International: Umstrittene chinesische Investitionen in Ungarn
Mar 22, 2026
Ein Dorf wird durch mehrere chinesische Batterie- und E-Auto-Fabriken verändert. Anwohnerinnen berichten von verschmutzten Bächen, Wasserknappheit und fehlender Behördenkontrolle. Ökonominnen warnen vor fehlendem Technologie-Transfer und wachsender Abhängigkeit. Politische Spannungen und Korruptionsvorwürfe rund um Subventionen prägen den Wahlkampf.
26:16
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Dorfbewohnerin Erzählt Von Baustellennähe
Eva Kosma beschreibt das ruhige Dorf Mikepercs vor den Fabriken und die plötzlichen Bauarbeiten rund um Debrecen.
CATL baut Batteriefabriken nur zwei Kilometer entfernt auf 300 Fussballfeldern, was Verkehr, Lärm und Lichtverschmutzung brachte.
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Bach Ging Nach Fabrikstart Verunreinigt
Anwohner meldeten verschmutzten Bach mit Metallspänen und Ölemulsion nach Inbetriebnahme einer Fabrik.
Debrecen informierte die Öffentlichkeit erst zwei Tage nach den Lokalwahlen; Strafe folgte, aber keine harten Konsequenzen.
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Samsung Werk Wurde Zum Politischen Skandal
Skandal um Samsung-Batteriefabrik: Giftstoffe gelangten laut Medien in Luft und Grundwasser, Arbeiter waren krebserregenden Stoffen ausgesetzt.
Regierung soll informiert gewesen sein, handelte lange nicht, Proteste nutzen Oppositionsparteien im Wahlkampf.
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Unter Viktor Orban hat sich Ungarn bewusst gegenüber China geöffnet. Mit Erfolg: Kein anderes Land in der EU erhält so viele chinesische Investitionen. Chinesische Firmen bauen Fabriken für Batterien und E-Autos. Doch viele fürchten Umweltschäden und eine ökonomische Sackgasse.
Das Dorf Mikepercs wäre eigentlich eine Idylle. Doch hier baut eine chinesische Firma gleich mehrere Batteriefabriken. Anwohnerin Eva Komza fürchtet sich vor Umweltschäden. Eine bereits eröffnete Fabrik, ebenfalls von einer chinesischen Firma betrieben, hat den Dorfbach verschmutzt. Die Lokalen Behörden ignorierten die Umweltschäden allerdings lange Zeit. Eva Komza ist daher überzeugt: «Die Behörden arbeiten nicht für uns, sondern für die internationalen Firmen».
Weitere Beispiele ausländischer Firmen, die jahrelang für schwere Umweltschäden verursachten, nähren das Misstrauen in der Bevölkerung. Hinzu kommt der hohe Wassert- und Stromverbrauch der Produktion in einem Land, das zunehmend mit Wasserknappheit zu kämpfen hat und von ausländischer Energie abhängig ist.
Doch auch Wirtschaftsexperten und -expertinnen sind skeptisch. Die Produkte, welche die Fabriken herstellen, werden in Ungarn nur zusammengesetzt. Die Einzelteile, und damit auch ein Grossteil der Wertschöpfung, kommen aus China. Ein Wissenstransfer findet kaum statt. Ungarns Wirtschaft profitiere daher langfristig nicht davon, sondern begehbe sich nur in weitere Abhängigkeiten.
Das Misstrauen gegenüber der Regierung, das sich am Beispiel der chinesischen Fabriken zeigt, spiegelt sich auch in den Umfragewerten nieder. Langzeit Premierminister Orban liegt hinter Oppositionsführer Peter Magyar zurück. Die von den Fabriken ausgelösten Umweltprobleme sind Teil des Wahlkampfes für die Wahlen im April, die Victor Orban nach 16 Jahren das Amt kosten könnten.