
Armutszeugnis #26: Debanking: Der lange Arm der Regierung Trump
Zivilgesellschaftliche Organisationen in Deutschland sind kürzlich wegen debanking in die Schlagzeilen geraten, etwa der Rechtshilfeverein Rote Hilfe. Debanking bedeutet, dass Banken ihren Kunden plötzlich die Konten kündigen. Diese Praxis ist kein neues Phänomen. Sie wird beispielsweise eingesetzt, wenn Banken vermuten, dass Geldwäsche stattfindet. Die aktuellen Fälle zeigen jedoch: Debanking gewinnt zunehmend an politischer Brisanz. Zumindest im Fall der Roten Hilfe ist klar, dass Maßnahmen der Trump-Administration Auslöser für die Kontokündigung waren. Hiesige Banken lassen sich, vermutlich auch in anderen Fällen, als verlängerter Arm der US-Regierung einspannen. Dahinter steckt unter anderem Trumps Kampagne gegen „die“ Antifa.
Was genau ist debanking, welche Auswirkungen hat es, worauf können sich Banken in ihrer Praxis berufen und warum schützt die Bundesregierung die demokratische Zivilgesellschaft nicht besser vor Maßnahmen ausländischer Regierungen. Und nicht zuletzt: Was kann man gegen debanking tun?
Wir beleuchten die Hintergründe von debanking und haben mit einer Betroffenen gesprochen. Ellen Händler, Vorsitzende des Bunds der Antifaschistinnen und Antifaschisten Treptow, erläutert, was debanking für ihre Vereinsarbeit bedeutet.
Diese Folge haben wir wegen der Osterferien bereits am 24. März aufgenommen. In der Zwischenzeit wurde bekannt, dass sich auch das ZDF Trumps Sanktionspolitik zu eigen macht: ZDF übernimmt Sanktionslisten von Trump-Regierung
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Shownotes:
Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Treptow
Executive Order der Trumpregierung: Designations of Antifa Ost and Three Other Violent Antifa Groups - United States Department of State
Andrea Nüsse: „Ich bin in die 90er Jahre zurückkatapultiert.“ An diesem Mann zeigt sich, wie abhängig Europa im Digitalen von den USA ist. Tagesspiegel, 15. Februar 2026.
Kai Ambos: Die Sanktionierung des Rechts. Zur Sanktionspolitik der US-Regierung gegen den Internationalen Strafgerichtshof. Verfassungsblog, 17. Dezember 2025.
Initiative Debanking stoppen: debankingstoppen.de – Solidarität mit antifaschistischen Strukturen
Anne Baillot und Alexandra Keiner: Trifft es einen, trifft es alle? Herausforderungen und Perspektiven von Debanking-Praktiken in Europa. 25. Januar 2026
Simon Simanovksi: Repressionswäsche. Zum „Debanking“ linker Organisationen. Verfassungsblog, 5. März 20206.
Konrad Litschko und Kersten Augustin: Wenn der Verfassungsschutz aussortiert. taz, 17. März 2026.
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion (Büro Lisa Schubert): Kündigung von Konten politischer Organisationen („Debanking“) sowie Zahlungssouveränität in der Europäischen Union. Drucksache 21/4638. 6. März 2026.
Financial Intelligence Unit (FIU): Typologien der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung Besondere Anhaltspunkte für das Erkennen einer möglichen Terrorismusfinanzierung. Stand April 2024. (Das Papier ist nicht offiziell über die FIU zugänglich, wurde hier aber online gestellt; Frag den Staat hat dazu gerade eine Anfrage laufen: Typologie - FragDenStaat)
Das Mitbringsel:
Sabine Nuss, Michael Heinrich: Tausch und Täuschung. Wie wir Geld machen. MaroHeft Nr. 22, 2026. MaroVerlag.
