

ÄrzteTag
Ärzte Zeitung
ÄrzteTag - der Podcast der "Ärzte Zeitung". Wir blicken kommentierend und persönlich auf den Tag, wichtige Ereignisse und Meilensteine. Wir laden Gäste ein, mit denen wir über aktuelle Ereignisse aus Medizin, Gesundheitspolitik, Versorgungsforschung und dem ärztlichen Berufsalltag reden.
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Aug 16, 2024 • 20min
Sind die Sorgen um die Sozialversicherungspflicht im Bereitschaftsdienst nun vom Tisch, Dr. Hofmeister?
Was erfüllt sein muss, damit Poolärzte im Notdienst nicht der Sozialversicherungspflicht unterliegen
Endlich herrscht Klarheit darüber, welche Bedingungen Vertrags- sowie Poolärztinnen und -ärzte erfüllen müssen, damit ihre Tätigkeit im Notfalldienst bei Statusprüfungen als selbstständig gewertet wird und nicht der Sozialversicherungspflicht unterliegt. Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister die Hintergründe der Einigung zwischen Bundesarbeits- und -gesundheitsministerium sowie der KBV und den Kassenärztlichen Vereinigungen. Mit einem Schreiben vom 15. August hatten GKV-Spitzenverband und Deutsche Rentenversicherung Bund ihr Plazet zu dieser Vereinbarung gegeben.
Hofmeister begrüßt vor allem die Möglichkeit für KVen, Vertragsärztinnen und -ärzten eine Sicherstellungspauschale zahlen zu können, damit auch Notdienste mit niedriger Frequenz von Patienten besetzt werden können. Denn zukünftig sollen Leistungen nur noch nach EBM abgerechnet werden dürfen, zudem sollen Vertragsärzte ein Nutzungsentgelt entrichten, wenn den Dienst in einer KV-Einrichtung leisten.
Die Altfälle, die aktuell von den Rentenversicherern geprüft werden, blieben offen, räumt Hofmeister ein, doch sei dies eine „beherrschbare Größenordnung“, sagt er im Gespräch. Mit welcher Elle diese Altfälle jetzt bemessen werden sollen, wie der Gesetzgeber nach der Vereinbarung noch tätig werden muss und warum die Notfallreform für die zukünftige Beanspruchung des Systems durch Patienten und für deren Steuerung auf die richtige Versorgungsebene wichtig ist: Dazu gibt Hofmeister im „ÄrzteTag“-Podcast Auskunft.

Aug 14, 2024 • 35min
Was können Ärzte und MFA tun, um Gewalt in der Praxis vorzubeugen, Professor Löhr?
Ein Professor für psychiatrische Pflege über Lösungen
Das Thema Gewalt in Praxen und Kliniken soll der Gesetzgeber aufgreifen und härtere Strafen für Aggressoren ermöglichen. Das hat der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in dieser Woche gefordert und damit offenbar einen Nerv getroffen. Die Berichterstattung zum Thema Gewalt in Arztpraxen und Kliniken in Publikumsmedien war breit und ausführlich, Landesärztekammern reagierten und auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach sagte eine Prüfung zu, auch Gewalt in Praxen mit in eine geplante Gesetzesänderung zur Strafverschärfung aufzunehmen.
Tatsächlich hätten Gewaltereignisse auch in Gesundheitseinrichtungen zugenommen, und vor allem habe sich die Wahrnehmung von Gewalt gewandelt, sagt Professor Michael Löhr, Honorarprofessor für psychiatrische Pflege an der Fachhochschule für Diakonie und Pflegedirektor am LWL-Klinikum in Gütersloh, im „ÄrzteTag“-Podcast.
Er gibt zu bedenken, dass die Aggressionen von Patientinnen und Patienten nicht nur von ihnen selbst ausgehen, sondern dass auch die äußeren Umstände eine wichtige Rolle dabei spielten, wenn Patientinnen oder Patienten in einer Praxis oder einer Notaufnahme gewalttätig werden, zum Beispiel räumliche Enge, lange Wartezeiten, kulturelle Unterschiede, ein unflexibles Regelungsgerüst oder auch eine schlechte Kommunikation.
Schon vor 30 bis 40 Jahren habe die Forschung in der Psychiatrie begonnen, um Möglichkeiten herauszufinden, wie die Gewaltbereitschaft bei Patientinnen und Patienten gesenkt werden könne. Dabei habe sich auch gezeigt: „Auch wir Pfleger oder Ärzte können zu einem Teil der Gewaltspirale werden, wir müssen daher präventiv vorgehen“, so Löhr. (Dauer: 34:31 Minuten)

Aug 12, 2024 • 36min
Wie hilft Ihr Seniorennetzwerk älteren Menschen, länger selbstständig zu bleiben?
So funktioniert das Seniorennetzwerk Schwäbisch Gmünd
Wenn ganz normale Dinge des Alltags im Alter plötzlich etwas schwerer fallen, es aber an Unterstützungsangeboten mangelt, dann bleibt häufig doch nur noch der Umzug ins Pflegeheim. Auch wenn das gesundheitlich vielleicht noch gar nicht unbedingt sein müsste und viele ältere Menschen den Wunsch haben, möglichst lang eigenständig in der gewohnten Umgebung leben zu können.
Pflegeplätze sind ohnehin ein knappes Gut und der demografische Wandel wird dieses Problem in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Gefragt sind also Ideen für eine alternde Gesellschaft, von der letztlich alle profitieren: die Seniorinnen und Senioren selbst, das Gesundheitssystem und die Gesellschaft.
Im baden-württembergischen Schwäbisch Gmünd gibt es ein solches Konzept bereits seit 2011. Das „Seniorennetzwerk“ bietet Besuchsdienste, Alltagshilfen, Fahrdienste, Mittagstische, Telefonseelsorge, Gesprächskreise und viele weitere Projekte an, bei dem sich Generationen begegnen, voneinander lernen und profitieren.
„Insgesamt besteht das Seniorennetzwerk aus 14 Bausteinen, die darauf abzielen, die Lebensqualität der älteren Menschen zu verbessern und ein selbstbestimmtes Leben in einer vertrauten Umgebung zu ermöglichen“, sagt Gesamtkoordinatorin Karolina Gorjainow.
Möglich wird das durch eine in dieser Form wohl beispiellose Zusammenarbeit aus Stadtverwaltung, Koordinierungsstelle, Hospitalstiftung Zum Heiligen Geist, professionellen Anbietern, sozialen Dienstleistungen und Ehrenamtlichen. Im vergangenen Herbst hat das „Seniorennetzwerk" den 3. Platz beim Springer Medizin Charity Award belegt.
Im Gespräch geben die vier Akteure Einblicke in die weit verzweigten Strukturen des Netzwerks, erläutern seine finanzielle Basis und machen anderen Kommunen Mut, Seniorenarbeit neu zu denken. Außerdem blicken sie in die Zukunft und schildern, wie sie selbst später mal alt werden möchten.

Aug 6, 2024 • 7min
Jörg auf der Humanity 1: 60 Gerettete – und ein MedEvac
Tagebuch eines AiW als Seenotretter
Donnerstag, 1. August 2024. Das Seenotrettungsschiff Humanity 1 ist kaum im Mittelmeer unterwegs, schon hat es seinen ersten Rettungseinsatz: 60 Menschen in Seenot rettet das Team in internationalen Gewässern nördlich der libyschen Küste. Mit im Einsatz ist Jörg Schmid, in der Weiterbildung zur Allgemeinmedizin und auf dem Schiff als Arzt im Care Team. Die italienischen Behörden weisen der Humanity 1 den Hafen von Civitavecchia, nördlich von Rom zu.
Samstag, 3. August 2024. Am Morgen findet Jörg Zeit, über seinen ersten Einsatz nachzudenken und für sein Tagebuch zu berichten. Einen Tag später, am Sonntag, nach gut dreieinhalb Tagen Fahrt, wird das Schiff in Civitavecchia eintreffen und die Geretteten ausschiffen können.
Mehr auf https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Seenotrettungsmission

Aug 5, 2024 • 18min
Testosteronmangel erkennen und behandeln!
Gesponsert von Besins Healthcare
Testosteron beeinflusst in der Jugend die Ausbildung der Sexualorgane, aber auch den männlichen Körperbau und weitere männliche Körpermerkmale, wie zum Beispiel eine tiefe Stimme. Aber auch auf die Psyche und Stimmung hat Testosteron einen Einfluss. Im Laufe des Lebens kann es jedoch vorkommen, dass der Testosteronspiegel im Blut abnimmt. Davon können auch schon Männer ab 40 betroffen sein. Ursache sind dann häufig Begleiterkrankungen wie Übergewicht oder Adipositas, Hypertonus oder Diabetes mellitus Typ 2. Für die Betroffenen kann es dann zu physiologischen, aber auch psychischen Problemen kommen, die sich mitunter sogar gegenseitig verstärken.
Prof. Michael Zitzmann erklärt im Podcast wie man diesen Teufelskreis durchbricht, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und was dabei beachtet werden muss. Er ist Oberarzt in der Andrologie am Uniklinikum Münster und Experte für die Behandlung von Testosteronmangel.
Bildunterschrift:
Prof. Dr. Zitzmann ist Oberarzt in der Andrologie am Uniklinikum Münster und Experte für die Behandlung von Testosteronmangel.
Copyright:
© Wilfried Gerharz
Impressum
Testosteronmangel erkennen und behandeln!
Podcast
Moderation: Caroline Ring, Berlin
Mit freundlicher Unterstützung der Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Corporate Publishing (verantwortlich i.S.v. § 18 Abs. 2 MStV):
Ulrike Hafner, Europaplatz 3, 69115 Heidelberg
Redaktion: Dr. Andreas Strehl
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Tel: +49 (0) 61 02 / 506 – 0
E-Mail: info@aerztezeitung.de
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Aug 1, 2024 • 21min
Wie kann Künstliche Intelligenz Hausarztpraxen schon jetzt entlasten, Dr. Spöhrer?
Über die Möglichkeiten und Einsatzfelder von KI in Hausarztpraxen
Die Anforderungen an Ärztinnen und Ärzte, sauber zu dokumentieren, werden immer höher, die Zeit dafür aber immer knapper. Künstliche Intelligenz (KI), übernehmen Sie!?
Ganz so weit ist es noch nicht, glaubt Dr. Kristina Spöhrer, Hausärztin in Winsen an der Luhe und Mitglied im Bundesvorstand des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands. Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Spöhrer, die mit der Arbeitsgruppe Digitales im Verband ein Positionspapier „KI in der Hausarztpraxis“ erarbeitet hat, die Einsatzfelder, in denen Künstliche Intelligenz jetzt schon Praxisteams entlasten kann – und wo bisher noch die Grenzen liegen.
Bei der Dokumentation eines Ärztinnen-Patienten-Gesprächs jedenfalls stößt die KI nach den Erkenntnissen Spöhrers noch an Grenzen, zumindest dann, wenn es darum geht, aus einem transkribierten Gespräch eine strukturierte Dokumentation zu erstellen, wie sie in der Regel in der elektronischen Kartei der Praxissoftware geführt wird.
Es sei bereits häufig geunkt worden, Ärztinnen und Ärzte würden am Ende durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden, doch das sehe sie noch lange nicht – und dann würde für Patientinnen und Patienten viel verloren gehen, sagt die Hausärztin.
Weitere Einsatzfelder für KI sieht Spöhrer dort, wo es darum geht, in großen Datenmengen Muster zu erkennen, zum Beispiel in der Diagnostik seltener Erkrankungen oder bei der Analyse von Langzeit-EKG. KI biete allein schon deshalb Vorteile, weil sie anders als Menschen bei der Datenauswertung keine Ermüdungserscheinungen zeige.
Im Gespräch führt Spöhrer weiter aus, wie KI über Patienten in der Praxis aufschlägt, etwa bei der Verwendung von Smart Watches, warum es immer transparent sein muss, wenn KI in der Praxis im Einsatz ist, und wieso Schnittstellen der Anwendungen zu den Praxisverwaltungssystemen unabdingbar sind. Denn auch in der Praxisorganisation, etwa bei der Terminvereinbarung, könne Künstliche Intelligenz bereits eine Hilfe sein und etwa einen Teil der Telefonarbeit des Praxisteams abnehmen.
Manche Hersteller böten hier mit Chatbots bereits ziemlich ausgefeilte Lösungen an, und je besser diese integriert seien und je weniger Brüche es dabei gebe, desto größer sei die Hilfe in der Praxisorganisation.

Jul 31, 2024 • 6min
Jörg auf der Humanity 1: Look-outs, Sterne und MANV
Tagebuch eines AiW als Seenotretter
Montag, 29. Juli 2024. Das Seenotrettungsschiff Humanity 1 kreuzt im Mittelmeer. Das Team übt für den Einsatz, der in den nächsten Tagen beginnt. Jörg Schmid, auf dem Schiff als Arzt im Care Team, berichtet in seinem Tagebuch.
Jörgs Tagebuch findet ihr hier: https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Seenotrettungsmission

Jul 29, 2024 • 23min
Als Arzt Seenotretter im Mittelmeer – wie geht das, Jörg Schmid?
Vor dem Einsatz der Humanity 1
60 Meter lang, maximal 10 Knoten Fahrt, 29 Crew-Mitglieder an Bord: Das Seenotrettungsschiff Humanity 1 der Hilfsorganisation SOS Humanity kreuzt im Mittelmeer. Ab dieser Woche beginnt ihr nächster Einsatz. Ihr Auftrag: Menschen aus Seenot retten, insbesondere jene, die auf der Flucht durchs Mittelmeer kentern. Ihre Mission: retten, schützen, bezeugen und verändern. Es ist auch eine politische Mission. Auf der Website schreibt die Organisation, dass sie auch „die Folgen der menschenverachtenden Politik der EU“ dokumentiert.
Mit an Bord und als Arzt Teil des Care Teams ist Jörg Schmid. Er hat in Tübingen Humanmedizin studiert und absolviert seit 2021 seine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, weil er „den Menschen als Ganzes sehen will“, wie er in dieser Podcast-Episode erzählt. In seinem LinkedIn-Profil nennt er sich auch „Activist“, engagiert bei Health for Future, KLUG – und SOS Humanity. Es ist sein erster Einsatz an Bord des Rettungsschiffs.
In diesem Gespräch erzählt Jörg Schmid, was ihn zu diesem Ehrenamt gebracht hat und was in den kommenden Wochen vor der Schiffsbesatzung liegen wird. Er erzählt, wie die medizinische Versorgung an Bord abläuft und auf welche besonderen Krankheitsbilder das Team eingestellt ist. (22:41 Minuten)

Jul 25, 2024 • 31min
Wie läuft‘s inzwischen mit Cannabis auf Kassenrezept, Professor Gottschling?
Ein Erfahrungsbericht aus der ärztlichen Praxis
Beim Cannabis auf Kassenrezept scheiden sich nach wie vor die Geister zwischen Ärztinnen und Ärzten auf der einen und Krankenkassen auf der anderen Seite. „Die Kassen wehren sich nach wie vor mit allem, was sie haben“, berichtet Professor Sven Gottschling, Chefarzt am Zentrum für altersübergreifende Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie am Universitätsklinikum des Saarlandes, im „ÄrzteTag“-Podcast.
An der Situation habe auch der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vor gut 15 Monaten grundsätzlich nichts geändert, der unter anderem Hausärzten weiterhin erlaubte, Cannabis auf Kassenrezept zu verordnen und zudem Erleichterungen bei der Versorgung von Patienten in der Palliativmedizin mit sich brachte. Vor allem die Auswirkungen des Urteils des Bundessozialgerichts aus 2022 mit den erhöhten Anforderungen an die Dokumentation und Begründung der Verordnung beim Antrag an die Krankenkasse seien deutlich spürbar.
Immerhin sei es eine Erleichterung, dass in der Speziellen Ambulanten Palliativversorgung SAPV kein Antrag mehr gestellt werden müsse, so Gottschling. „Aber wenn dann palliativ versorgte Patienten sich stabilisieren und zeitweise in die Regelversorgung zurückkönnen, dann muss sofort ein Antrag gestellt werden für die weitere Verordnung“, warnt der Palliativmediziner, der seit rund 25 Jahren Erfahrung mit der Verordnung von Cannabis gemacht hat.
Im Gespräch berichtet er weiter über Praktiken von Telemedizin-Plattformen, die eine private Verordnung von Cannabis ohne Arzt-Patienten-Kontakt ermöglichen. Das sei „keine seriöse Medizin“, vielmehr eher ein „grauer Markt“, so Gottschling, der ein konsequentes standesrechtliches Vorgehen der Landesärztekammern gegen derartige Praktiken fordert. Zumindest Cannabis-Blüten seien für seine Patienten teilweise schwer zu bekommen wegen der vielen Privatrezepte, die ausgestellt werden. Die meisten seiner Schmerzpatienten versorgt er allerdings mit Extrakten wie Dronabinol, hier gebe es noch keine Probleme.
Im Gespräch beschreibt der Mediziner auch, inwieweit Ärztinnen und Ärzte, die Cannabis verordnen, trotz Genehmigungsvorbehalts von Regressen bedroht sein könnten, er berichtet über den restriktiven Umgang der privaten Krankenversicherungen mit dem Thema – viel mehr noch, als dies bei der Beihilfe üblich ist. Nicht zuletzt beschreibt er die Entwicklung der Evidenz bei der Verwendung von Cannabis, insbesondere bei chronischem Schmerz und Nervenschmerz. (Dauer: 31:26 Minute)

Jul 22, 2024 • 23min
Crowdstrike-Ausfall: Sind solche Risiken für das Gesundheitssystem tragbar, Professor Dierks?
Ein Arzt und Anwalt über die Digitalisierung
Am Freitag (19. Juli) versagten 8,5 Millionen Windows-Rechner ihren Dienst. Ein Grund: Das Unternehmen Crowdstrike, das Cybersicherheitssoftware herstellt, verschickte ein fehlerhaftes Update. Betroffen waren auch Systeme im Gesundheitswesen, unter anderem Apothekensoftware und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH). Letzteres schloss für drei Tage die Ambulanzen in Lübeck und Kiel und verschob elektive Eingriffe. Andere Branchen waren noch gravierender betroffen, zum Beispiel Banken, Fluglinien, Flughäfen und Supermärkte.
Aus der Politik und auch in Ärzteforen kamen Forderungen auf, dass Abhängigkeiten von einzelnen Firmen in wichtigen Bereichen vermieden werden müssten – und dass digitale Prozesse immer so abgesichert werden müssten, dass sie auch analog darstellbar sind.
Doch wie realistisch sind solche Forderungen in einer Gesellschaft und in einem Gesundheitswesen, die in immer komplexer werdenden Strukturen miteinander vernetzt sind? Welche Risiken sind wir als Gesellschaft bereit einzugehen, im Tausch für höhere Effizienz und technischen Fortschritt, von dem im Zweifel Patientinnen und Patienten, aber auch Kliniken und Praxen durch verbesserte Prozesse profitieren? Im „ÄrzteTag“-Podcast diskutiert der Allgemeinmediziner und Rechtsanwalt Professor Christian Dierks, ob Vorfälle wie die Probleme bei einem Update ein Grund dafür sein könnten, bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen langsamer voranzugehen, um Risiken so weit wie möglich auszuschließen.
Dierks, der sich als Rechtsanwalt auch viel mit Fragen der Digitalisierung des Gesundheitswesens beschäftigt hat, beschreibt die immer komplexer werdenden Probleme, je mehr verschiedene Systeme an einer Klinik oder in einer Praxis miteinander interagieren. Haftungsrechtlich müsse immer unterschieden werden zwischen beherrschbaren Risiken – „es darf nicht passieren, dass das falsche Bein amputiert wird“ – und solchen, die extern verursacht werden.
Wie gerade große Einrichtungen, sogenannte kritische Infrastrukturen, mit diesen Risiken umgehen, wie die Sicherheitsmaßnahmen in lernenden Systemen immer besser werden müssen, um den wachsenden Gefahren zu begegnen, und warum im Zweifel Chancen auf eine bessere Medizin vergeben werden, wenn alle Risiken neutralisiert werden sollen – diesen Fragen stellt sich Christian Dierks im „ÄrzteTag“-Podcast. (Dauer: 22:30 Minuten)


