
WDR Zeitzeichen Der tote Papst Formosus vor Gericht
Apr 4, 2026
Ein grotesker Schauprozess mit einer exhumierten Leiche als Hauptdarsteller. Machtkämpfe und Adelsintrigen im römischen 9. Jahrhundert bestimmen das Geschehen. Diskussionen um das Translationsverbot und kirchenrechtliche Kniffe stehen im Mittelpunkt. Langjährige Parteikämpfe enden erst mit kirchlichen Beschlüssen im 10. Jahrhundert.
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Episode notes
Säkulum Obscurum Als Epoche Brutaler Papstpolitik
- Das Säkulum Obscurum war ein 164 Jahre langes dunkles Jahrhundert mit hoher Papstwechselrate und politischer Gewalt gegen Päpste.
- Zwischen 882 und 1046 regierten 45 Päpste und Gegenpäpste, viele wurden abgesetzt, ermordet oder ins Exil getrieben, was die Instabilität verdeutlicht.
Die Schauerliche Leichensynode Gegen Formosus
- Papst Formosus wurde neun Monate nach seinem Tod aufgebuddelt und vor Gericht gestellt in der sogenannten Synodus horrenda.
- Man setzte die verweste Leiche auf den Papstthron, band sie fest, ein blutjunger Diakon musste als Pflichtverteidiger fungieren und der Leichnam verlor die Schwurfinger.
Translationsverbot Als Politische Waffe
- Das zentrale juristische Argument gegen Formosus war das Translationsverbot, das Bischofswechsel untersagte und ihn des Amtsenthebungswürdigen Ehebruchs bezichtigte.
- Indem Stephan VI. Formosus rückwirkend für ungültig erklärte, machte er auch seine eigene Weihe angreifbar, ein politisches Manöver zur Legitimierung.

