

Ausgeglaubt: ein RefLab-Podcast
Manuel Schmid & Stephan Jütte
Was heisst das eigentlich, Christ zu sein? Woran glauben Christen und was können sie getrost aufgeben? Logisch, dass sich Manuel Schmid & Stephan Jütte dabei nicht immer einig sind. Aber sie versuchen in diesem Podcast zusammen herauszufinden, was für sie wirklich zählt und was ihnen eher im Weg steht. Und klar: Beide wissen es auch nicht wirklich. Aber vielleicht regt es dich an zum Mitdenken. Oder es regt dich auf und du magst mit ihnen streiten. Oder du schreibst ihnen einfach mal, was du nicht mehr glauben kannst oder musst oder willst.
Episodes
Mentioned books

Feb 23, 2022 • 1h 8min
John Eldredge: Der ungezähmte Mann
Eva wurde inmitten der üppigen Schönheit des Gartens Eden erschaffen. Adam dagegen, Sie werden sich erinnern: Adam wurde außerhalb des Gartens erschaffen, in der Wildnis. Im Bericht über die Ursprünge der Menschheit, im 2. Kapitel des Buches Genesis, wird es ganz deutlich gesagt: Der Mann wurde im Ödland erschaffen, im Busch. Er entstammt dem ungezähmten Teil der Schöpfung. Erst später wird er in den Garten Eden gebracht.
Seit dieser Zeit, von allem Anfang an, waren Jungen nie im Schutz der Woh-nung zu Hause, zog es Männer unwiderstehlich auf Entdeckungsreise. Wir wollen zurück in die Wildnis. Allein schon die Sehnsucht danach macht uns lebendig. Jemand hat gesagt: Wenn ein Mann in die Berge kommt, dann kommt er nach Hause. Das Herz eines Mannes ist im tiefsten Grunde unge-zähmt, und das ist gut. Ein Naturbursche sagte: ‹Wenn ich in einem Büro sitze, bin ich nicht lebendig. In einem Taxi bin ich nicht lebendig, und auch auf dem Bürgersteig nicht.› Amen dazu. Und die Konsequenz daraus? ‹Hör niemals auf, Neuland zu entdecken.›
(John Eldredge: Der ungezähmte Mann, 18f.)
Es gibt drei tiefe Wünsche, die ich meinem Herzen so tief eingeprägt finde, daß ich inzwischen weiß: Ich kann sie nicht länger leugnen, ohne meine Seele zu verlieren. Diese Sehnsüchte sind entscheidend dafür, wer und was ich bin und wie ich sein möchte. Ich beschäftige mich mit dem, was Jungen im Kin-desalter tun und träumen; ich forsche in und zwischen den Zeilen der Litera-tur. Ich höre genau zu, was mir viele, viele Männer über sich erzählen, und so bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß diese Sehnsüchte universell sind – ein Schlüssel zum Geheimnis der Männlichkeit an sich. Sie sind vielleicht mißverstanden, fehlgedeutet und verdrängt worden, aber sie sind im Herzen jedes Mannes vorhanden: eine brennende Sehnsucht danach, einen Kampf zu bestehen, ein Abenteuer zu erleben – und eine Prinzessin zu retten.
(John Eldredge: Der ungezähmte Mann, 25.)

Feb 16, 2022 • 51min
Ronald Dworkin: Religion ohne Gott
«Religion ist etwas Tieferes als Gott – das ist das Thema dieses Buches. Religion ist eine sehr grundlegende, spezifische und umfassende Welt-sicht, die besagt, dass ein inhärenter, objektiver Wert alles durchdringt, dass das Universum und seine Geschöpfe Ehrfurcht gebieten, dass das menschliche Leben einen Sinn und das Universum eine Ordnung hat.
Der Glaube an einen Gott ist nur eine der möglichen Manifestationen oder Konsequenzen dieser tieferen Weltsicht. Im Lauf der Geschichte haben Götter natürlich einer ganzen Reihe von menschlichen Zwecken gedient:
Sie versprachen ein Leben nach dem Tod, boten eine Erklärung für Stürme und Unwetter und standen uns zur Seite im Angesicht unserer Feinde. Doch zentral für ihre anhaltende Beliebtheit ist die ihnen unter-stellte Fähigkeit gewesen, der Welt Wert und Sinn zu verleihen.
Die Überzeugung, dass Werte auf einen Gott gründen, setzt jedoch vo-raus, wie ich hier zeigen will, sich zuvor auf die unabhängige Wirk-lichkeit von Werten festgelegt zu haben. Und diese Festlegung steht auch Nichtgläubigen frei. Das bedeutet, dass die Theisten mit manchen Atheisten in etwas übereinstimmen, das grundlegender ist als alles, was sie trennt, und vielleicht den Ausgangspunkt für eine bessere Verständi-gung zwischen ihnen bilden könnte.
Die uns allen geläufige harte Unterscheidung zwischen religiösen und nichtreligiösen Menschen ist zu grob. 12 Viele Millionen Menschen, die sich als Atheisten verstehen, machen Erfahrungen und hängen Über-zeugungen an, die denen, welche Gläubige als »religiös« bezeichnen, ähneln und ebenso tiefschürfend sind. Sie sagen, dass sie, obschon sie nicht an einen »personalen« Gott glauben, nichtsdestotrotz davon über-zeugt sind, dass es im Universum eine »Macht« gibt, die »größer ist als wir«.
(Ronald Dworkin: Religion ohne Gott.)

Feb 9, 2022 • 59min
Richard Dawkins: Der Gotteswahn
«Der Gott des Alten Testaments ist – das kann man mit Fug und Recht be-haupten – die unangenehmste Gestalt in der gesamten Literatur: Er ist eifer-süchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragen-der Überwachungsfanatiker; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säu-berer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und Völker mordender, ekliger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann. […]
Ein so leichtes Ziel anzugreifen ist unfair. Die Gotteshypothese sollte weder mit Jahwe, ihrer abstoßendsten Verkörperung, stehen und fallen noch mit ih-rem fade-entgegengesetzten christlichen Gesicht, dem »sanften Jesus, lieb und mild«. […]
Mein Angriff gilt nicht den besonderen Eigenschaften von Jahwe, Jesus oder Allah und auch keinem anderen einzelnen Gott wie Baal, Zeus oder Wotan. Ich möchte die Gotteshypothese, damit sie besser zu verteidigen ist, wie folgt definieren: ‹Es gibt eine übermenschliche, übernatürliche Intelligenz, die das Universum und alles, was darin ist, einschließlich unserer selbst, absichtlich gestaltet und erschaffen hat.›»
(Richard Dawkins: Der Gotteswahn, 53f.)

Feb 2, 2022 • 1h 2min
William Paul Young: Die Hütte
Für heute haben wir uns kein eigentliches Sachbuch, sondern eine Erzählung vorgenommen. Es ist eine Geschichte, die vor gut zehn Jahren um die ganze Welt ging und nicht nur über 20 Millionen Leser*innen begeisterte, sondern in hochkarätiger Besetzung auch als Hollywood-Film umgesetzt wurde.
Sie erzählt von einem Familienvater namens Mack, der seine Tochter verloren hat und erst aus seiner Verbitterung herausfindet, als ihm Gott in einer abgelegenen Waldhütte begegnet. In ausgedehnten Gesprächen mit den drei Figuren, welche für die Personen der Dreieinigkeit stehen, wird das Bild eines liebenden Gottes enthüllt, der mit unserem Leid mitfühlt und den Schmerz unseres Lebens heilen kann.
Manuel und Stephan unterhalten sich über die Stärken des Buches, über das, was sie daran berührt oder auch stört – und über den Wandel unserer Zeit, der ein solches Buch zum Bestseller machen konnte…

Jan 26, 2022 • 1h 2min
C.S. Lewis: Mere Christianity («Pardon, ich bin Christ»)
«Ich versuche hier, jedermann vor dem groben Unfug zu bewahren, der oft über Jesus geäußert wird: «Für mich ist Jesus zweifellos ein großer Moralleh-rer, aber seinen Anspruch, Gott zu sein, kann ich nicht akzeptieren.» Gerade das können wir nämlich nicht sagen. Ein Mensch, der bloß ein Mensch wäre und solche Dinge von sich gäbe wie Jesus, wäre kein großer Morallehrer. Er wäre entweder ein Irrer – auf derselben Ebene wie einer, der sich für ein po-chiertes Ei hält –, oder aber er wäre der Teufel in Person.
Sie müssen sich entscheiden. Entweder war und ist dieser Mann tatsächlich der Sohn Gottes, oder er war ein Spinner oder noch Schlimmeres. Sie können ihn ins Irrenhaus sperren, Sie können ihn anspucken und totschlagen wie einen Dämon; oder Sie können ihm zu Füßen fallen und ihn Herr und Gott nennen. Aber sparen wir uns bitte diesen herablassenden Blödsinn, er sei ein großer Lehrer der Menschheit gewesen. Diese Möglichkeit hat er uns nicht offengelassen. Das war auch nicht seine Absicht.»
(Auszug aus: Pardon, ich bin Christ: Neu übersetzt zum 50. Todestag von C. S. Lewis, 67.)

Jan 19, 2022 • 56min
Eckhart Tolle: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart
«Eines Nachts, nicht lange nach meinem neunundzwanzigsten Geburtstag, erwachte ich in den frühen Morgenstunden mit einem Gefühl absoluten Grauens. Ich war schon oft mit einem solchen Gefühl aufgewacht, aber dies-mal war es intensiver als je zuvor. Die Stille der Nacht, die vagen Umrisse der Möbel im dunklen Zimmer, das entfernte Geräusch eines vorüberfahren-den Zuges - alles fühlte sich so fremd an, so feindselig und so absolut bedeu-tungslos, dass in mir ein tiefer Abscheu vor der Welt entstand. Und das Ab-scheulichste von allem war meine eigene Existenz. Welchen Sinn machte es, mit dieser Elendslast weiterzuleben? Warum diesen ständigen Kampf weiter-führen? Ich konnte fühlen, dass die tiefe Sehnsucht nach Auslöschung, nach Nicht-Existenz jetzt wesentlich stärker wurde als der instinktive Wille wei-terzuleben. ‹Ich kann mit mir selbst nicht weiterleben›. Dieser Gedanke kreiste endlos in meinem Verstand. Plötzlich wurde mir bewusst, was für ein sonderbarer Gedanke das war. ‹Bin ich einer oder zwei? Wenn ich nicht mit mir selbst leben kann, dann muss es zwei von mir geben: das ‹Ich› und das ‹Selbst›, mit dem ‹Ich› nicht mehr leben kann.› ‹Vielleicht›, dachte ich, ‹ist nur eins von beiden wirklich.›»
[Eckhart Tolle: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart]

Jan 12, 2022 • 51min
Johannes Hartl: Eden Culture
Bücher mit Impact
In unserer neuen Staffel – Bücher mit Impact – unterhalten wir uns über Bücher zu den Themen Religion, Spiritualität und christlicher Glaube, die eine grosse Reichweite erreicht haben und viele Menschen prägen.
In der ersten Folge besprechen wir Johannes Hartls «Eden Culture», das eigentlich zu aktuell ist, um diesen Status schon behaupten zu können. Das Buch ist aber kaum zu übersehen: Es rangiert in der Spiegel Bestseller-Liste und liegt in vielen Buchläden prominent auf. Sogar in der «ZEIT» wurde es besprochen.
Bietet das Buch zeitgemässe Orientierung für Christinnen und Säkulare in unserer Gegenwart? Oder ist es ein hoffnungslos retourgewandtes Projekt, das sich aufgeschlossen gibt?
Wir freuen uns auf eure Leseerfahrungen und Einschätzungen!

Dec 15, 2021 • 1h 1min
Auf ein Neues… (Staffelschluss)
Mit dieser Folge beenden Manuel und Stephan das «Ausgeglaubt»-Jahr 2021.
Sie werden dabei ganz persönlich – indem sie folgende drei Fragen für sich beantworten und gemeinsam diskutieren:
– Was sehe ich anders als vor einem Jahr?
– Was hat mich inspiriert?
– Ein grosses Fragezeichen?
Die gedankliche Reise führt sie vom düsteren Menschenbild der reformatorischen Theologie über den Himmel bis zur grossen Frage nach der Zukunft der Kirche.
Was eigentlich als kurze, knackige Schlussepisode geplant war, wächst sich hier zu einem ebenso langen wie leidenschaftlichen Gespräch aus…

Dec 8, 2021 • 54min
Stephans Bekenntnis…
Mein Glaubensbekenntnis (Stephan Jütte)
Ich vertraue darauf, Teil einer Kirche zu sein, in der sich Menschen seit Jahrhunderten versammeln, Bilder teilen und Worte weitergeben, denen ich Glauben schenken will.
Ich stelle mir einen Gott vor, der vor über 13 Milliarden Jahren Platz gemacht hat. Für das Universum, das ich nicht überblicke und unseren Planeten, auf dem ich lebe.
Aus diesem Gott sind wir alle und alles, was ist. Gott kennt jedes einzelne Leben und jedes Ding. Er sieht sie kommen, wachsen und vergehen. Alles hat seine Zeit. Alles bleibt in ihm geborgen.
Auch uns Menschen hat er Raum und Zeit gegeben.
Weil wir von ihm kommen, sind uns Räume und Zeiten zu eng. Wir fragen nach mehr und nach Sinn. Ich hoffe, dass das kein Zufall ist, sondern unsere Verbindung zu Gott.
Ich sehne mich nach Gottes Schönheit und fühle mich in ihm geborgen. In der Spur der biblischen Geschichten und dem Reich Gottes, das Jesus von Nazareth in unsere Welt gebracht hat, möchte auch ich Gottes Geist überall in dieser Welt entdecken: In Kunst, Beziehungen, gutem Essen, Religionen oder Philosophien. Und in mir selbst.
Ich spüre, dass Gott mich hört, wenn ich vor ihm schweige und Anteil nimmt an dem, was mich beschäftigt, erfreut oder bedrückt.
Ich habe gelernt, dass ich Schuld loslassen kann und frei werde. Und ich vertraue darauf, dass andere auch meine Schuld loslassen werden.
Ich hoffe, dass Gottes Liebe uns alle gewinnen wird. Stärker wird als unsere Ängste, mächtiger als der Tod. Überraschend wie Auferstehung.
Ich wünsche mir, dass ich in dieser Hoffnung fröhlich leben und neugierig sterben werde. Und dass mich nichts je von Gottes Liebe trennt.

Dec 1, 2021 • 47min
Manuels Bekenntnis…
Ich glaube an einen Gott, der Liebe ist.
Leidenschaftliche, hingegebene, kreative, kompromisslose Liebe. Ein Gott, der in der Gemeinschaft von Vater, Sohn und Geist lebt – und der aus dieser Gemeinschaft der Liebe heraus die Schöpfung hervorgebracht und den Menschen als sein Gegenüber erschaffen hat.
Ich glaube an einen Gott, der uns als guter Vater niemals aufgibt.
Gott schreibt seine Geschichte mit den Menschen und ringt beharrlich um unsere Gemeinschaft – er wartet auf uns Jenseits von Eden, begibt sich mit den Vätern auf Reisen, zeltet mitten unter seinem Volk und beginnt nach Rückschlägen, Enttäuschungen und Niederlagen immer wieder von neuem.
Ich glaube an einen Gott, der als eingeborener Sohn einer von uns wird.
Gott betritt in Jesus Christus den Staub dieser Erde, tritt in unsere Lebenswelten ein, teilt unsere Anfechtungen, begegnet unseren Nöten, wird in den ungerechten Systemen dieser Welt aufgerieben – und beweist in seiner Auferstehung, dass nicht das Leid und der Tod das letzte Wort haben.
Ich glaube an einen Gott, der uns als Heilige Geistkraft umgestaltet.
Gottes Geistkraft erfüllt seine Kirche mit ihrer Gegenwart und durchdringt jeden Winkel unserer Wirklichkeit – sie ist überall schon am Werk, bewegt Menschen zum Guten, Wahren und Schönen, verwandelt uns von innen heraus und arbeitet auf die Transformation unserer Gesellschaft(en) hin.
Ich glaube an einen Gott, der uns noch einmal überraschen wird.
Gott wird diese alte, geschundene Schöpfung erneuern und diese zerbrochene Menschheit heilen. Das letzte Kapitel ist noch nicht geschrieben – und wenn es einmal soweit ist, dann wird sich zeigen, dass es zugleich das erste Kapitel einer neuen Geschichte ist, die Gott mit uns beginnt…


