich ein Verbot der Homöopathie für ärztliche Kollegen, Dr. Hanefeld?

Der Antragsteller beim Deutschen Ärztetag erklärt seine Intention Die Wogen der Diskussion schlugen in Mainz beim 128. Deutschen Ärztetag hoch, bevor der Beschluss fiel: Die Delegierten entschieden mit 117 zu 97 Stimmen unter anderem, dass die Ärzteschaft den Gesetzgeber auffordert „Maßnahmen zu ergreifen, dass Homöopathie weder als Kassenleistung zur Abrechnung kommen kann noch als Entität mit Sonderstatus in der Gebührenordnung für Ärzte Erwähnung findet“. Unter anderem hatten Delegierte in der Diskussion befürchtet, durch den Beschluss komme es in der Konsequenz zu einem Berufsverbot für homöopathisch tätige Ärztinnen und Ärzte. Im „ÄrzteTag“-Podcast nimmt Dr. Marc Hanefeld, der in Mainz den Antrag zusammen mit einer Reihe anderer Delegierter aus mehreren Landesärztekammern gestellt hatte, Stellung dazu, worum es ihm tatsächlich geht und warum er als Konsequenz des Antrags nicht sieht, dass die Ausübung von Homöopathie Ärztinnen und Ärzten verboten sein könnte. Im Gespräch erläutert der Facharzt für Allgemeinmedizin und Facharzt für Anästhesiologie aus Bremervörde, was er jetzt vom Gesetzgeber und was von der Bundesärztekammer als Konsequenz des Beschlusses erwartet. Er geht auch darauf ein, wie er sich die Weiterentwicklung der GOÄ vorstellen könnte, damit die Sonderstellung mit zwei eigenen GOÄ-Positionen für die homöopathische Erst- und für die Folgeanamnese beendet wird. Und er begründet, warum er der Homöopathie trotz neuer Metaanalysen die Wissenschaftlichkeit weiterhin abspricht und wieso in seinen Augen Homöopathie viel mit der früher so weit verbreiteten eminenzbasierten Medizin zu tun hat. Nicht zuletzt sieht Hanefeld durchaus Möglichkeiten, Gegner und Befürworter der Homöopathie zusammenkommen – wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. (Länge: 46:01 Minuten)
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May 17, 2024 • 34min

Wird aktuell zu stark an der Kostenschraube im Labor gedreht, Dr. Müller?

Der ALM-Vorstandsvorsitzender Dr. Michael Müller spricht über den Honorarbeschluss Ambulantisierung, älter werdende Bevölkerung, damit einhergehende steigende Morbidität, neue Möglichkeiten der Diagnostik, etwa in der Molekulargenetik: Die Leistungsanforderungen an die medizinischen Fachlabore steigen, aber das Honorar hält nicht mit, im Gegenteil. Auf neun Prozent schätzt Dr. Michael Müller, Vorstandsvorsitzender der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e. V.), die Einbußen bei der Kostenerstattung, die durch die zum 1. Januar 2025 vorgesehenen Änderungen im vertragsärztlichen Labor den Laborärzten insgesamt entstehen würden. Beschlossen hat die Änderungen der Bewertungsausschuss von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband. Die Laborärzte werfen der KBV vor, die vertragsärztlichen Interessen nicht gut vertreten zu haben. Dabei gebe es „Licht und Schatten“ in dem Beschluss räumt Michael Müller im Gespräch ein: Das gelte zum Beispiel für die Anhebung der Grundpauschale und die Änderungen bei den Transportkosten zurück auf den Stand von früher, aber auch für die Zuschläge für die Bereitstellung von Entnahmematerial. Die Laborärzte sähen auch durchaus Anpassungsbedarf bei der einen oder anderen Laborleistung, mit der ein Teil der Maßnahmen gegenfinanziert werden könnten. „Aber es ist nicht richtig, Kostensenkungen vom Blutbild bis zur Corona-PCR vorzunehmen.“ Tatsächlich soll das Honorar fürs Blutbild von 1,10 auf 1,07 Cent abgesenkt werden (GOP 32122), für die Corona-PCR (GOP 32816) soll es in Zukunft statt 19,90 Euro noch 18,31 Euro geben. So werden nach dem Beschluss die meisten Leistungen im Honorar abgesenkt. Die Darstellung der KBV, dass mit der Absenkung der Honorare nur die Transportkostenanteile der Leistung herausgerechnet werde, sei nicht zutreffend, so Müller. Im Podcast spricht der ALM-Vorsitzende über den fortschreitenden Konzentrationsprozess in der Labormedizin und über die Gefahren für eine flächendeckende Abdeckung beim Abholen der Laborproben. Nicht zuletzt erläutert er, wieso die Digitalisierung im Labor zwar die Prozesse verschlankt, aber für die Labore am Ende doch durch die Bereitstellung der erforderlichen Software kostensteigernd wirken könnte und wie die Labore im Verteilungskampf bei den Beschlüssen zum Honorarverteilungsmaßstab in den KV-Vertreterversammlungen bestehen können.
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May 15, 2024 • 52min

Werden Sie mit der klassischen Homöopathie reich, Dr. de Laporte?

Dr. Jürgen de Laporte erklärt, wieso er die Homöopathie-Debatte eher als Bashing wahrnimmt Der lauteste Paukenschlag unter den Beschlüssen des 128. Deutschen Ärztetages in Mainz war mit Sicherheit der, die Sonderstellung der Homöopathie in der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) zu beenden, beziehungsweise dieses vom Verordnungsgeber zu fordern. Was würde geschehen, wenn die GOÄ-Nummern 30 und 31 aus der Gebührenordnung gestrichen werden? Im „ÄrzteTag“-Podcast diskutiert Dr. Jürgen de Laporte, Hausarzt in Esslingen und einer der eifrigsten Protagonisten für die Homöopathie in der Diskussion beim Ärztetag, die Folgen der Entscheidung in Mainz. Im Gespräch versucht de Laporte, der auch Präsident der Bezirksärztekammer Nord-Württemberg ist, den Ursachen für den Streit um die Homöopathie auf den Grund zu gehen, und macht Vorschläge, wie Homöopathen und die Gegner der Homöopathie wieder zusammenkommen könnten. Er erläutert, in welchen Fällen die Homöopathie aktuell auf Kassenkosten erbracht werden kann, und er erklärt, wie er in der Privatmedizin bei einer homöopathischen Erstanamnese vorgeht und warum er in einer 90-minütigen Sitzung, die er dann mit der GOÄ-Nr. 30 (120,65 Euro zum 2,3-fachen Satz, einmal im Jahr) abrechnet, selbst bei erhöhtem Faktor eben nicht reich werden kann. „Homöopathie ist mehr als die Gabe von Globuli“ Auch zu den Möglichkeiten und Grenzen, die Wirksamkeit der Homöopathie nachzuweisen, äußert sich de Laporte. Er geht dabei auf die aktuelle Studienlage ein und beschreibt eine Möglichkeit, wie auch in dieser alternativen Therapierichtung doppelblinde Fallkontroll-Studien durchgeführt werden können. Vor allem aber wehrt sich der Hausarzt dagegen, die Homöopathie auf die Gabe von Globuli zu reduzieren. Er sieht im hektischen Praxisbetrieb auch nicht für jeden Patienten eine schnelle Möglichkeit, Homöopathika einzusetzen. Aber für komplexe Patienten mit einem langjährigen Beschwerdebild biete diese alternative Therapie in der Vielfalt der Methoden, auf die Ärztinnen und Ärzte zurückgreifen, so wie die Psychotherapie in manchen Fällen, eine zusätzliche Möglichkeit zu helfen.
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May 10, 2024 • 14min

Wann sind Medien fair, Hans-Albert Gehle?

Und warum sind manche Ärztetags-Beschlüsse schwierig? Mittwoch beim 128. Deutschen Ärztetag: Antrag IIIc-13 fordert die Etablierung von Train-the-Trainer-Seminaren durch die Landesärztekammern für alle Weiterbildungsbefugten ab 2025 gefordert. Westfalen-Lippes Kammerchef Dr. Hans-Albert Gehle warnt vor großen Problemen bei der Umsetzung. Der Antrag wird abgelehnt. Donnerstag, 18 Uhr, beim 128. Deutschen Ärztetag: Für die Tagungsausgabe der Ärzte Zeitung für Freitag schreibt der Chefredakteur einen bissigen Leitartikel über die Wirkung des Deutschen Ärztetags. Eines von mehreren Beispielen ist der oben genannte abgelehnte Antrag. Tenor: Inkonsequenz. Erst moniere der Ärztetag den Nachwuchsmangel, dann aber bescheide er nicht konkret helfende Anträge, Weiterbildung zu verbessern. Wie gesagt, nur eines von mehreren Beispielen. Freitagmorgen beim 128. Deutschen Ärztetag: Die Kongressausgabe der Ärzte Zeitung wird bei den Delegierten ausgelegt. Kurz nach neun wird Antrag IIIc-20 mit großer Mehrheit verabschiedet. Er fordert die Etablierung von Train-the-Trainer-Seminaren durch die Landesärztekammern für alle Weiterbildungsbefugten, nur eben nicht versehen mit einem Stichtag, lässt den Kammern also Spielraum zur Umsetzung. Freitagmittag beim 128. Deutschen Ärztetag: Hans-Albert Gehle ist empört über den Kommentar der Ärzte Zeitung. Also reden wir miteinander. Im Gespräch erklärt er, dass eine Fristsetzung, die Seminare ab 2025 umzusetzen, die Kammern vor rechtliche Probleme gestellt hätte. „Wenn wir etwas verpflichtend in eine Ordnung hineinschreiben wollen, müssen wir das über die Heilberufekammergesetze in die Weiterbildungsordnung der Länder bringen“, erklärte er. Ansonsten riskierten die Kammern Klagen. Dieser Prozess könne mehrere Jahre dauern und müsse mit den Landesministerien akkordiert werden. Für Gehle ist das Verfahren um den Beschluss gerade beispielhaft für eine parlamentarische Debatte, die manchmal halt „nicht so einfach ist“. Im Gespräch betont Gehle die Bedeutung kritischer Medien für eine funktionierende Demokratie. Er äußert aber auch die Sorge, dass einzelne Aussagen aus dem Kontext gerissen und für politische Zwecke instrumentalisiert werden könnten. „Manchmal sollte man erst noch einmal sprechen, bevor man mit einer Äußerung an die Öffentlichkeit geht“, mahnte er in Richtung der Presse. Trotz mancher Differenzen: „Kritisch bleiben, kritisch berichten und uns vorantreiben – das wünsche ich mir.“
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May 10, 2024 • 8min

„Kinder sind wehrlos“ – Ärztetag will Schutz von Kinderrechten im Krieg

BVKJ-Präsident Dr. Michael Hubmann Der 128. Deutsche Ärztetag hat am Freitagnachmittag in Mainz hat einen besseren „Schutz der Kinder und ihrer Rechte im Krieg“ gefordert (Ic - 99). Eingebracht wurde der Antrag von Dr. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ), und Kollegen. Irritierend: In der thematisch sortierten Antragsberatung am Freitag wurde er zunächst unter „Weiteres“ eingeordnet und zunächst nicht unter „Menschenrechte“. Erst nach einem Geschäftsordnungsantrag wurde er umsortiert. „Wir wollten als Kinder- und Jugendärzte den Fokus auf die Rechte und Sorgen der Kinder legen“, sagt Hubmann im „ÄrzteTag vor Ort“-Podcast. „Die Genfer Menschenrechtskonvention besteht oft nur noch auf dem Papier. Wenn jemand überhaupt keine Chance hat, sich zu wehren, dann sind es die Kinder.“ Der Deutsche Ärztetag appelliert an die internationale Gemeinschaft, stärker zusammenzuarbeiten. Hubmann betont im Gespräch die Notwendigkeit, auf die aktuellen Missstände aufmerksam zu machen: „Die Mehrzahl der Gesundheitseinrichtungen in der Ukraine wurde im letzten halben Jahr attackiert.“ Und was können Ärztinnen und Ärzte konkret für den Schutz von Kinderrechten tun? Hubmann: „Unsere Sprechstunde ist zwar ein Ort für medizinische Beratung, aber unsere Patientinnen hören auch auf unseren Rat. Jeder von uns muss dafür eintreten, muss vielleicht auch mal aufstehen, wenn eine Situation im Alltag erlebt wird, die unangemessen ist.“ Und: „Es ist wie beim Klimaschutz: Lieber viele kleine Schritte als viele Menschen, die keine Schritte machen. Jeder Einzelne kann etwas tun.“
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May 10, 2024 • 15min

Was können Sie gegen die tägliche Bürokratielast tun, Dr. Bürger?

Ärztetag-Delegierter Dr. Hans-Otto Bürger spricht über seinen Antrag zum Bürokratieabbau Warum muss ein seit vielen Jahren chronisch Kranker für seine Krankenkasse in jedem Jahr eine neue Bescheinigung vorlegen, die von seinem Arzt oder seiner Ärztin ausgestellt wird? Und warum braucht ein Hausarzt eine Genehmigung seiner KV, damit er einen Antrag auf Außerklinische Intensivpflege stellen darf? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Dr. Hans-Otto Bürger aus Vogt in Süd-Württemberg seit Jahren. Der Delegierte beim 128. Deutschen Ärztetag in Mainz hat deshalb auch einen Antrag zum Bürokratieabbau eingebracht, über den am letzten Tag der Veranstaltung entschieden werden soll. Bürokratieabbau im Gesundheitswesen, „damit die Arbeit wieder auf die Menschen fokussiert werden kann“ – so lautet die Forderung im Antrag. Im „ÄrzteTag vor Ort“-Podcast vom Deutschen Ärztetag in Mainz schätzt Bürger die Belastung seiner ärztlichen Tätigkeit mit Verwaltungstätigkeiten auf etwa 30 Prozent. In konkreten Beispielen erläutert der hausärztliche Internist, wie viel davon unnütz ist. Bürger macht sich keine Illusionen darüber, dass der Antrag allein die Tendenz ändern könnte, nach der alle einen Bürokratieabbau fordern, selbst die Bundesregierung, dass am Ende aber nichts herauskommt. Im Podcast erklärt er, warum er trotzdem Optimist bleibt und was ein einwöchiges Praktikum des Bundesgesundheitsministers in seiner Praxis bringen könnte. Karl Lauterbach sei jedenfalls herzlich eingeladen, betont Bürger.
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May 9, 2024 • 14min

Umfrage unter DÄT-Delegierten: Wie erfahren Sie Rassismus und Diskriminierung im klinischen Alltag?

Was Ärztinnen und Ärzte im Alltag gegen Ausgrenzung tun Die Botschaft ist klar: Rassismus und Diskriminierung haben in der Ärzteschaft keinen Platz. Hierzu hat der 128. Deutsche Ärztetag in Mainz eine Resolution pro Demokratie, Pluralismus und Menschenrechte verabschiedet. Neben der gesamtgesellschaftlichen Ebene geht es dabei auch darum, Diskriminierung im Alltag entgegenzuwirken, im täglichen Umgang mit Patienten und im Gesundheitswesen insgesamt. Delegierte verraten in unserer Podcast-Umfrage, welche Erfahrungen mit Diskriminierung sie bereits gemacht haben und was sie gegen verschiedene Formen der Ausgrenzung tun. Diskriminierung fange schon bei kleinen Dingen an. Am Beispiel Alltagsrassismus betont Matthias Marschner, Internist und Kardiologe und Delegierter der Ärztekammer Berlin, „dass ganz viele gar nicht wissen, dass sie rassistisch sind“, indem sie zum Beispiel dunkelhäutige in Deutschland lebende Menschen nach deren Herkunft fragen oder sie überrascht sind, wenn sie die deutsche Sprache beherrschen. Aber auch Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung, des Glaubens oder des Geschlechts finde immer wieder im klinischen Alltag statt. „Als junge Frau in einem chirurgischen Fach braucht man manchmal einen breiten Rücken“, bedauert die Orthopädin und Unfallchirurgin Dr. Kathrin Schawjinski von der Ärztekammer Hamburg. Die Delegierten sind sich einig: Als Arzt oder Ärztin sei eine Sensibilisierung für diese Themen nötig, am besten schon im Studium. Es müsse Haltung gezeigt und Themen aktiv angesprochen werden, auch wenn es mal ungemütlich werde. Es dürfe nicht weggeguckt werden, ebenso dürften kleinere Bemerkungen nicht bagatellisiert und unter den Teppich gekehrt werden. „Die Nulltoleranz ist das wirksamste Mittel“, findet Professor Jörg Weimann, Anästhesist und Intensivmediziner und Delegierte der Ärztekammer Berlin. Auch der Ausbau von Beratungsstellen für Betroffene und das Einbinden des Betriebsrates werden von den Delegierten gefordert.
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May 8, 2024 • 4min

Wie steht es um Rassismus im US-Gesundheitswesen, AMA-Präsident Ehrenfeld?

Jesse Ehrenfeld, MD, MPH, von der American Medical Association Jesse Ehrenfeld ist Vater von zwei Söhnen, jüdischer Veteran, Professor für Anästhesiologie am Medical College of Wisconsin und der erste offen schwule Präsident der American Medical Association (AMA). Beim 128. Deutschen Ärztetag am Mittwoch in Mainz dankte er den Delegierten für die einstimmig verabschiedete Resolution für Demokratie, Pluralismus und Menschenrechte. Im „ÄrzteTag vor Ort“-Podcast sagt er, dass Ausgrenzung ein weltweites Problem ist. Sorge bereitet ihm der wachsende Antisemitismus. Er beklagt Bestrebungen in den USA, medizinischen Fachkräften das Recht einzuräumen, aufgrund religiöser Überzeugungen bestimmte Patienten abzulehnen. Die AMA lehnt das entschieden ab, sagt er. Ehrenfeld empfiehlt gemeinsame Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft, um die medizinethischen Kodizes einzuhalten.

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