Berichte aus einem Dorf, in dem mehrere chinesische Batteriefabriken gebaut werden und Anwohner Angst vor Umweltverschmutzung haben. Diskussionen über hohen Wasser- und Energieverbrauch in einer dürregefährdeten Region. Kritik, dass viele Jobs nur Montagearbeit sind und kaum technologischer Transfer stattfindet. Politische Spannungen und Geheimhaltung von Subventionen prägen die Debatte vor wichtigen Wahlen.
26:16
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Dorfleben Wird Durch Fabrikbau Radikal Verändert
Eva Kosma beschreibt, wie das Dorf Mikepercs durch den Bau chinesischer Fabriken seine Idylle verlor.
Baumaschinen, Hallen und Containerlager stehen nun zwei Kilometer vom Dorf auf 300 Fussballfeldern, nahe Storchennestern.
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Vergifteter Bach Und Späte Behördereingriffe
Anwohnerinnen entdeckten Metallspäne und Öl im Bach neben der Halms-Fabrik und meldeten es anonym.
Die Stadt Debrecen informierte erst zwei Tage nach den Lokalwahlen; die Firma erhielt lediglich eine Geldstrafe.
insights INSIGHT
Akkufabriken Beanspruchen Stadtgleiche Ressourcen
Batterieproduktion verbraucht enormes Wasser- und Energievolumen, vergleichbar mit dem Verbrauch einer ganzen Stadt.
In der Region sinkt der Pegel der Theiß; die Fabrik soll so viel Wasser verbrauchen wie Debrecen selbst.
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Unter Viktor Orban hat sich Ungarn bewusst gegenüber China geöffnet. Mit Erfolg: Kein anderes Land in der EU erhält so viele chinesische Investitionen. Chinesische Firmen bauen Fabriken für Batterien und E-Autos. Doch viele fürchten Umweltschäden und eine ökonomische Sackgasse.
Das Dorf Mikepercs wäre eigentlich eine Idylle. Doch hier baut eine chinesische Firma gleich mehrere Batteriefabriken. Anwohnerin Eva Komza fürchtet sich vor Umweltschäden. Eine bereits eröffnete Fabrik, ebenfalls von einer chinesischen Firma betrieben, hat den Dorfbach verschmutzt. Die Lokalen Behörden ignorierten die Umweltschäden allerdings lange Zeit. Eva Komza ist daher überzeugt: «Die Behörden arbeiten nicht für uns, sondern für die internationalen Firmen».
Weitere Beispiele ausländischer Firmen, die jahrelang für schwere Umweltschäden verursachten, nähren das Misstrauen in der Bevölkerung. Hinzu kommt der hohe Wassert- und Stromverbrauch der Produktion in einem Land, das zunehmend mit Wasserknappheit zu kämpfen hat und von ausländischer Energie abhängig ist.
Doch auch Wirtschaftsexperten und -expertinnen sind skeptisch. Die Produkte, welche die Fabriken herstellen, werden in Ungarn nur zusammengesetzt. Die Einzelteile, und damit auch ein Grossteil der Wertschöpfung, kommen aus China. Ein Wissenstransfer findet kaum statt. Ungarns Wirtschaft profitiere daher langfristig nicht davon, sondern begehbe sich nur in weitere Abhängigkeiten.
Das Misstrauen gegenüber der Regierung, das sich am Beispiel der chinesischen Fabriken zeigt, spiegelt sich auch in den Umfragewerten nieder. Langzeit Premierminister Orban liegt hinter Oppositionsführer Peter Magyar zurück. Die von den Fabriken ausgelösten Umweltprobleme sind Teil des Wahlkampfes für die Wahlen im April, die Victor Orban nach 16 Jahren das Amt kosten könnten.