
Letzte Chance im All - Kann Europa im Space Race aufholen?
IQ - Wissenschaft und Forschung
Intro
Birgit Magiera und Stefan Geier eröffnen den Weltraumschwerpunkt und stellen das Thema Wettlauf um die Erdumlaufbahnen vor.
Satelliten steuern Navigation, Internet, Aufklärung. Die USA dominieren mit SpaceX, China antwortet mit Tempo, Indien, Japan und die Emirate investieren Milliarden. Kann Europa im Wettlauf um den Weltraum mithalten? Ein Podcast mit Stefan Geier.
Host dieser Folge ist Birgit Magiera
Autor: Stefan Geier
Redaktion: Florian Falzeder
Produktion: Markus Mähner
Interviewpartner:
Josef Aschbacher, Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA:
https://www.esa.int/Space_in_Member_States/Germany/Josef_Aschbacher_ESA-Generaldirektor
Zum Weiterlesen:
Alles zum Munich Space Summit findet ihr unter:
https://www.munich-space-summit.org/
Habt Ihr Feedback? Anregungen? Wir freuen uns, von Euch zu hören: WhatsApp (https://wa.me/491746744240) oder iq@br.de
Falls Euch der IQ-Podcast gefällt, freuen wir uns über eine gute Bewertung, einen freundlichen Kommentar und ein Abo. Und wenn Ihr unseren Podcast unterstützen wollt, empfehlt uns gerne weiter!
IQ verpasst? Hier könnt Ihr die letzten Folgen hören: https://1.ard.de/IQWissenschaft
Transkript:
Das hier ist der Auftakt zu einem großen Weltraumschwerpunkt, so würde ich es jetzt mal nennen, denn ihr bekommt jetzt am Stück gleich drei IQ-Folgen zum Weltraum. Und den Anfang macht heute der Wettlauf um den Platz dort oben, wo jetzt schon tausende Satelliten kreisen. Man könnte auch sagen, Wettrüsten in den Erdumlaufbahnen.
Da haben US-amerikanische Unternehmen, aber auch andere schon viel besetzt. Und die Frage ist, ist Europa überhaupt dabei in diesem Wettbewerb um die Macht im All? Oder ist der Zug schon abgefahren?
Beziehungsweise, lasst uns im Bild bleiben, ist die Rakete schon abgehoben?
IQ, Wissenschaft und Forschung.
Stefan Geier aus dem IQ-Team hat Antworten dabei. Schön, dass du da bist.
Ich denke ja bei Weltall und Raumfahrt, na ja zuerst mal an die ISS vielleicht, an Mondlandung, aber auch, ja, rätselhafte Unendlichkeit, eine wunderschöne klare Sternennacht. Woran denkst du?
Es hat sich in den letzten Jahren stark verändert bei mir. Mir geht es auch noch so, dass es bei mir immer noch da diese Faszinationentdeckung Neues übers Universum, Mars Rover und so weiter. Aber es ist so ein bisschen, würde ich sagen, eine Ebene nach hinten gerückt.
Es ist was dazugekommen und zwar dieser Blick wirklich rund um die Erde. Das ist für mich so, ja, diese Dimension, von der wir in der Schule, finde ich, viel zu wenig hören. Ich denke mal an den Weltatlas, den wir in der Schule haben.
Den Diercke?
Den Diercke zum Beispiel, genau. Da gibt es ja diese Karte mit den Bodenschätzen. Ich weiß nicht, ob du dich erinnerst und...
Ja, war immer furchtbar unübersichtlich.
Furchtbar unübersichtlich, genau, ist eine Dimension nach unten. Und ich denke, diese Dimension nach oben, so in 400 bis 600 Kilometer Höhe rund um die Erde, die fehlt eigentlich in diesem Atlas. Und da haben wir inzwischen eine eigene Infrastruktur.
Du hast es gesagt, tausende Satelliten. Das ist zwar “nicht neu, aber immer dringlicher wird diese Frage, wer darf hier eigentlich was und wer hat hier oben eigentlich die Macht. Und so sehe ich den Weltraum eigentlich momentan eher von diesem Blick von außen auf die Erde.
Wir haben diese Folge genannt, letzte Chance kann Europa noch aufholen in dieser Schicht rund um die Erde, wo die Satelliten kreisen. Lass uns kurz drauf schauen auf diese neue Dimension, wie du es nennst. Was ist da los?
Die Raumfahrt ist ein Milliardenmarkt und der wächst rasant. Etwa 700 Milliarden Dollar schwer ist die globale Space Economy bereits jetzt. In zehn Jahren soll sie die 1,4 Billionen Dollar Marke knacken.
An der Spitze ein einziges Unternehmen. Zwei Drittel aller aktiven Satelliten im Erdorbit gehören SpaceX. Etwa 10.000 bilden das Unternehmens eigene Satelliten-Internetsystem Starlink.
Stand heute Zielmarke knapp 35.000 Satelliten. Und die SpaceX-eigene Rakete startet im Schnitt dreimal pro Woche ins All. China antwortet mit Tempo.
Etwa 90 Starts im Jahr 2025. Ein nationaler Rekord, 35 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Zwei eigene Megakonstellationen mit je 10.000 Satelliten sind in Planung.
Daneben aktive eigene Raumstation und starke Ambitionen, Menschen aus China auf den Mond zu bringen. Das Ziel eine Gegenmacht im Orbit. Weitere Player, die massiv ins All investieren, sind Japan, Indien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Europa.
Die Erdumlaufbahnen sind zum Ort für kritische Infrastruktur geworden. Kommunikation, Navigation, Aufklärung, Datenpipelines. Alles läuft über Satelliten.
Wer die Umlaufbahn kontrolliert, kontrolliert die Datenströme der Erde. In diesem Rennen stecken wir mittendrin.
Also da ist wirklich jetzt schon einiges los über unseren Köpfen. Gerade gab es ein großes Treffen der europäischen Raumfahrt in München. Du warst dort, Stefan.
Was überwiegt da stimmungsmäßig? Die Angst, wirklich jetzt schon abgehängt zu sein oder zu werden oder so eine Art Aufbruchstimmung? Let's go.
Naja, also es überwiegt natürlich vor allem die Aufbruchstimmung. Auf solchen Treffen wie dem Space Summit in München, das ist ein sehr industriefokussiertes Treffen. Da merkt man schon, wie viele Player wir in Europa heute schon haben, die im Weltraum unterwegs sind, die für Weltraumanwendungen produzieren.
Und wie sehr auch die ESA, die Europäische Raumfahrtorganisation, da so als übergeordneter Organisator auch pusht. Wir hatten ein Gespräch mit dem Generaldirektor der ESA, Josef Aschbacher, und der hat das ganz gut beschrieben. Vielleicht hören wir da mal kurz rein.
Manchmal nenne ich, dass das die schlafende Prinzessin jetzt aufwacht und wirklich aktiv wird und sich entfaltet. Und Weltraum ist ja wirklich so, wo Europa exzellente Qualität hat, aber vielleicht etwas zu langsam. Und ich sage nicht schlafend war, aber vielleicht etwas zu langsam war im Vergleich zu dem, was notwendig wäre.
Also schlafende Prinzessin, ja, das klingt vielleicht ein bisschen romantisch, aber man darf ja nicht vergessen, es ist ein knallharter Wettbewerb da um die Macht im All. Insgesamt würde ich auf jeden Fall sagen, es ist positiv Aufbruchstimmung. Aber es ist eben nicht so, dass dieses Rennen gerade erst begonnen hat, sondern wir stecken da mittendrin.
Gut, dann mach's konkret die kritischen Punkte. Wenn Europa mitspielen will, was ist zu tun?
Wir spielen ja schon mit im großen Stil. Europa hat, nehmen wir einen großen Block, ein eigenes Navigationssystem, Galileo, ähnlich dem amerikanischen GPS. Aber was viele gar nicht wissen, es ist wesentlich genauer als GPS, ist also sehr erfolgreich.


