Martin Carrier, Professor für Wissenschaftsphilosophie und Kopernikus‑Biograf, erklärt historischen Kontext und Kontroversen um das kopernikanische Weltbild. Kurze Sätze über Kopernikus’ zurückhaltende Veröffentlichung, Osianders beruhigendes Vorwort und wie Galilei und Kepler die Theorie später verteidigten und erweiterten. Fokus liegt auf Konflikt zwischen Wissenschaft und Kirche.
Nikolaus Kopernikus entwirft ein Weltbild, das mit dem Alten Testament nicht vereinbar ist. Aufsehen erregt seine Theorie aber erst lange nach seinem Tod.
In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:
warum Kopernikus alles andere als ein Revolutionär war,
vom ptolemäischen Weltbild mit der Erde als Zentrum,
wie ein heimlich ergänztes Vorwort in Kopernikus' Werk die katholische Kirche beruhigt,
wie Kopernikus' Theorie erst von Galilei verteidigt und dann von Kepler verbessert wird.
Mit seiner Theorie, dass die Erde die Sonne umkreise und nicht umgekehrt, stellt Nikolaus Kopernikus das seit fast eineinhalb Jahrtausenden gültige Weltbild in Frage. Als bibelfester Wissenschaftler zögert er lange, ehe er sie der breiten Öffentlichkeit vorstellt. Als sein Werk "De Revolutionibus Orbium Caelestium" ("Über die Kreisbewegungen der Himmelskörper") 1543 erscheint, liegt Kopernikus bereits im Sterben.
Großes Aufsehen erregt seine Schrift zunächst nicht. Die Theorien gelten eher als Hypothesen, denn als Umsturz der alten Ordnung. Erst Jahrzehnte später fühlt sich die katholische Kirche herausgefordert - durch Galileo Galilei. Er kommt zu dem Schluss dass das heliozentrische Weltbild des Kopernikus richtig sein müsse.
Um Galilei anklagen zu können, wird am 24. Februar 1616 die Lehre des Kopernikus von der Inquisition offiziell zur Irrlehre erklärt. Wenige Tage später landet sein Hauptwerk auf dem Index der verbotenen Bücher. Aufhalten lässt sich die "kopernikanische Wende" dadurch aber nicht mehr.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
Martin Carrier, Professor für Wissenschaftsphilosophie an der Universität Bielefeld und Kopernikus-Biograf
Martin Carrier: Nikolaus Kopernikus. München 2001
Hubert Wolf: Kontrolle des Wissens. Kirche im Spannungsfeld zwischen Forschung und Zensur. S. 11-21. In: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 2009, Band 28. Ostfildern 2011
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