
Das Unrecht des Stärkeren
SWR Kultur lesenswert - Literatur
00:00
Recherchen und weitere Insider
Dündar teilt weitere Erkenntnisse aus Treffen mit Insidern, die das Bild vervollständigen.
Play episode from 02:44
Transcript
Transcript
Episode notes
„Ich traf meinen Mörder“ – dieser Titel ist zum Glück nicht ganz wörtlich zu nehmen. Can Dündar spricht also nicht aus dem Jenseits zu uns. Der potentielle Mörder des türkischen Journalisten hat seinen Auftrag nicht ausgeführt.
Im Gegenteil: Er ist selbst zum Verfolgten geworden und sitzt nun in argentinischer Haft, wartend auf die Auslieferung an die Türkei. Dorthin will er auf keinen Fall zurück. Also packt er aus.
Er nimmt Kontakt zu seinem einstigen Zielobjekt auf: Can Dündar. Der fliegt aus seinem deutschen Exil nach Buenos Aires. Und sitzt seinem Beinahe-Mörder nun gegenüber.
Detailliert mit Namen, Daten und Orten berichtete er von den Vorbereitungen eines Attentats, das meine Ermordung zum Ziel hatte. Die Namen waren echt, die Orte stimmten, die Daten passten, die Einzelheiten erschreckten …!Serkan Kurtuluş ist ein Gangster, mit allen Wassern gewaschen, in die dunkelsten mafiösen Geschäfte verwickelt. Und doch ist er glaubwürdig – weil er nichts mehr zu verlieren hat und durch die Preisgabe seines Wissen eine Auslieferung an die ehemaligen Auftraggeber verhindern möchte. Er weiß, dass man ihn mit allen Mitteln zum Schweigen bringen will. Da meldet sich also ein Killer, der davon berichtet, dass der Plan zur Ermordung eines oppositionellen Journalisten bis in die höchsten staatlichen Stellen und von dort mitten hinein in ein globales Beziehungsnetz aus Politik und Verbrechen reichte. Dahinter, so lernt Dündar, steckten außergewöhnliche Deals, Intrigen und Finten, die sich von Russland in die USA, von Syrien in die Ukraine erstreckten.Quelle: Can Dündar – Ich traf meinen Mörder
Der Weg ins Exil
Am Anfang steht ein Artikel, den Can Dündar, Chefredakteur der Tageszeitung Cumhuriyet, 2015 veröffentlichte. Er berichtete darin über geheime Waffenlieferungen an den Islamischen Staat, in die der türkische Geheimdienst verwickelt sein sollte. Von seinem Informanten wird im Nachhinein alles bestätigt – und noch viel mehr: „Seien Sie sicher“, sagt Kurtuluş zu Dündar…… mit der Formulierung ‚Waffenhilfe für die Turkmenen‘ wurden Waffenlieferungen an den IS kaschiert. Ich war damals bei vielen Waffenlieferungen dabei. Die Turkmenen bekamen kleinere Waffen wie Kalaschnikows. Die schweren Waffen gingen an al-Nusra und an den IS. Das gefiel den Turkmenen gar nicht, sie beschwerten sich darüber.Dündar wurde nach Veröffentlichung seines Artikels festgenommen. Wieder entlassen. Er überlebte ein Attentat. Ihm wurde – wie es in Autokratien so üblich ist – Spionage vorgeworfen. Ein politischer Prozess drohte. Bevor er zu einer hohen Haftstrafe verurteilt wurde, ging er ins Exil. Damals ist das ganze Ausmaß des Skandals um die illegalen Waffenlieferungen noch nicht zu ahnen – erst jetzt setzen sich die Details zu einem schier unglaublichen Bild zusammen. Wie in einem Krimi lässt Dündar uns an seinen Recherchen der letzten Jahre teilhaben, an den Erkenntnissen, die ihm durch Treffen mit weiteren Insidern zufliegen.Quelle: Can Dündar – Ich traf meinen Mörder
Mitten ins Machtzentrum
Die verschiedenen Spuren laufen auf das Machtzentrum in Ankara zu. Ganz an der Spitze steht ein Mann, der alle Fäden in der Hand zu halten glaubt. Der von allem gewusst haben muss: Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Aufgrund seiner politischen Bedeutsamkeit – gerade auch in der Flüchtlingsfrage – wird ihm allerdings von europäischen Staatsoberhäuptern der rote Teppich ausgerollt; und im Inneren geht er immer skrupelloser gegen die Opposition vor.Dieses Buch ist die Verteidigungsschrift eines Journalisten, der angeklagt wurde wegen ‚Verrats von Staatsgeheimnissen, Spionage, Landesverrats‘ und der in Abwesenheit verurteilt wurde.Ohne Zweifel ist das anhand der vorgebrachten Fakten und Rechercheergebnisse leicht zu erkennen. Aber in der Politik regiert das Recht des Stärkeren. Das Einzige, was die Geschichte lehrt: Auch die Mächtigen stürzen meist doch irgendwann über die vielen Leichen, die sie unter sich zu begraben versuchen.
Wenn Sie sie lesen, werden Sie erkennen, wer hier wirklich der Verräter ist, wer sein Heimatland wirklich liebt und wer eigentlich vor Gericht gebracht werden sollte.“Quelle: Can Dündar – Ich traf meinen Mörder
The AI-powered Podcast Player
Save insights by tapping your headphones, chat with episodes, discover the best highlights - and more!


