Rudolf Lutz, Dirigent, Organist und musikalischer Leiter der J. S. Bach‑Stiftung, erzählt von seinem Leben mit Bach als Lebenselixier. Er spricht über die intensive Arbeit an Bachs Kantaten, seine Liebe zur Improvisation und Komposition sowie prägende Kindheitserinnerungen, Britten‑Bezüge, Jazzleidenschaft und die Auseinandersetzung mit Tod und Älterwerden.
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Bachprägt Sein Musikalisches Denken
Die fortwährende Auseinandersetzung mit Bachs Werk formt Lutz' gesamtes Hören und Denken zur Musik.
Er arbeitet Linie für Linie, geht vom Wort aus und versucht den Affekt der Texte in musikalische Bewegung zu übersetzen.
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Bei Aufnahmen Verantwortung Klar Verteilen
In Aufnahmearbeit trennt Lutz klar Tonmeisteraufgaben und musikalische Verantwortung: vertraue dem Tonmeister, fokussiere dich auf affektmässige Darstellung.
Intensive Proben, Hauptprobe und Voraufnahmen strukturieren den Aufnahmeprozess.
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Textverständnis Vor Musikalischer Umsetzung
Bevor man an Bachs Musik geht, sollte man sich mit theologischen Kontexten und Perikopenordnung beschäftigen.
Lutz betont, dass Libretto-Auslegung direkt die musikalische Interpretation prägt.
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Dirigent, Organist, Cembalist, Improvisator: Rudolf Lutz gehört zu den prägendsten Bach-Interpreten der Schweiz. Als musikalischer Leiter der J. S. Bach-Stiftung St. Gallen widmet er sich seit mehr als zwei Jahrzehnten der Aufführung und Einspielung des gesamten Kantatenwerks von J.S. Bach.
Fast 200 Kantaten hat er bereits dirigiert – jede einzelne mit der Leidenschaft eines Musikers, für den Bach weit mehr ist als ein Komponist: «Bach ist mein Lebenselexier», sagt Lutz.
In «Musik für einen Gast» blickt Rudolf Lutz auf ein vielseitiges Musikerleben zurück. Über 40 Jahre war er Organist an der St. Laurenzenkirche in St. Gallen, wurde für seine Auseinandersetzung mit Bachs geistlicher Musik mit einem Ehrendoktor der Theologie ausgezeichnet und hat sich als Improvisator und Vermittler einen Namen gemacht.
Im Gespräch mit Eva Oertle spricht Rudolf Lutz über seine musikalischen Wurzeln und die prägende Rolle seiner englischen Grossmutter. Er erzählt von seinem Weg zur Musik, der über eine Ausbildung zum Primarlehrer führte – und von der Vielseitigkeit, die sein künstlerisches Leben bis heute bestimmt. Er spricht über Inspiration und Zweifel, über Glauben, Familie und das Älterwerden – und darüber, was Musik für ihn im Innersten bedeutet.
Neben einer Arie von Bach bringt Rudolf Lutz auch ein englisches Volkslied in der Bearbeitung von Benjamin Britten mit, eine Jazzaufnahme von Benny Goodman, einen Sinfoniesatz von Brahms und Musik, die er im Dialog mit Texten von Klaus Merz selbst geschrieben hat: «Bilder von Leben und Tod», ein Werk, das noch eine weitere Seite von Rudolf Lutz zeigt – die des Komponisten.
Die Musiktitel
- Johann Sebastian Bach: Die Seele ruht in Jesu Händen, BWV 127 Nr. 3
(J.S. Bach-Stiftung St. Gallen; Julia Doyle, Sopran; Rudolf Lutz, Leitung)
- Benjamin Britten: Come you not from New Castle
(Peter Pears, Tenor; Benjamin Britten, Klavier)
- Rudolf Lutz: Feuerverlauf, aus «Bilder von Leben und Tod», mit Texten von Klaus Merz
(Sonus Quartett)
- Louis Prima: Sing, Sing, Sing
(Benny Goodman & His Orchestra, Live in Stockholm 1970)
- Johannes Brahms: 4. Satz aus Sinfonie Nr. 1 c-Moll
(Tapiola Sinfonietta; Mario Venzago, Leitung)