Cosmic Latte

Eva Freistetter, Jana Steuer, Elka Xharo
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Aug 25, 2022 • 25min

CL003 - Die Sonne in verschiedenen Wellenlängen

Die Episode über das gesamte Sonnenspektrum gemessen mit diversen (Weltraum-)Teleskopen CL003 - Über die Sonne in verschiedenen Wellenlängen Die Episode über das gesamte Sonnenspektrum gemessen mit diversen (Weltraum-)Teleskopen Die Sonne strahlt nicht nur im optischen Wellenlängenbereich, den wir mit dem Auge sehen können, sondern auch in allen anderen Wellenlängen, wie Radio oder Ultraviolett. Doch was genau kann man in diesen Wellenlängen alles auf der Sonne beobachten? Diese Frage und weitere interessante Informationen werden Thema dieser Folge von "Cosmic Latte" sein. Begrüßung Eva und Teresa unterhalten sich über das neue James-Webb-Space-Telescope (JWST), das es in den letzten Wochen mit seinen tollen Bildern und Entdeckungen in die Nachrichten geschafft hat. Das JWST ist ein Teleskop, das im infraroten Wellenlängenbereich operiert. Der infrarote Wellenlängenbereich macht aber nur einen kleinen Teil des gesamten elektromagnetischen Spektrums, also der Gesamtheit aller elektromagnetischer Wellen, aus. Dabei ist der für den Menschen sichtbare Anteil ein Teil des elektromagnetischen Spektrums, worauf unser Auge trainiert ist. Das Spektrum wird in verschiedene Bereiche unterteilt, von kleinsten Wellenlängen, der γ-Strahlung, bis zu den längsten Wellenlängen, den Radiowellen. Die Sonne und das elektromagnetische Spektrum In dieser Folge wollen wir uns auf das gesamte elektromagnetische Spektrum fokussieren und ansehen, welche Phänomene man auf der Sonne beobachten kann. Die Sonne strahlt in allen Farben und Wellenlängen. Doch wie die Sonne genau in den verschiedenen Wellenlängen aussieht und welche Phänomene man da mit welchen Teleskopen beobachten kann, das werden wir uns genauer ansehen. Radio Die langwelligen Radiowellen haben eine Größe von sub-mm bis km und werden auf der Erde vor allem für Signalübertragung, Mobilfunk, Radio und TV verwendet. Diese Wellenlängen kann man gut von der Erde aus beobachten, da die Erdatmosphäre, bis auf ganz lange Wellenlängen, durchlässig ist, das heißt diese Wellen gelangen bis zum Boden und werden nicht von der Erdatmosphäre verschluckt. Dieser Wellenlängenbereich mag fürs Erste mal langweilig klingen, doch man konnte genau mit diesen Wellenlängen mit Radioteleskopen ein Foto vom Schwarzen Loch in unserer Milchstraße aufnehmen. Das wurde vom Event Horizon Teleskop, kurz EHT, aufgenommen und basiert auf dem Funktionsprinzip der Very-Long-Baseline-Interferometrie (VLBI). Dabei werden mehrere große Radioteleskope verwendet und gleichzeitig der gleiche Bereich am Himmel beobachtet; anschließend wird das Signal zusammengefügt. Dieser Prozess ist jedoch gar nicht so einfach, und Effekte wie die Erdkrümmung müssen bei der Datenauswertung berücksichtigt werden. Dadurch erreicht man aber auch eine hohe räumliche Auflösung. Eines der größten Interferometrie Teleskope ist das eben erwähnte EHT, welches Teleskope auf der gesamten Erde verwendet. Es gibt aber auch noch einige andere, wie z.B. das European VLBI Network (EVN) oder in Amerika gibt es das Very Long Baseline Array (VLBA) oder das australische Long Baseline Array (LBA). Dadurch wird im Prinzip ein riesiges Teleskop erreicht, das so groß wie die Erde ist. Neben diesen Teleskopen gibt es natürlich noch ganz viele weitere, wie das Low Frequency Array (LOFAR), das Atacama Large Millimeter Array (ALMA, auch Teil des EHT) und viele weitere. In dieser Wellenlänge kann man neben thermischen auch nicht-thermische Prozesse beobachten, die in den äußersten Schichten der Sonne stattfinden. Auf der Sonne leuchten vor allem die Sonnenflecken, welche polarisierte Regionen sind, sehr hell und man hat dadurch vieles über magnetische Phänomene auf der Sonne gelernt. Die Sonne ist aber auch nicht schön konstant, sondern durch die Magnetfelder etwas durchwachsen. Da der Energietransport in die Korona, der äußersten Schicht der Sonnenatmosphäre, durch das nicht-uniforme Magnetfeld kontrolliert ist, ist die Korona sehr ungleichmäßig. Das Tolle an dieser Wellenlänge ist, dass man sie nicht nur Tag und Nacht beobachten kann, sondern auch bei Wolken, da die großen Wellenlängen durch diese nicht blockiert werden. Allerdings werden bestimmte Radiowellen, die man gerne beobachten möchte, auch oft vom Funkverkehr verwendet, wodurch diese die Beobachtung stören können. Wer mehr über diese Wellenlänge lesen möchte, kann im Buch „An introduction to radio astronomy“ von Bernard F. Burke und Granham-Smith nachlesen. Ein grundlegendes Paper über Sonnenbeobachtung im Radiobereich ist hier zu finden. Ein Video über die Sonnenfinsternis 2017 mit vielen interessanten Informationen zur Sonnenbeobachtung. Infrarot Wenn wir nun von den langwelligen Radiowellen zur nächstkürzeren Wellenlänge gehen, dann kommen wir zu Infrarot (IR). Der infrarote Wellenlängenbereich reicht von 0.65-1000 Mikrometer und wird in den nahen, mittleren und fernen Infrarot Bereich unterteilt. Im Infraroten Wellenlängenbereich gibt es einige Fenster, in denen die Erdatmosphäre durchlässig ist und daher können auch Beobachtungen von der Erde aus gemacht werden, allerdings muss man da oft auf sehr trockene und hochgelegene Orte zurückgreifen, wie etwa die Atacama Wüste in Chile mit dem Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (ALMA) oder Mauna Kea in Hawaii . Weiters werden in diesem Wellenlängenbereich auch Beobachtungen von Flugzeugen (SOFIA, Lear Jet Observatory, Kuiper Airborne Observatory, ein interessanter Artikel dazu hier), Ballons, Raketen (Vorgänger der Satellitenobservatorien), oder auch Weltraumteleskopen (z.B. Spitzer, Herschel, WISE/ NEOWISE und natürlich das JWST) durchgeführt. Im IR können wir thermische Strahlung, also Wärmestrahlung, sehen und sie wird nicht vom Staub verschluckt (absorbiert). Die Sonne wird in diesem Wellenlängenbereich nicht so viel beobachtet, wie in anderen Wellenlängen, wie z.B. im Visuellen. Sie ist aber für andere astrophysikalische Objekte sehr wichtig, wie für Galaxien und Sternentstehung oder um etwas über die Atmosphäre von Planeten herauszufinden. Auf der Sonne können wir im IR magnetisch aktive Regionen erkennen. Es können Phänomene wie Sonnenflecken und Filamente, die eigentlich Protuberanzen sind und sich nur dadurch unterscheiden, dass sie vor der Sonnenscheibe stattfinden. Weiters sind Prominenzen und andere energetische Events zu sehen. Dadurch kann das magnetische Feld der Sonne bestimmt werden. Außerdem sind die verschiedenen Granulationsmuster erkennbar. Für alle, die noch mehr über diese Wellenlänge erfahren wollen können hier den infraroten Teil des elektromagnetischen Spektrums genauer erkunden. Hier ist ein Artikel von der NASA über die infrarote Strahlung. Visuell An den Infraroten Wellenlängenbereich schließt das rote Licht an und geht bis zum blauen Licht. Es ist jener Wellenlängenbereich, den wir mit dem Auge wahrnehmen und wo es die meisten Beobachtungen gibt. Die Sonne wird konstant von erdgebundenen Teleskopen, sowie vom Weltraum aus beobachtet. Es gibt einige Teleskope, die im Visuellen arbeiten. Dabei gibt es auch spezielle Teleskope, die lediglich die Sonne beobachten, da aufgrund ihrer Helligkeit besondere Techniken zum Einsatz kommen. Erdgebundene Sonnenteleskope sind zum Beispiel das DKIST (Daniel K. Inouye Solar Telescope, das größte erdgebundene Teleskop, das die Sonne beobachtet), das Vacuum Tower Telescope (VTT), das Swedish Solar Tower Telescope (SST), GREGOR oder das European Solar Telescope (EST). Im Weltall beobachtet z.B. Solar and Heliospheric Observatory (SOHO) oder Solar Dynamics Observatory (SDO) die Sonne, unter anderem auch im Visuellen. Auf der Sonnenoberfläche kann man Granulation und magnetische Phänomene, wie Sonnenflecken oder Flares sehen, wobei diese auch in anderen Wellenlängen zu sehen sind. Man kann neben der magnetischen Aktivität auch die Variabilität beobachten. Durch Beobachtungen im visuellen Bereich wird auch die Rotationsperiode bestimmt, was für weitere Beobachtungen in anderen Sternensystemen wichtig ist. Außerdem können stellare Parameter, wie die Effektivtemperatur oder die Metallizität bestimmt werden. Auch der Carrington Event, von dem wir schon in der ersten Folge gesprochen haben, konnte im visuellen Wellenlängenbereich beobachtet werden. Durch den Carrington Event wurde das erste Mal der Zusammenhang zwischen einem Sonnensturm und dem Magnetfeld der Erde hergestellt. Ultraviolett Nun kommen wir schon zu den ganz kurzen und energetischen Wellenlängen. Ultraviolette Strahlung (UV) schließt an das blaue Licht an und wird in nahes, fernes und extremes UV unterteilt. Dieser Wellenlängenbereich reicht von 10nm bis 400nm und kann nur vom Weltraum aus beobachtet werden, da die Erdatmosphäre diesen Teil des elektromagnetischen Spektrums blockiert. Teleskope, die die Sonne im UV beobachten sind SOHO und SDO. Auf deren Website kann man beispielsweise die aktuelle Sonne im UV mit den spannenden Phänomenen, wie Flares und Filamente, sehen. Allgemein sieht man Phänomene, die bei hohen Temperaturen entstehen. So sieht man beispielsweise magnetische Loops aus der Sonnenoberfläche und beobachtet vor allem die äußersten Schichten der Sonne, die Chromosphäre und Korona. Hier gibt es ein Video von der NASA über die Sonne im UV, aufgenommen von SDO. Röntgenstrahlung Diese Wellenlänge ist hochenergetisch und wird in weiche und harte Röntgenstrahlung unterteilt. Man kann sie nur vom Weltraum aus beobachten, da die Erdatmosphäre diesen Teil des elektromagnetischen Spektrums schluckt (absorbiert). Instrumente in dieser Wellenlänge arbeiten auch ganz anders als die Visuellen und sind ganz anders aufgebaut. Die modernsten Teleskope arbeiten mit 3- oder 4-fach verschachtelten Spiegelsystemen, die in Längsrichtung nur wenig gekrümmt sind und an langgestreckte Zylinder erinnern. Instrumente der Röntgenstrahlung sind beispielsweise Chandra X-ray Observatory oder das europäische XMM-Newton. Beide wurden Ende 1999 gestartet. In diesem hochenergetischen Wellenlängenbereich sieht man sehr hochenergetische Strahlung und man beobachtet hochenergetische Elektronen und ionisierter Materie. Dabei werden Teilchen auf relativistische Geschwindigkeiten beschleunigt und es gibt sie bei sehr hohen Temperaturen von Millionen von Grad. In der Röntgenstrahlung kann die Chromosphäre, Transitionregion und Korona, die äußersten Atmosphärenschichten der Sonne, aber auch magnetische Loops, beobachtet werden. Hier ein Artikel über die Sonne in der Röntgenstrahlung. Wie weit kann man in die Sonne sehen? Was ist denn nun die tiefste Schicht, die wir auf der Sonne beobachten können? Mit einer Methode, der Asteroseismologie können sogenannte "Sonnenbeben" beobachtet werden, die Aufschluss über den inneren Aufbau der Sonne geben. Ansonsten sehen wir im Optischen und IR die Photosphäre, eine Schicht der Atmosphäre. Fazit Wie wir gesehen haben kann man die Sonne mit Teleskopen von der Erde und vom Weltall aus beobachten, und man kann je nach Beobachtungsart neue Erkenntnisse über verschiedene physikalische Phänomene der Himmelskörper erlangen. So wird die heiße Sonnenkorona im Ultravioletten, und damit höher energetischen Bereich beobachtet, während sich die Oberfläche im sichtbaren Licht befindet und auch Infrarotstrahlung vorkommt. Bevorzugte Wellenlänge und Hörerfrage Zum Schluss unterhalten sich Eva und Teresa noch, welche ihre bevorzugte Wellenlänge ist. Zum Schluss gab es noch eine Hörerfrage kommt von Alex, der uns auf Instagram geschrieben hat. Er wollte wissen, wie lange wir denn für die Vorbereitung einer Folge brauchen. Das ist nicht so einfach zu beantworten, da beide immer wieder neue spannende Aspekte des Themas entdecken, das recherchiert werden will und dabei die Zeit vergessen wird. Wir hoffen es hat wieder Spaß gemacht und freuen uns aufs nächste Mal! Weiterführende Links Der Großteil an Informationen wurde aus der Vorlesung "Aktuelle Beobachtungs- und Analysemethoden von X-Ray bis Radio" genommen, welcher im Sommersemester 2021 an der Universität Wien von Dr. Yanina Metodieva und Dr. Sudeshna Boro Saikia abgehalten wurde. An dieser Stelle möchten wir uns auch herzlich bei Dr. Yanina Metodieva bedanken. Ein interessanter Artikel über die Sonne in verschiedenen Wellenlängen. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Redbubble Evi| Instagram Evi Du möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!Für deinen Zugang zu zielgerichteter Podcast-Werbung, klicke hier.Audiomarktplatz.de - Geschichten, die bleiben - überall und jederzeit!
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Jul 28, 2022 • 19min

CL002 - Über die Sonne und den Klimawandel

Die Episode über die Sonne und ihren Einfluss auf den Klimawandel CL002 - Über die Sonne und den Klimawandel Die Episode über die Sonne und ihren Einfluss auf den Klimawandel Es ist Sommer und es ist heiß. Aber viel heißer als es normal wäre und der Grund dafür ist die Klimakrise. Und wer ist daran schuld? Die Sonne und ihre Aktivität, meinen zumindest einige. Was die Sonne wirklich mit der Klimakrise zu tun hat und ob man die Ursache der Klimakrise in der Astronomie suchen muss, wird Thema dieser Folge sein. Begrüßung Eva und Teresa treffen sich mitten in der größten Hitzewelle dieses Sommers. Bisher jedenfalls, denn es kann durchaus noch wärmer werden. In den Medien wird das mit harmlosen Bildern aus Freibädern begleitet; in der Realität sind diese Hitzetage aber alles andere als harmlos. Deswegen wird es in dieser Folge darum gehen, was denn jetzt wirklich die Ursache der Klimakrise ist, und wie viel Einfluss die Sonne und astronomische Ereignisse dabei haben. Wer ist schuld am Klimawandel? Es gibt Leute, die behaupten, dass die Menschen nichts für die Erwärmung der Erde können, sondern stattdessen die Sonne schuld an allem ist; die Sonnenaktivität soll dafür der Grund sein, dass es jetzt wärmer ist. Die Aktivität der Sonne war ja schon das Thema der letzten Folge und in dieser Folge wollen wir ihre Auswirkung auf das Klima der Erde näher betrachten. Natürlich hat die Sonne einen Einfluss auf das Klima; sie treibt mit ihrer Energie alles an. Dabei geht es bei der Sonnenaktivität um die hydrodynamischen und elektromagnetischen Aktivitäten im heißen Plasma der Sonne. Die Auswirkungen davon zeigen sich in Form von Sonnenwinden, Sonnenflecken, Protuberanzen, koronalen Massenauswürfen, und so weiter. Die Aktivität der Sonne ist wichtig für uns; sie führt aber definitiv nicht dazu, dass sie relevant heller oder dunkler wird. Auf Webseiten wie der Homepage des Weltraumteleskops SOHO dem Twitter-Account von DLR Next kann man sich die Aktivität der Sonne täglich ansehen. Die Klimabilanz und die Sonne Wie viel Energie von der Sonne auf die Erde kommt lässt sich messen und ist durch die Solarkonstante definiert, welche sich kaum ändert. Aus den Messungen von Satelliten und auch aus Eisbohrungen und anderen indirekten Messmethoden wissen wir, dass in den letzten 9000 Jahren kaum Änderungen bei der Solarkonstante stattgefunden haben. Die Sonnenaktivität selbst schwankt in einem 11-Jahres-Zyklus, aber auch das hat keine Auswirkungen auf das Klima, denn das was wir an Klimawandel in den letzten Jahrzehnten beobachten, läuft ja auch auf anderen Zeitskalen ab. Die Erde wird immer wärmer; die Sonnenaktivität aber wird alle 11 Jahre stärker und schwächer. Und die Entwicklung der Sonne selbst läuft auf Zeitskalen von Milliarden Jahren ab. Die kosmische Strahlung und das Klima Die Behauptung, dass die Sonnenaktivität das Klima beeinflusst, geht auf eine wissenschaftliche Arbeit des Physikers Hendrik Svensmark aus dem Jahr 1997 zurück (kann man hier nachlesen). Seine These: Von überall aus dem Universum kommt kosmische Strahlung ins Sonnensystem. Die Teilchen dieser Strahlung beeinflussen die Wolkenbildung auf der Erde und damit indirekt das Klima. Wie viel kosmische Strahlung von außen kommt hängt aber von der Stärke der Sonnenaktivität ab: Je aktiver die Sonne selbst ist, desto mehr kosmische Strahlung kann sie “abblocken”. Und so wird durch die Sonnenaktivität das Klima auf der Erde moduliert. Das ist prinzipiell nicht unplausibel. Und eine Hypothese, die von der Wissenschaft durchaus ernsthaft untersucht worden ist. Mit dem Resultat allerdings, dass das nicht so funktioniert, wie Svensmark sich das vorgestellt hat (hier kann man mehr dazu lesen und hier was dazu hören). Konkrete Experimente am CERN haben auch klar gezeigt, dass der Effekt der Wolkenbildung durch kosmische Strahlung zwar vorhanden, aber viel zu klein ist, um Einfluss auf das Klima zu haben. Die Milankovic-Zyklen Es gibt auch noch andere astronomische Einflüsse auf das Klima, zum Beispiel durch die sogenannten Milankovic-Zyklen. Diese beschreiben die langfristigen Schwankungen der Erdachse und der Erdbahn, wodurch sich die Menge an Sonnenstrahlung verändert, die uns erreicht. Das läuft aber im Verlauf von Jahrzehntausenden ab und verursacht ebenso langfristige Änderungen im Erdklima in Form von Eis- und Warmzeiten. Im Laufe der Erdgeschichte gab es Phasen, in denen es mal wärmer, mal kälter war, aber die derzeit sehr schnell ablaufende Klimaerwärmung kann dadurch nicht erklärt werden. Im 18. Jahrhundert betrug die Menge an CO2 in der Luft 280 ppm (parts per million). Heute sind es 420 ppm. Dieser rasante Anstieg ist nicht anders als durch den menschlichen Einfluss erklärbar. Was sagt der IPCC-Bericht? Die Klimaforschung hat sich die Sache mit der Sonnenaktivität und den Milankovic-Zyklen natürlich auch angesehen. Und kommt im aktuellen Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC zu einem eindeutigen Ereignis, das man sich in dieser Grafik ansehen kann: Die dottergelbe Kurve für “solar” schwankt zwar ein wenig, kann aber definitiv nicht alleine die schwarze Linie (“total”) erklären. Wie winzig der Einfluss der Sonnenaktivität ist, lässt sich auch an dieser Abbildung aus dem IPCC-Bericht ablesen, auf der man den Balken für die “solar and volcanic drivers” kaum erkennen kann: Wer noch mehr über den Klimawandel und seine Einflussfaktoren hören möchte, dem sei der Podcast “Das Klima” von Florian Freistetter und Claudia Frick ans Herz gelegt, die sich mit besonderer Detailtreue dem Sachstandsberichts des IPCC widmen. Episode DK005 können wir euch an dieser Stelle besonders empfehlen. Wer sich einen genaueren Überblick über den CO2-Anteil in der Atmosphäre im Laufe der Geschichte verschaffen möchte, kann gerne einen Blick auf die "Keeling Curve" werfen, die ihr hier findet. Hier wird die Zunahme der CO2 Konzentration in den letzten 50 Jahren besonders deutlich. Die Klimakrise ist menschengemacht; daran gibt es keinen Zweifel und da können wir uns auch nicht rausreden. Und selbst wenn es nicht so wäre: Die Erde würde dann ja immer noch wärmer werden und wir müssten immer noch mit den Folgen klar kommen. Ein positiver Ausblick Ein positiver Ausblick bleibt aber: Wir können etwas tun gegen die Klimakrise. Noch zumindest und auch nur dann, wenn wir das, was wir tun können, auch tatsächlich tun. Weiterführende Links Direkt zu den entsprechenden Kapiteln des IPCC-Berichts kommt ihr hier, insbesondere Seite 296 und Seite 311 solltet ihr euch anschauen. Und eine Zusammenfassung des ganzen ersten Teils des Berichts gibt es hier. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Redbubble Evi| Instagram Evi Du möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!Für deinen Zugang zu zielgerichteter Podcast-Werbung, klicke hier.Audiomarktplatz.de - Geschichten, die bleiben - überall und jederzeit!
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Jun 23, 2022 • 21min

CL001 - Über Cosmic Latte und was die Sonne so alles auf der Erde anstellt

Die Episode über Cosmic Latte und das Weltraumwetter CL001 - Über Cosmic Latte und was die Sonne so alles auf der Erde anstellt All das und noch viel mehr beantworten wir in unserer ersten Folge bei einer guten Tasse Kaffee. Vorstellung und Begrüßung Zu Beginn gibt es erst mal eine Vorstellung von Teresa und Eva, den Protagonistinnen des Podcast. Eva und Teresa berichten was sie zum Astronomie Studium an die Universität Wien gebracht hat. Gemeinsam verbindet sie die Neugierde, den Sachen auf den Grund zu gehen und die Dinge, die im Weltall passieren, zu ergründen. Was ist ein "Cosmic Latte" Es hat einen bestimmten Hintergrund, warum der Podcast den Namen „Cosmic Latte“ trägt. Eine Studie im Jahr 2002 ermittelte die Farbe des Universums basierend auf 200.000 Galaxien. Dabei wurde das gesamte sichtbare Licht von einem repräsentativen Teil des Himmels genommen und aus all den Farben ein Durchschnitt ermittelt. Diese gemittelte Farbe des Universums ist nicht schwarz, wie manche vermuten könnten, sondern, beige. Und nachdem beige etwas langweilig klingt, wurde eine Abstimmung zum Namen gemacht und am Ende haben sich die Wissenschaftler für den Namen „COSMIC LATTE“ entschieden. In Anlehnung an das italienische Wort für Milch und zu Ehren unserer Milchstraße, die ja auch ihren Beitrag dazu geleistet hat. Und das passt dann wieder hervorragend zu den Kaffeehausgesprächen über Astronomie. Für alle die es übrigens genau wissen wollen, die Farbe unseres Titelschriftzugs ist in der Farbe „Cosmic Latte“ mit dem Hexadezimalcode #FFF8E7. Den Link zur Studie findet ihr hier: Cosmic Latte Survey Wie ist das Wetter auf der Sonne? In der ersten Folge reden wir über das Weltraumwetter. Warum haben wir genau dieses Thema gewählt und was ist dieses Weltraumwetter überhaupt? Wir haben beide die Vorlesung „Sonne und Weltraumwetter“ besucht und waren damals überrascht, wie spannend das Thema ist. Für uns war es ein Wegweiser für den weiteren Weg in der Astronomie, und hat uns so sehr fasziniert, dass wir uns vorstellen können in diese Richtung zu forschen. Das Weltraumwetter ist vor allem von der Sonne beeinflusst, welche Plasmawolken mit einer großen Menge an Partikel in Form eines Sonnenwindes in das Weltall schleudern kann. Aber auch die kosmische Strahlung beeinflusst das Wetter im All, wovor uns der Sonnenwind wiederum schützt. Und wenn die Sonne mal gigantische Massen an Sonnenplasma in Form eines koronalen Massenauswurfes in das Weltall schleudert und es die Erde erreicht, dann kann das unterschiedliche Phänomene auslösen, wie zum Beispiel Polarlichter. Welche Auswirkungen hat das Weltraumwetter auf uns? In unseren Breitengraden sind diese schönen Lichter allerdings nicht so häufig zu sehen. Wenn wir sie allerdings doch einmal zu sehen bekommen, dann war das schon ein sehr starker Ausbruch auf der Sonne, der sich Richtung Erde bewegt hat. Solche Events gab es bereits in der Vergangenheit, wie etwa im Jahr 1859. Da gab es einen sehr starken Ausbruch auf der Sonne, einen sogenannten koronalen Massenauswurf, der direkt auf die Erde gerichtet war. Dieser war auf der Erde zu sehen und zu bemerken (Telegrafen sprühten Funken). Der Astronom Richard Carrington beobachtete den Ausbruch auf der Sonne und konnte als erster Mensch den 20 Stunden später eintreffenden Sonnenwind und dessen Interaktion mit dem Erdmagnetfeld feststellen. Das war zugleich der Startschuss für die Beobachtung des Weltraumwetters. Würde so ein Event heute passieren, hätte dieser einen großen Einfluss, auf unsere Technik, aber auch auf die Raumfahrt. Das kann dann sehr gefährlich werden. In den 1970ern, zur Zeit der Apollo Missionen, gab es beispielsweise einen koronalen Massenauswurf, der in den frühen Morgenstunden erfolgte. Wären zu diesem Zeitpunkt Astronauten im Weltall gewesen, dann hätten sie am Nachmittag die tödliche Strahlendosis erreicht. Es ist also sehr wichtig bei geplanten Weltraummissionen auf ausreichend Schutz vor derartiger Strahlung zu sorgen. Auf der ISS schützen sich die Astronauten hinter Wassertanks. Ein weiterer wichtiger Punkt, um sich rechtzeitig zu schützen, betrifft daher die Vorhersage des Weltraumwetters, ähnlich wie auf der Erde, um sich dementsprechend vorzubereiten. Dazu ist es auch notwendig zu wissen, wie schnell sich diese Winde ausbreiten. Denn es gibt langsame und schnelle Sonnenwinde. Wenn auf der Sonne ein Flare, ein sogenannter Lichtblitz, zu sehen ist, dann kann dieser Röntgenstrahlung produzieren, welcher sich dann mit Lichtgeschwindigkeit zur Erde ausbreitet. Diese Strahlung messen wir dann erst, wenn wir sehen, dass so ein Event auf der Sonne überhaupt stattgefunden hat. Wir können uns also nicht darauf vorbereiten. Allerdings gibt es auch noch langsamere Sonnenwinde, die sich mit geringerer Geschwindigkeit ausbreiten und etwa zwei bis vier Tage, mindestens aber 12 Stunden, benötigen, um zur Erde zu gelangen. Normale Sonnenwinde brauchen im Gegensatz dazu fünf bis sechs Tage. Zum Glück haben wir auf der Erde das Erdmagnetfeld und die Atmosphäre, die uns vor der Sonnenstrahlung schützen. Erfolgt jedoch ein sehr starker Ausbruch auf der Sonne, so kann der Schutz zu wenig sein und verschiedenste Effekte hervorrufen, wie beispielsweise Stromausfall oder Ausfall im Radio- und Funkverkehr. Dabei sind vor allem die obersten Schichten der Atmosphäre davon betroffen, in der sich Satelliten und die ISS befinden. Aber auch Navigation, Telekommunikation und das Stromnetz sind davon betroffen. 1989 gab es beispielsweise in Kanada einen neunstündigen Stromausfall aufgrund eines Sonnenwindes. Was kann man nun machen, wenn einmal so ein Sturm bis zur Erde gelangt? Wie kann man sich am besten davor schützen? Wenn man es früh genug weiß, dann können Satelliten in einen sicheren Ort manövriert, Flugzeuge auf eine andere Route gelenkt und Generatoren auf niedrigere Frequenzen runtergefahren werden, um Stromausfälle zu verhindern. Wie wir sehen, ist die Forschung und die Beobachtung der Sonne sehr wichtig. Dazu gibt es ein Beobachtungsprogramm der ESA, welche die Sonne und das Weltraumwetter permanent beobachtet und versucht Sonnenwinde zur Erde bestmöglich vorherzusagen. Es gibt auch eine Website, wo man täglich die Vorhersagen über Sonneneruptionen sehen kann. Siehe dir dazu folgende Seiten an: https://www.swpc.noaa.gov/ https://swe.ssa.esa.int/current-space-weather https://spaceweather.com/ Ausblick auf das Thema der nächsten Folge Wir haben gesehen, dass die Sonne mit ihren Phänomenen wie den Sonnenwinden einen großen Einfluss auf die Erde haben kann. Dabei beeinflusst sich auch das Klima. Wie diese Effekte der Sonne genau aussehen und welche Rolle diese bei der aktuellen Klimaerwärmung haben, könnt ihr in unserer nächsten Folge hören. Viel Spaß beim Hören! Eure Teresa und Eva Einen interessanten Artikel über das Weltraumwetter findet ihr hier Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder schaut auf cosmiclatte.at. Und sonst findet ihr uns hier: Instagram Cosmic Latte | Twitter Cosmic Latte Redbubble Evi| Instagram Evi Du möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!Für deinen Zugang zu zielgerichteter Podcast-Werbung, klicke hier.Audiomarktplatz.de - Geschichten, die bleiben - überall und jederzeit!

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