
Hörsaal - Deutschlandfunk Nova Entführer und Geisel - Wie das Stockholm Syndrom erfunden wurde
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May 1, 2026 Juliane Hornung, Historikerin an der Universität Köln und Fellow in München, erklärt, warum das Stockholm-Syndrom erst in den 1970ern entstand. Sie vergleicht historische Entführungsfälle, zeigt Medienstrategien und Geschlechterrollen auf. Themen: Geiseldramen, psychiatrische Diagnosegeschichte, Cold-War‑Ängste, Memoiren als Erzählstrategie und die Rolle von Medien und Experten.
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Episode notes
Stockholm Geiseldrama 1973 Als Beispiel Für Nähe
- Beim Geiseldrama in Stockholm 1973 verabschiedeten sich vier Bankangestellte herzlich von ihren Kidnappern und eine Geisel sagte, Clark ich werde dich wiedersehen.
- Juliane Hornung beschreibt, wie Christine Enmark Händchenhalten und Gefühl von Sicherheit als Reaktion auf die sechs Tage Geiselnahme schilderte.
Warum Liebesgefühle Früher Nicht Pathologisiert Wurden
- Positive Gefühle gegenüber Entführern im frühen 20. Jahrhundert galten nicht als krankhaft, sondern wurden oft narrativ genutzt, um Würde und Männlichkeit zu rekonstruieren.
- Memoiren wie die von Perdekaris nutzten Zuneigung als Strategie, um nach monatelanger Abhängigkeit Handlungsmacht darzustellen.
Entführungsmemoiren Inszenierten Abenteuer
- Entführungsmemoiren bildeten zwischen 1870 und dem Ersten Weltkrieg ein eigenes Genre mit Bildern und Beschreibungen, die Abenteuer statt reiner Leiden inszenierten.
- Autoren wie William Mones platzierten Porträts von sich und ihren Kidnappern gleichberechtigt, um sich als handlungsfähig darzustellen.

