

SWR Kultur lesenswert - Literatur
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Episodes
Mentioned books

May 5, 2024 • 16min
Louise Glück: Marigold und Rose | Lesung und Diskussion
Louise Glücks Erzählung „Marigold und Rose“ ist das einzige Prosawerk der für für ihre Dichtung ausgezeichneten Literaturnobelpreisträgerin.
Meike Feßmann und Julia Schröder lobten die bildstarke Geschichte über Zwillingsschwestern, die sich schon als Baby ihr Erwachsenenleben ausmalen. Christoph Schröder nannte das Buch eine „literarische Fingerübung“.

May 5, 2024 • 20min
Julia Jost: Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht | Lesung und Diskusssion
Mit „Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht“ legt die Schriftstellerin Julia Jost einen (Anti-)Heimat-Roman aus ungewöhnlicher Erzählperspektive und in einer überbordenden Sprache vor.
Leidet das Prosadebüt der Kärntner Schriftstellerin aber unter der Verwandlung der beschriebenen Abgründe in folkloristisches Dekor? Die Jury, die viele skurrile Einfälle des Buchs heraushebt, ist sich in dieser Frage uneins.

May 5, 2024 • 1h 20min
SWR Bestenliste Mai mit Büchern von Louise Glück, Didier Eribon u.a.
Gestritten wurde zum Schluss: Meike Feßmann, Julia Schröder und Christoph Schröder diskutierten vier auf der SWR Bestenliste im Mai verzeichneten Werke in der Stuttgarter Stadtbibliothek.
Auf dem Programm standen mit „Marigold und Rose“ von Louise Glück die einzige Erzählung der für ihre Dichtung ausgezeichnete Literaturnobelpreisträgerin.
Mit „Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht“ von Julia Jost ein österreichischer Anti-Heimat-Roman aus ungewöhnlicher Erzählperspektive.
Mit „Am Meer“ von Pulitzer-Preisträgerin Elizabeth Strout ein Pandemie-Roman im tiefgründigen Plauderton.
Und mit „Eine Arbeiterin“ von Bestseller-Autor Didier Eribon eine essayistische Abhandlung über „Leben, Alter und Sterben“ der Mutter. Das Buch löste einen Grundsatzstreit über den zitatgetriebenen Stil des Autors und die soziologische Aufladung der Gegenwartsliteratur auf.
Aus den vier Büchern lesen Isabelle Demey und Johannes Wördemann.

May 5, 2024 • 25min
Didier Eribon: Eine Arbeiterin. Leben, Alter und Sterben | Lesung und Diskussion
Mit „Eine Arbeiterin“ hat Didier Eribon eine essayistische Abhandlung über „Leben, Alter und Sterben“ der Mutter vorgelegt.
Das Buch des französischen Bestseller-Autors löste in der Jury einen Grundsatzstreit über den zitatgetriebenen Stil des Autors und die soziologische Aufladung der Gegenwartsliteratur auf.

Dec 1, 2023 • 53min
37. Freiburger Literaturgespräch – Alle meine Geister
Wortschöpfungen wie „Nebelgeiß“, Reime wie „Kräuter–Euter“ oder „Fäule–Eule“, ein Nebel, der immer wieder in den Gedichten vorkommt, die Preisträgerinnen Judith Zander und Marion Poschmann, die Preisträger Marcel Beyer und Raoul Schrott finden überraschende Zugänge zur Lyrik Peter Huchels, sie tragen ihre Lieblingsgedichte vor, aber auch welche, mit denen sie gar nicht so einverstanden sind.
Ob „Hubertusweg“, „Winternebel“ oder die „Sibylle des Sommers“, Huchels Gedichte sind metaphorisch und konkret zugleich. Und immer ist die Naturbeobachtung auch politisch.

Sep 10, 2023 • 3min
Poeta Laureatus | Michael Krüger – Das siebte Gedicht
Sommer in Europa, da treffen sich in diesem Jahr Feuer und Wasser, bedrohlich, tröstend, unausweichlich. Das siebte Gedicht des Poeta Laureatus ist zweigeteilt wie das Leben des Dichters – am Anfang steht die Stadt, am Ende das Land, und ganz am Ende ein religiöses Schlusswort.
Das siebte Gedicht
1
Es brennt. Alles ringsum brennt. Das Haus, die Treppe,Dach und Böden, alles steht in Flammen. Die Lügenbrennen lichterloh. Das Wasser brennt, das Meer,selbst die große Stille wird ein Raub des Feuers.Das Feuer steigt den Berg herab und lässt die Büschelodern, sogar die Steine in der Mauer brennen.Aus der Verklärungskathedrale schlägt ein Feuer.Das letzte Jahr des Buches ist schon Asche,ein dünner Rauch zeigt an, wo sie einst standenund gelesen wurden. Es glimmt und glüht die Loheüber Parlamenten, das Erbarmen ist schon lang verbrannt,der Weizen und die Erbsen, alles hin und weg.Und wenn nicht alles täuscht, dann wüten Feuerauf der Zunge und verbrennen Wort für Wort die Rede.Wir, des Weltalls Inbegriff, gehen auf in Flammen.
2
Im Juli waren wir oft unten am See, meistens am Abend,weil ich sehen wollte, wie die Sonne am anderen Uferuntergeht. Bevor sie hinter Tutzing verschwindet, zögert sie einen halben Atemzug lang, als wolle sie es sich noch einmalüberlegen. Sie zögert jeden Tag,dann geht sie unter.Die Linden sind angefressen, aber halten sich tapfer, den Efeu,der sie heftig umarmt, ertragen sie wie eine lästige Pflicht.In der Dämmerung durchbrechen winzige Fischedie Oberfläche des Wassers, ihre Botschaften erreichen unsin kleinen Wellen: Aber der Herr verschaffte einen großen Fisch,Jonas zu verschlingen. So hat auch das Unwirkliche freien Zugangzum See. Man wird einerseits durchsichtig wie Wasser,selbstlos und leicht, andererseits kann man sich schwer erheben,weil man schon Wurzeln geschlagen hat, die einen binden.
3
Lieber Gott, ich will dich nicht stören, du hast genug um die Ohren.Aber lass es einmal regnen, damit das Feuer erlischt. Amen.
Zur Erinnerung an J.B.

Sep 8, 2023 • 12min
Gespräch mit Poeta Laureatus Michael Krüger zum siebten Gedicht
Ein Gedicht über Feuer und Wasser, ein Gedicht, in dem der Schlaf, den Dichter mal erträumt haben, der Angst gewichen ist. Ist „Amen“ das richtige Schlusswort für ein Gedicht? Was besseres würde ihm derzeit nicht einfallen, meint Michael Krüger. Und bitte – wer ist J.B., dem das Gedicht gewidmet ist?
Das siebte Gedicht
1
Es brennt. Alles ringsum brennt. Das Haus, die Treppe,Dach und Böden, alles steht in Flammen. Die Lügenbrennen lichterloh. Das Wasser brennt, das Meer,selbst die große Stille wird ein Raub des Feuers.Das Feuer steigt den Berg herab und lässt die Büschelodern, sogar die Steine in der Mauer brennen.Aus der Verklärungskathedrale schlägt ein Feuer.Das letzte Jahr des Buches ist schon Asche,ein dünner Rauch zeigt an, wo sie einst standenund gelesen wurden. Es glimmt und glüht die Loheüber Parlamenten, das Erbarmen ist schon lang verbrannt,der Weizen und die Erbsen, alles hin und weg.Und wenn nicht alles täuscht, dann wüten Feuerauf der Zunge und verbrennen Wort für Wort die Rede.Wir, des Weltalls Inbegriff, gehen auf in Flammen.
2
Im Juli waren wir oft unten am See, meistens am Abend,weil ich sehen wollte, wie die Sonne am anderen Uferuntergeht. Bevor sie hinter Tutzing verschwindet, zögert sie einen halben Atemzug lang, als wolle sie es sich noch einmalüberlegen. Sie zögert jeden Tag,dann geht sie unter.Die Linden sind angefressen, aber halten sich tapfer, den Efeu,der sie heftig umarmt, ertragen sie wie eine lästige Pflicht.In der Dämmerung durchbrechen winzige Fischedie Oberfläche des Wassers, ihre Botschaften erreichen unsin kleinen Wellen: Aber der Herr verschaffte einen großen Fisch,Jonas zu verschlingen. So hat auch das Unwirkliche freien Zugangzum See. Man wird einerseits durchsichtig wie Wasser,selbstlos und leicht, andererseits kann man sich schwer erheben,weil man schon Wurzeln geschlagen hat, die einen binden.
3
Lieber Gott, ich will dich nicht stören, du hast genug um die Ohren.Aber lass es einmal regnen, damit das Feuer erlischt. Amen.
Zur Erinnerung an J.B.

Jun 25, 2023 • 3min
Michael Krüger – Das fünfte Gedicht
Wie viel Bedeutung kann ein Apfelbaum tragen? Als Poeta Laureatus des literaricum in Lech schreibt Michael Krüger jeden Monat ein Gedicht zur Weltlage. Dieses Mal ist er inspiriert vom Obstbaumpflanzen – es geht um den Apfel.
Das fünfte Gedicht
Wir haben Bäume gepflanzt, Äpfel, alte Sorten,die angeblich in Russland und im Kaukasus entstanden und im Westen kultiviert wurden, von den Römern eingeschleppt und im ganzenHeiligen Römischen Reich deutscher Nation wegen ihrer Säuregeliebt. Äpfel mit Geschichte, die rot werden auf der Sonnenseite.Wir mussten einen Sack um die Wurzeln schlagen,um die Maulwürfe, die sich seit Plinius blind auf alles stürzen,was ihnen im Wege steht, auf Distanz zu halten, und um den Stammhaben wir eine Manschette gelegt, damit die Rehe den Baum in Ruhe wachsen lassen. Wenn alles gut geht … werden wirin fünf Jahren die ersten Äpfel ernten können. Die Vergangenheitträumte von Ewigkeiten, wir hoffen darauf, einem Äpfelchenbeim Werden zusehen zu dürfen. Die Amseln freuen sichüber den Zuwachs von Grün, sie sausen wie dunkle Drohnenüber die mit Löwenzahn dekorierte Wiese. Bald werden Flugschirmeaufsteigen, dann ist die Zukunft erreicht. Es ist beruhigend,vor den mickrigen Bäumen zu stehen, man stellt sich vor,was aus ihnen werden kann, wenn der Ahorn ihnen nicht das Wasserabgräbt. Jedes Blatt ist eine gewaltige Enzyklopädie, der Stammallein füllt Bände, die in einem Leben nicht auszulesen sind.Dazu kommen die Bilder, auf denen die Toten lebendig werden,die genau hier begraben sind oder verscharrt wurden.Eine Spinne hat einen ersten Faden gespannt zwischen den Bäumen,eine zitternde Brücke, so fein, dass sie keiner betritt:kein Gedanke, kein Vogel, nicht einmal der Tod, der nicht aufhörtzu schwärmen von seinen großen Erfolgen. Unter der Brückewachsen die Gänseblümchen und die kleinen blauen Blumen,die so aussehen wie Veilchen, aber schon lange keine Veilchenmehr sind. Ein Bild geht mir nicht aus dem Kopf: die alten Generäle,am 8. Mai auf dem Roten Platz, mit tausend Orden an ihre Stühle gekettet,lederne Mumien, die dafür gesorgt haben, dass ich noch auf der Welt bin.Boskop heissen die Äpfel, Boskop, ein schönerer Name war nicht drin.
Für Alexander Wasner
Gelesen vom Autor

May 21, 2023 • 11min
Gespräch mit Poeta Laureatus Michael Krüger zum vierten Gedicht
Das vierte Gedicht
Es ist warm geworden und länger hell, da sieht man auf den Fotosdie Toten besser in der grün aufblühenden Landschaft. Einer liegt dawie vom Kreuz gefallen nach langer Folter, die Hände im Schlamm.Schwer ist zu verstehen, wie in diesem verkrampften Körperalles enthalten sein soll, die ganze Geschichte der Menschheit,der Schrei und das Schweigen und der Dämon der Wahrheit,und schließlich die trübe Gewissheit, dass einer mehr ist als ein Stück Fleisch mit aufgerissenen Augen, in denen der Schuss noch nachhallt.Sie konnten den Tod nicht aufhalten. Das Blut verbreitet sichauf dem Boden wie Tinte auf Löschpapier, es berührt schondie Kletten, Disteln und die unerschütterlichen Schlehen im Hintergrund.Gott ist 1941 zurückgetreten, das ist die unsichtbare Schlagzeile,die immer mitläuft. Den Platz will einer besetzen im blauen Anzugund Krawatte, gesegnet von einem waschechten Patriarchenmit sauberen Händen. Der viel Blut braucht, um die Kelchedes Imperiums zu füllen. Ein anderer lässt sich eine Kroneauf den schon lichten Haarkranz drücken, deren Edelsteinemit schwarzem Schweiss poliert sind, das war zu der Zeit,als die Schönheit noch vom Volk gewählt wurde.Am Morgen lag ein toter Vogel auf dem Balkon, den hatte die Katzeausgenommen nach Strich und Faden. Ich legte den Rest sanftin die Zeitung mit dem Bild des toten Soldaten, stiegüber der Lumpenmann, der seit Tagen im Eingang sitztin seiner Kathedrale aus Elend, Auswurf und zähem Schmutzund lautstark das Ende der Welt ankündigt, ein Metaphysikerdes Unrats, den ich jeden Tag reich beschenke, wechseltedie Strassenseite und übergab mein fragiles Päckcheneiner der leuchtenden Plastikboxen, die für die Reinheit der Stadtzuständig sind. Ja, das gibt es auch: Behälter für die Reinheitder Welt, in der wir leben oder die wir sind.

Apr 30, 2023 • 54min
Trends, Trubel und Tribünen – die Leipziger Buchmesse 2023
Wir sagen Ihnen, was auf der Leipziger Buchmesse 2023 wichtig war.Den großen Überblick zum Einstieg gibt uns SWR2-Literaturredakteur Carsten Otte.Dann schauen wir uns das neue "Winterpoem 20/21" von Maria Stepanova an, die dieses Jahr den "Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung" bekam.Zwischendurch schauen wir dem Messevolk aufs Maul und fragen: "Was ist Österreich?", denn Österreich ist dieses Jahr Messe-Gastland.Und wir fragen: "Was ist die Leipziger Buchmesse?"Der Österreicher Robert Seethaler hat einen neuen Roman geschrieben: "Das Café ohne Namen". Davon wird er uns berichten.Außerdem stellen wir neue Klima-Sachbücher vor. Denn die liegen im Trend.Zum Schluss erklärt Jutta Person, warum Lesen zu blitzartiger Bewusstseinserweiterung führt. Sie bekam dieses Jahr den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik.
Trends und Trubel auf der Leipziger BuchmesseWas dieses Jahr wichtig warGespräch mit Carsten OtteMaria Stepanova – Winterpoem 20/21Zweisprachige Ausgabe. Aus dem Russischen von Olga RadetzkajaSuhrkamp Verlag, 119 Seiten, 22 EuroISBN 978-3-518-22547-9Rezension von Beate Tröger"Was ist Österreich?"Gastland Österreich: Voxpops von der Leipziger BuchmesseRobert Seethaler – Das Café ohne NamenClaassen Verlag, 288 Seiten, 24 EuroISBN 9783546100328Gespräch mit dem Autor Robert Seethaler"Mehr Ich" – Erzähltrends im politischen SachbuchReportage von Lukas Meyer-Blankenburg"Was ist die Leipziger Buchmesse?"Voxpops von der Leipziger Buchmesse 2023Blitzartige Bewusstseinserweiterung durch "luminous details"Jutta Person bekommt den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2023Gespräch mit der Preisträgerin Jutta PersonMusik:Gustav Geißler – KonglomeratLabel: Resistant Mindz


