
Gemeinwohl-Ökonomie: Werte statt Wachstum. Mit Thomas Schmidt, Michael Reinhardt und Michael (Michi) Schnitzlein
ICH WIR ALLE. Selbst + Team + Werte-Entwicklung
Vorstellung der Gäste und Biografien
Birgit lässt Thomas, Michael Reinhardt und Michi ihre Hintergründe und Motivation zur GWÖ kurz skizzieren.
Wie soll Wirtschaft eigentlich funktionieren – und für wen?
Diese Frage treibt unsere drei Gäste Thomas Schmidt, Michael Reinhardt und Michi Schnitzlein seit vielen Jahren um. Sie engagieren sich in der Augsburger Regionalgruppe der Gemeinwohlökonomie-Bewegung. Drei Generationen, drei Berufsbiografien und ein gemeinsames Thema: Wie lässt sich Wirtschaft so gestalten, dass sie tatsächlich den Menschen dient? Im Gespräch mit Martin Permantier wird schnell klar, warum die Gemeinwohlökonomie für alle drei kein akademisches Randthema ist, sondern ein konkretes Werkzeug für die Praxis.
Was die Gemeinwohlbilanz leistet
Die Gemeinwohlbilanz ist das zentrale Instrument: ein strukturierter Prozess, mit dem Unternehmen ihren sozialen, ökologischen und gesellschaftlichen Mehrwert messbar machen und zertifizieren lassen. Rund tausend Unternehmen haben sich bereits bilanziert, darunter ein Weltmarktführer aus dem Allgäu, der heute Windräder-Transporte über enge Gebirgspässe in Südamerika ermöglicht. Aktuell wird daran gearbeitet, die Gemeinwohlbilanz mit den EU-Berichtspflichten (CSRD/VSME) kompatibel zu machen, ein Vorteil besonders für kleinere Unternehmen in Lieferketten.
Erkenntnisse aus diesem Gespräch:
- Geld als Mittel, nicht als Zweck. Die Gemeinwohlökonomie fragt: Wofür wirtschaften wir eigentlich? BIP-Wachstum durch Rüstungsexporte oder nach Umweltkatastrophen lässt sich im gleichen Atemzug als Erfolg zählen - und zeigt damit, wie wenig das Bruttoinlandsprodukt über echten Wohlstand aussagt.
- Werte zuerst, Bilanz danach. Wer die eigenen Werte kennt und benennen kann, trifft bessere Entscheidungen - gerade in unsicheren Zeiten. Genau deshalb beginnen Michael und Michi ihr Seminar an der Uni Augsburg nicht mit Wirtschaftstheorien, sondern mit der Frage: Was ist euch wichtig?
- Klein anfangen, gemeinsam weiterkommen. Der Einstieg gelingt am leichtesten über Peergroups oder regionale Netzwerke. Kooperation statt Wettbewerb ist dabei keine Idealvorstellung, sondern eine wirtschaftlich tragfähige Strategie.
Thomas, Michael und Michi sprechen aus echten Erfahrungen, als Berater, Lehrende an der Hochschule und aktive Netzwerker in der Praxis. In dieser Folge geht es nicht um Appelle, sondern um konkrete Fragen: Wie steige ich als Unternehmen ein? Was kostet ein Bilanzierungsprozess wirklich an Zeit? Und wie geht diese Bewegung mit der politischen Polarisierung um, die gerade alles, was nach Nachhaltigkeit klingt, unter Generalverdacht stellt? Diese Antworten gibt es in der Folge.
Unser Gesprächspartner Thomas Schmidt: ist Ruheständler, Unternehmer und Gründer.
Als Angestellter lernte er vom Kleinunternehmen bis zum börsennotierten Konzern diverse Unternehmens- und Vertriebskulturen kennen. Thomas war als Vertriebs-Ingenieur von Mediendiensten bis hin zu Investitionsgütern über dreißig Jahre erfolgreich tätig. Er gründete 2016 dass GdG-Ingenieurbüro mit dem Ziel, seine Erfahrungen zukünftig nun kleineren Unternehmen zur Verfügung zu stellen.
Unser Gesprächspartner Michael Reinhardt: arbeitet im Bereich „Gesundheit im Arbeitskontext“. Tätig im eigenen Familienbetrieb berät er Unternehmen zur Gestaltung gesunder Arbeitsbedingungen und motiviert Mitarbeitende zu gesundheitsbewusstem Verhalten.
Als Mitgründer der Meet your Purpose Genossenschaft unterstützt er Organisationen mit digitalen Tools in Transformationsprozessen. In Augsburg engagiert er sich in der Gemeinwohlökonomie und im städtischen Nachhaltigkeitsprozess für verantwortungsbewusstes Wirtschaften.
Unser Gesprächspartner Michael (Michi) Schnitzlein: ist Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt nachhaltiges Wirtschaften und strategische Entscheidungsfindung.
Seit 2022 ist er PhD-Kandidat an der Universität Augsburg sowie Visiting Researcher am Leonardo Centre for Business & Society des Imperial College London (seit Mai 2025). Seine Forschung untersucht die kognitive Wahrnehmung organisatorischer Nachhaltigkeitssignale und wie diese in institutionellen Feedback-Schleifen echten Impact generieren. Desweiteren untersucht er wie CEOs Entscheidungen unter Druck treffen und wie politischen Ideologien dieses Verhalten beeinflussen. Im Vorstand des Bayerischen Vereins der Gemeinwohl-Ökonomie, sowie als Koordinator der GWÖ-Regionalgruppe Augsburg macht er sich stark für eine Transformation der Wirtschaft. Hin zu einer Wirtschaft die dem Menschen dient und nicht anders herum.
✨ Kontakt: michael.schnitzlein@uni-a.de
Unser Gesprächspartner Martin Permantier: Als Begleiter und Inspirator für Transformationen liegt mir die Entwicklung von Führung, Unternehmenskultur und Organisationen besonders am Herzen. Diesen Themen widme ich mich auch als Autor, Keynotespeaker, Ausbilder, Seminarleiter, Workshopgestalter, Begleiter und Podcasthost von ich-wir-alle.com. In meiner Agentur SHORT CUTS betreuen wir Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Unternehmensidentität und Arbeitgeberattraktivität.
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