In dieser Folge von Economic Challenges analysieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, das neue Jahresgutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI). Im Zentrum steht die sicherheitsrelevante Forschung – ein Feld, auf dem Deutschland aus Sicht beider Ökonomen erheblichen Nachholbedarf hat.
Rürup kritisiert, dass die Debatte über Wehrtechnik und Dual-Use-Forschung an deutschen Hochschulen bislang nur zögerlich geführt wird. „Wir leben hier im Schatten des Dritten Reichs“, sagt er – und stellt die Frage, ob historische Traumata noch immer notwendige Kooperationen zwischen Wissenschaft und Rüstungsindustrie blockieren. Hüther verweist auf die Zivil- und Friedensklauseln vieler Hochschulen und fordert einen kulturellen Wandel: Sicherheitsforschung sei längst ein Hightech-Thema mit hoher Innovationsdynamik.
Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und einer schwindenden Verlässlichkeit der USA plädieren beide für eine strategische Neupositionierung. Es gehe nicht um eine Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit, betont Hüther, sondern um die Bereitschaft, gesellschaftlich relevante Fragen anzunehmen. Im Kern steht die Frage, ob Deutschland forschungspolitisch aus einem „weißen Fleck“ heraustreten will – oder sicherheitstechnologisch dauerhaft abhängig bleibt.
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