

provisorisch legal - der Drogen-Podcast
Lidia Polito, Tom Dietrich
Der Podcast über Drogen und alles, was damit zu tun hat: Substanzforschung, Geschichte, Substitution, Rausch, Abhängigkeit, Legalisierung. Einmal im Monat erzählt ein Gast neuen Input aus der Welt der bewusstseinserweiternden Substanzen.
Ihr könnt provisorisch legal per E-Mail erreichen:
provisorischlegal@gmail.com
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Episodes
Mentioned books

May 7, 2026 • 1h 21min
Placebos, Drogen & das Problem mit dem Beipackzettel (mit Martin Andree)
„Das ist bestimmt nur Placebo.“ – Diesen Satz haben wir alle schon einmal gehört oder sogar benutzt. Doch wird man damit einem Effekt gerecht, der nicht nur einen wesentlichen Anteil der Wirkung von Medikamenten ausmacht, sondern auch ganz unmerklich unseren Alltag durchdringt?
Gemeinsam mit dem Medienwissenschaftler Martin Andree widmen wir uns in dieser Folge dem Placeboeffekt in all seinen Facetten. Wir sprechen über Placebos, Nocebos, Psychosomatik, Homöopathie, Medienwirkung, Placebo-Operationen, Marketing, Sport und Dr. Google. Außerdem klären wir, warum die Geschichte der Medizin eigentlich eine Geschichte des Placebos ist, warum Musik und Ärzt:innen wie Drogen wirken, ob man an einem Nocebo sterben kann und warum Beipackzettel einen Beipackzettel brauchen.
Literatur:
Andree, Martin: Placebo-Effekte. Heilende Zeichen, toxische Texte, ansteckende Informationen. München 2018.

Dec 3, 2025 • 55min
Fluch und Segen Antidepressiva (mit Nils Kroemer)
Antidepressiva gelten in Zeiten steigender Depressionsraten und fehlender Therapieplätze für viele als Mittel der Wahl. Heute werden sie rund achtmal häufiger verschrieben als noch in den 1990er-Jahren. Gleichzeitig ist ihre Wirksamkeit seit Jahren Gegenstand kontroverser Debatten. Besonders seit 2008, als Irving Kirsch und sein Team in einer Metaanalyse unveröffentlichte und veröffentlichte Studien der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA auswerteten. Ihr Ergebnis: Antidepressiva wirken — wenn überhaupt — nur bei sehr schweren Depressionen stärker als ein Placebo. Die Studie findet ihr hier.
Sowohl in der klinischen Praxis als auch in der Forschung herrscht bis heute Uneinigkeit: Sind Antidepressiva Fluch oder Segen? Viele Betroffene profitieren kaum oder gar nicht von der Einnahme, manche kämpfen mit starken Nebenwirkungen, andere haben große Schwierigkeiten beim Absetzen.
Zu Gast ist Prof. Dr. Nils Kroemer. Er ist Professor für Medizinische Psychologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, leitet eine Arbeitsgruppe im Bereich Translationale Psychiatrie an der Eberhard Karls Universität Tübingen und das NeuroMADLAB. Sein Forschungsschwerpunkt: die neurowissenschaftlichen Grundlagen von Motivation, Handlungen und Verlangen. Er untersucht, welche Rolle Motivation beziehungsweise Antriebslosigkeit im Rahmen einer Depression spielt und inwiefern sich Motivation durch körpereigene Mechanismen wiederherstellen lässt – um depressive Symptome lindern zu können. Im Gespräch erklärt er außerdem, wie Antidepressiva entwickelt wurden, wie sie wirken und warum er sie trotz aller Kritik für einen wichtigen Baustein in der Behandlung von Depressionen hält.

Jul 2, 2025 • 1h 2min
Wem gehört der öffentliche Raum? (Live im Schauspiel Köln)
„Die Obdachlosen sind die Zeugen der Wahrheit, die die Gesellschaft nicht hören will“, schreibt Adorno in seinen Minima Moralia. Diese Wahrheit ist unbequem. Sie zeigt sich im öffentlichen Raum, in Großstädten, in Köln etwa an Orten wie dem Neumarkt oder dem Wiener Platz.
In dieser Folge fragen wir: Wem gehört der öffentliche Raum? Und was bedeutet er für diejenigen, die keinen privaten Raum haben?
Gemeinsam mit Claudia und Bina von Vision e.V. und dem Journalisten Max Hübner sprechen wir über die aktuelle Situation wohnungsloser und konsumierender Menschen am Beispiel Köln, über Rückzugsorte, Drogenkonsumräume – und darüber, was sich ändern muss.
Diese Folge wurde am 19.6.2025 live in der Grotte des Schauspiel Köln im Rahmen der Veranstaltungsreihe Studiobüdchen aufgenommen.

14 snips
Apr 1, 2025 • 1h 15min
Von psychedelischen Plattitüden, Neuropsychedelia und der Liberalisierung von rechts (mit Nicolas Langlitz)
Nicolas Langlitz, Anthropologe und Wissenschaftshistoriker an der New School, forscht zu Psychedelika und schrieb 'Neuropsychedelia'. Er spricht über Feldforschung in Neuroimaging‑Laboren. Er diskutiert Mystik versus Materialismus, Huxleys Perennial Philosophy und warum einfache psychedelische Aussagen tiefer liegen können. Außerdem thematisiert er rechte Begeisterung für Psychedelika, die Krise der Psychopharmakologie und Bücher als Einflussfaktor.

Jan 8, 2025 • 1h 14min
Mode & Drogen: Wie funktioniert der Heroin Chic? (mit Melanie Haller)
Augenringe, blasse Haut, extrem schlanke Körper – inszeniert vor heruntergekommenen Industriefassaden. Der Heroin Chic war eines der prägendsten und umstrittensten Modephänomene der 90er-Jahre und zumindest der Begriff erlebt seit kurzem ein Comeback.
Aber wie genau funktioniert der Heroin Chic eigentlich? Warum kaufen wir Kleidung, die von kränklich wirkenden Models beworben wird? Und was verrät das über unsere Gesellschaft?
Darum geht es im Gespräch mit Melanie Haller, Professorin für Geschichte und Theorie der Mode, des Designs und der Ästhetik an der Akademie Mode und Design der Fresenius Hochschule in Hamburg.
Wir sprechen ausführlich über die Entstehungsgeschichte des Heroin Chic, seine Abgrenzung zur Mode der 80er-Jahre, Fotografien von Corinne Day und Mario Sorrenti, Bill Clintons Kritik an der Modeindustrie, Mode und Vergänglichkeit, die Ästhetik des Krankseins, den Emo-Style, Ozempic Chic, Raf Simons, Christiane F. und den nicht-drogeninduzierten Rausch der Mode.
Corinne Day – Georgina, Brixton:
https://collections.vam.ac.uk/item/O83171/georgina-brixton-photograph-day-corinne/
Calvin Klein Kampagne mit Kate Moss:
https://beauty.at/parfum/woman/Calvin-Klein-Obsessed.html
Raf Simons Kampagne:
https://www.vogue.de/mode/artikel/raf-simons-christiane-f-herbst-winter-kollektion
Bill Clinton Rede:
https://www.c-span.org/video/?81488-1/administration-drug-policy
Literatur:
Arnold, Rebecca: Heroin Chic. In: Fashion Theory. The Journal of Dress, Body & Culture. 3 (1990), S. 279-295.
Sontag, Susan: Krankheit als Metapher. Frankfurt 1996.
Weis, Diana: Somästhetik. Moderne, Drogen und Depression. In: Pop. Kultur und Kritik. Bielefeld 2019. 14 (2019), S. 25-35.

Dec 6, 2024 • 48min
Reifen wie der Kratom-Baum (mit Fabian Steinmetz)
Aus den Blättern des Kratombaums wird in Indonesien, Thailand und Malaysia traditionell ein Tee gekocht, der Schmerzen lindert und entspannt. Verbreitet ist außerdem die Blätter zu kauen, um länger wach bleiben und schwere körperliche Arbeit besser aushalten zu können. Kratom ist ein leichtes Opioid und wird deshalb vor allem in den USA immer beliebter: Die Opioidkrise lässt Menschen nach Alternativen zu etwa Fentanyl suchen. Unternehmen entwickeln Kratom-Extrakte, die sehr viel potenter sind, als die reinen Blätter oder das daraus gewonnene Pulver. Kratom gewinnt auch in Deutschland mehr Aufmerksamkeit. Toxikologe Fabian Steinmetz erklärt in dieser Folge, warum das so ist und warum Kratom ihn schon sehr viel länger interessiert.
Fabian Steinmetz arbeitet als Toxikologie bei Delphic HSE und engagiert sich als aktives Mitglied beim Drogenexperten-Netzwerk Schildower Kreis und beim Deutschen Hanfverband Darmstadt.
Ihr könnt ihm auf X und Instagram folgen.

Sep 5, 2024 • 1h 8min
Khat – eine unbekannte Volksdroge (mit Michael Odenwald)
Obwohl Khat in manchen Ländern von mehr als der Hälfte der Bevölkerung konsumiert wird, ist es hierzulande kaum jemandem ein Begriff.
Im Interview erzählt der Psychologe Michael Odenwald, was Khat ist und wie es in den Ländern Ostafrikas und der arabischen Halbinsel den Alltag prägt.
Außerdem geht es unter anderem um die Bedeutung des Kauens als primäre Konsumform, Khat als „milde Droge“, Khatkonsum in militärischen Konflikten, Konsum unter Frauen und der Prohibition von Khat in Europa.

Aug 4, 2024 • 1h 24min
Untote Tabus (mit Stefan Hain)
In dem Vortrag "Sexualtabus und Recht heute", den Theodor W. Adorno 1967 vor Studierenden der Uni Wien hält, stellt er die Frage, warum "Rauschgiftsüchtige" mit einer so allgemeinen Wut verfolgt werden. Diese Wut könne nicht mit der Schädlichkeit der Substanzen erklärt werden, denn die Frage, wie schädlich sie tatsächlich sind und welche es vielleicht überhaupt nicht sind, werde nicht zur geprüft. Noch heute gibt es Tabus und scheinbar gefallene Tabus, die eine solche Wut auslösen.
In dieser Folge entfernen wir uns etwas vom Grundthema des Podcasts und wollen mit Gast Stefan Hain uns dem Tabuthema Tabus tatsächlich etwas nähern. Im Gespräch geht es vor allem um Sexualtabus, denn wir greifen immer wieder den Vortrag von Adorno auf. Außerdem lässt sich an der Geschichte der Sexualtabus auch viel über andere Tabus lernen.
Stefan Hain war bereits Gast bei Provisorisch legal. In der Folge "Keine richtige Therapie im Falschen?" sprechen wir über Freud, Psychotherapie und Kritik an ihr. Stefan Hain hat Psychologie in Frankfurt a.M. und Berlin studiert. Für die Platypus Review schreibt er regelmäßig Artikel über marxistische Fragestellungen.
Hier könnt ihr den in der Folge erwähnten Vortrag "Sexuelle Befreiung und die Linke" von Stefan nachlesen.
Wer ihn lieber hört, findet ihn hier..

Jun 30, 2024 • 1h 10min
Mutterkorn und Zauberpilze (mit Beat Bächi)
LSD und Psilocybin sind vielen Menschen ein Begriff. Doch woher kommen diese Substanzen überhaupt und wie wurden sie entdeckt?
Damit hat sich der Agrar- und Medizinhistoriker Beat Bächi in seinem Buch »LSD auf dem Land. Produktion und kollektive Wirkung psychotroper Stoffe« ausführlich beschäftigt. Sein Fokus liegt auf den Ausgangsstoffen: dem Mutterkorn und den mexikanischen Zauberpilzen.
Die Studie ist zugleich ein Einblick in eine Zeit, in der LSD und Psilocybin noch nicht synonym für Hippiebewegung, Psychedelic und Gegenkultur standen, sondern Forschungsgegenstände waren, deren zukünftige Verwendung alles andere als gewiss war.
Im Gespräch geht es unter anderem um die Enthistorisierung von Pflanzen, die Rolle Albert Hofmanns, LSD als Fast-Nicht-Materie, Hobbyforschungen von Wall-Street Bankern, Elite-Theorien, psychotrope Substanzen als Waffe und die Entzauberung der Zauberpilze.

May 2, 2024 • 1h 10min
Der große Rausch (mit Helena Barop)
Vom Medikament zur Sünde
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde zwischen Medikament und Droge nicht unterschieden. In der Apotheke waren alle Substanzen gleichermaßen erhältlich. Die berauschenden und bewusstseinserweiternden Effekte einiger dieser Substanzen, wurden vor allem für die Romantiker zur Inspirationsquelle – und riefen sogleich die Gegner von Rausch und Müßiggang auf den Plan.
Helena Barop zeichnet in ihrem neuen Buch "Der große Rausch" die Entwicklung von frei zugänglichen Medikamenten bis zur Verteufelung als Sünde in Amerika und Europa nach. Zum zweiten Mal als Gast in diesem Podcast, fokussieren wir uns dieses Mal auf die Zeitspanne von 1804 bis in die 1950er Jahre.
Die andere Folge findet ihr hier.


