Ehen zwischen Siedlern und Indigenen in Namibia verboten
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Apr 18, 2025
Zu Beginn der Kolonie Deutsch-Südwestafrika heiraten Siedler einheimische Frauen, was zu einem erschütternden Eheverbot führt. Die Angst vor dem Verlust der deutschen Identität und die Rolle von indigenen Frauen in der Gesellschaft sind zentrale Themen. Rassistische Untertöne durchziehen die koloniale Gesetzgebung und beeinflussen das tägliche Leben der Betroffenen gravierend. Interessante Parallelen werden zwischen kolonialen Rassengesetzen und den Nürnberger Gesetzen des Nationalsozialismus gezogen, die auch moderne Identitätsdebatten prägen.
14:20
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question_answer ANECDOTE
Umgang mit kolonialer Sprache
Zeitgenössische Quellen benutzen rassistische Begriffe, die heute unangebracht sind.
Historiker betonen, dass Autoren der Quellen Kinder ihrer Zeit waren.
insights INSIGHT
Kulturrassismus und Ehen
Kulturrassismus bewertete Kolonisierte als kulturell niedrigere Stufe.
Ehen zwischen Siedlern und Indigenen wurden anfangs als Erziehungsmöglichkeit gesehen.
insights INSIGHT
Biologischer Rassismus in Kolonien
Der Kolonialgouverneur behauptet, Ehen mit 'tiefer stehender Rasse' ziehen Weiße herunter.
Biologischer Rassismus wertete Kinder solcher Verbindungen als minderwertig.
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Zu Beginn der Kolonie Deutsch-Südwestafrika heiraten Kolonisten auch einheimische Frauen. Der alltägliche Rassismus führt schließlich zu einem Eheverbot durch die Behörden.
In diesem Zeitzeichen erzählt Tobias Sauer:
wie es zu einem Ehe-Verbot kommt, das auch rückwirkend gelten soll,
warum sich die Kolonialverwaltung vor Kindern fürchtet,
warum man davon ausgeht, weiße Frauen könnten dem Tropenklima nicht standhalten,
warum das Berliner Reichsjustizamt das Ehe-Verbot kritisch sieht,
welche Auswirkungen das Verbot auf das alltägliche Leben hat.
Seit Gründung der Kolonie Deutsch-Südwestafrika 1884 bis zu ihrem Ende ziehen 15.000 Deutsche dorthin, um sich ein neues Leben aufzubauen. Viele sind jung, unverheiratet und getrennt von ihren Familien. Einige von ihnen heiraten deshalb einheimische Frauen.
Doch bald wächst die Angst, diese Siedler könnten im fernen Afrika ihr Deutschsein verlieren. Zudem sind nach deutschem Staatsbürgerschaftsrecht sowohl die Ehefrauen als auch die Kinder deutscher Männer automatisch deutsche Staatsbürger. Auch das gefällt nicht jedem. So verbietet das Kolonialgouvernement 1905 Eheschließungen zwischen deutschen Siedlern und indigenen Frauen. Später müssen sogar bereits geschlossene Ehen wieder aufgelöst werden.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
Livia Rigotti, Historikerin
Jürgen Zimmerer, Historiker
Horst Gründer: Geschichte der deutschen Kolonien, Paderborn 2012.
Gisela Graichen, Horst Gründer (Hgg.): Deutsche Kolonien: Traum und Trauma, Berlin 2005.
Jürgen Zimmerer: Deutsche Herrschaft über Afrikaner, Münster 2025.
Jürgen Zimmerer: Von Windhuk nach Auschwitz?, Münster 2025.